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"Wetten, dass..?": Gottschalk setzte auch Teldafax ins rechte Licht

Das ZDF kämpft gegen den Vorwurf der Schleichwerbung. Das "Handelsblatt" berichtet über einen Millionenvertrag zwischen der Firma des Gottschalk-Bruders und dem Skandalunternehmen Teldafax.

Rudi Völler hatte Kunde für Stromverbraucher: "Wechseln ist ein Klax mit Teldafax." Das war im Frühjahr 2009. Zu diesem Zeitpunkt war der Energiediscounter schon finanziell angeschlagen, die Probleme zeichneten sich bereits 2008 ab. Inzwischen ist bekannt: Das Geschäft konnte über einen langen Zeitraum nur durch fortlaufende Vorauszahlungen vieler Kunden aufrechterhalten werden. Mehr als 700.000 Teldafax-Kunden wurden geprellt. Ein Gericht bescheinigte dem Top-Management der Firma später betrügerisches Verhalten.

Rudi Völler, Sportdirektor bei Bayer Leverkusen, war prominenter Webeträger von Teldafax - und Gast bei der ZDF-Show "Wetten, dass..?". Und dort brachte er den Billigstromanbieter in Szene - mit freundlicher Hilfe von Moderator Thomas Gottschalk. So soll es ein Vertrag zwischen Teldafax und Dolce Media, der TV-Vermarktungsfirma von Gottschalks Bruder Christoph, vorgeschrieben haben, aus dem das "Handelsblatt" am Dienstag zitierte. Demnach hatte der Entertainer zu einem Gewinnspiel zu sagen: "Und das Mitmachen lohnt sich auch für Sie, denn für drei Jahre wird unser neuer Partner Teldafax Ihr Haushaltsversorger." Nach Informationen der Wirtschaftszeitung soll Teldafax von 2009 bis 2010 insgesamt 1,5 Millionen Euro an Dolce Media gezahlt haben. Der Betrag sei später wegen der Geldprobleme bei dem Billigstromanbieter auf rund eine Million Euro reduziert worden.

Nach "Handelsblatt"-Angaben unter Berufung auf das ZDF erschien Teldafax in sechs Sendungen. In der Werbeaktion bei "Wetten, dass..?" sei vor allem der Teldafax-Werbepartner Bayer 04 Leverkusen zum Zuge gekommen. Sportdirektor Völler, Trainer Jupp Heynkes und das Team der Werkself seien als Werbeträger von Teldafax aufgetreten. Gottschalks Versprechen, "mitmachen lohnt sich auch für Sie" hätten das ZDF und Teldafax nicht einhalten können. Am 14. Juni 2011 kapitulierte der Stromdiscounter vor seinem Schuldenberg und meldete Insolvenz an. Drei Tage danach wurde der Betrieb komplett eingestellt.

ZDF: Kein Euro ging an den Sender

Ein Sprecher des Senders sagte dem "Handelsblatt", das ZDF habe von dem Teldafax-Geld keinen Euro erhalten. Dolce Media habe sich auf Anfrage zunächst nicht zu dem Vorgang äußern wollen. Er liege Jahre lang zurück und könne in der kurzen Zeit nicht rekonstruiert werden, sagte Michael Bartsch, der Anwalt des Unternehmens.

Das ZDF wird mit dem Vorwurf konfrontiert, trotz aller internen Verbote Schleichwerbung zugelassen zu haben, erklärt jedoch, dass es von Absprachen zwischen Firmen und Dolce Media nichts gewusst habe und diese auch nicht zugelassen hätte. In seiner jüngsten Ausgabe hatte der "Spiegel" über millionenschwere Kooperationen zwischen Dolce Media sowie dem Autohersteller DaimlerChrysler und dem Solaranlagenproduzenten Solarworld berichtet. Da die Verträge laut "Spiegel" konkrete Vorgaben machten, wie lange ein Produkt zu sehen sein sollte und was der Moderator zu sagen hatte, könnte es sich um einen Eingriff in redaktionelle Entscheidungen gegen Bezahlung handeln, was dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk gesetzlich untersagt ist. "Die On-Air-Präsenz der A-Klasse" müsse "im Schnitt 45 Sekunden pro Sendung" betragen, heiße es zum Beispiel im Vertrag mit DaimlerChrysler. Kostenpunkt pro Jahr: "1.250.000 Euro,-- zzgl. Mehrwertsteuer."

DaimlerChrysler und Solarworld hatten offen eingeräumt, Gegenleistungen erwartet zu haben. Frank Asbeck, Gründer und Chef von Solarworld, hatte erklärt: "Ich bin mit dem Gegenwert sehr zufrieden." Das ZDF räumte lediglich eine "unübliche und grenzwertige Preispräsentation" im November 2007 ein. Nach der Sendung habe der damalige Programmdirektor und heutige ZDF-Intendant Thomas Bellut die Redaktion und Thomas Gottschalk auf die Gewinnspielregeln des Senders hingewiesen. Dennoch will sich der ZDF-Fernsehrat sich mit den Vorgängen befassen und die Vorgänge prüfen.

Dolce Media bricht sein Schweigen

Christoph Gottschalks Firma wollte sich zu dem gesamten Vorgang erst gar nicht äußern, da "ausdrückliche Verschwiegenheitsklauseln" existierten. Inzwischen erklärte das Unternehmen jedoch: "Dolce Media hat zu keinem Zeitpunkt Rechtsvorschriften verletzt. Insbesondere ist die Durchführung von Gewinnspielen rechtlich abgesichert. Hierzu gehört auch, dass der Gewinngegenstand präsentiert werden darf." Dolce Media habe gegenüber dem ZDF niemals in die redaktionelle Freiheit des ZDF eingegriffen. Allerdings erwähnte Dolce Media auch: "Es ist richtig, dass Dolce Media für Unternehmen wie Daimler, Solarworld und Audi Leistungen im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit teils erbracht hat, teils weiterhin erbringt."

tso