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Gläubigerversammlung von Teldafax Mit leeren Taschen in fast leerer Halle


Zu der Gläubigerversammlung des insolventen Stromdiscounters Teldafax in Köln kamen nur wenige geprellte Kunden. Und die müssen weiter mit der Ungewissheit leben.

Seit Anfang September hatte sich das Bonner Amtsgericht auf die erste Gläubigerversammlung nach der Pleite des Billig-Energieanbieters Teldafax vorbereitet. Eine Halle am Kölner Messegelände wurde mit 5000 Sitzgelegenheiten möbliert, doch am Dienstag blieben fast alle Stühle leer: Nur gut 100 der mehr als 700.000 Teldafax-Geprellten waren nach Köln gereist - gerade mal gut doppelt so viele wie die mehr als 40 Bediensteten des Bonner Insolvenzgerichts, die in der Staatenhalle ihren Dienst taten.

Dabei hatten sich mit Stand vom Montagabend "noch 2000 Gläubiger schriftlich angemeldet", wie Insolvenzverwalter Biner Bähr am Rande der Versammlung sagte. Doch erfahrungsgemäß sei es "unheimlich schwer", bei Insolvenzverfahren dieser Größenordnung im Vorhinein die Teilnehmerzahlen abzuschätzen. Die meisten Gläubiger sind ehemaligen Kunden, von denen das Unternehmen Vorauszahlungen forderte. Als Teldafax pleite ging, bekamen sie kein Strom und Gas mehr - das Geld war aber trotzdem weg.

Verfahren wird sich noch Jahre hinziehen

Für die wenigen angereisten Gläubiger blieb eine zentrale Frage bei dem Treffen unbeantwortet: Ob sie auf ihren Forderungen sitzen bleiben oder vielleicht doch ein paar Euro wiedersehen, konnte ihnen Insolvenzverwalter Bähr nicht beantworten. Angesichts der riesigen Gesamtzahl der Gläubiger war es am Dienstag für einen abschließenden Kassensturz noch viel zu früh. "Ich gehe davon aus, dass das Verfahren viele Jahre dauern wird", sagte Bähr - wahrscheinlich bis 2017 oder gar 2018.

Nur eines konnte der Insolvenzverwalter den geprellten Kunden mit auf den Heimweg geben: Das Restvermögen von Teldafax in Höhe von aktuell rund 6,9 Millionen Euro dürfte wohl in den kommenden Monaten und Jahren noch wachsen - und damit auch die zumindest theoretischen Chancen der Gläubiger auf Entschädigung. Bähr wird im Zuge des Verfahrens nämlich versuchen, von Teldafax an Dritte gezahltes Geld zurückzufordern, um so den Entschädigungstopf für die Gläubiger so weit wie möglich aufzufüllen.

Sponsorengelder von Bayer Leverkusen im Visier

So ist unter anderem denkbar, dass der Insolvenzverwalter beim Fußball-Bundesligaclub Bayer Leverkusen von Teldafax gezahlte Sponsorengelder zurückfordert. Seine entsprechenden Nachforschungen bezeichnete Bähr am Rande der Gläubigerversammlung als "entscheidungsreif" - eine mögliche Forderung an den Club soll demnächst im Gläubigerausschuss erörtert werden.

Vor allem aber wird Bähr Strom- und Gassteuern vom Fiskus zurückfordern, die eine offenbar bereits zahlungsunfähige Teldafax an die Staatskasse zahlte. Denn internen Berichten zufolge sollen die Behörden schon lange vor Eingang der Teldafax-Insolvenzantrags am 14. Juni dieses Jahres gewusst haben, dass das Troisdorfer Unternehmen de facto Pleite war. Dennoch kassierten der Fiskus weiter Strom- und Gassteuern - und könnte sich damit aus Sicht des Insolvenzverwalters einen unzulässigen "Sondervorteil" gegenüber anderen Gläubigern gesichert haben.

Rückforderungen an den Fiskus in Millionenhöhe

Eine Rückzahlung des Fiskus von rund vier Millionen Euro ging Bähr zufolge bereits ein - eine weitere Forderung werde er "jetzt geltend machen", kündigte Bähr vor Journalisten an. Insgesamt bezifferte der Insolvenzverwalter die Summe möglicher Rückforderungen von Strom- und Gassteuern auf 140 Millionen Euro. Angesichts eines durch die Teldafax-Insolvenz angerichteten Schadens von rund 500 Millionen könnten die Gläubiger also darauf hoffen, einen - wenn auch nur kleinen - Teil ihrer Forderungen erstattet zu bekommen.

Er hoffe schon, dass die Gläubiger an Ende des Verfahrens Geld sehen werden, sagte Bähr am Rande der Gläubigerversammlung. Aber "falsche Versprechungen machen" wolle er damit nicht.

pen/AFP AFP

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