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Trotz Teldafax-Pleite: Stromanbieter wechseln lohnt sich doch

Der Stromdiscounter Teldafax ist pleite. Verbraucherschützer bleiben trotzdem bei ihrem Credo: Ein Wechsel lohnt sich, denn es gibt auch gute Anbieter. stern.de erklärt, worauf Sie achten müssen, wenn Sie den Stromanbieter wechseln wollen und was Teldafax-Kunden nun erwartet.

Von Tanja Vedder

Seit Monaten köchelte es in der Gerüchteküche, nun ist es ganz offiziell: Der Billigstromanbieter Teldafax ist pleite. Die Krise des Unternehmens, das konzernunabhängig Strom und Gas vertreibt, kam nicht unerwartet. Seit seinem Start im Jahr 2007 hatte das Unternehmen mit extremen Billigangeboten um Kunden gebuhlt – und dabei die eigene Wirtschaftlichkeit außer Acht gelassen. Derzeit bemüht sich der als vorläufige Insolvenzverwalter eingesetzte Rechtsanwalt Biner Bähr, das Unternehmen mit seinen rund 600 Mitarbeitern zu retten – und darum, dass die zuletzt verbliebenen 350.000 Kunden weiter ihren Strom und ihr Gas von Teldafax erhalten.

Viele Kunden müssen nun aber um ihr Geld bangen, denn die Discounterpreise hatte Teldafax gegen Vorauskasse angeboten. Ist der Fall Teldafax deshalb ein Beispiel dafür, besser nicht seinen Stromanbieter wegen des Preises zu wechseln? "Mitnichten" sagen Verbraucherschützer wie Thorsten Kasper, Energiereferent des Verbraucherzentrale Bundesverband in Berlin. Denn durch einen Anbieterwechsel könne ein Drei- bis Vier-Personenhaushalt pro Jahr bei der Stromrechnung 100 bis 200 Euro sparen. "Es gibt gut im Markt stehende Unternehmen, bei denen man nicht befürchten muss, dass sie in die Insolvenz gehen", so Kaspers.

Worauf Kunden achten sollten, wenn sie den Stromanbieter wechseln wollen – und wie Teldafax-Kunden nun verfahren sollten – stern.de hat die wichtigsten Antworten auf die wichtigsten Fragen hier zusammengestellt.

Stehe ich als Teldafax-Kunde bald im Dunkeln?

Keine Panik! Strom und Gas werden auch geliefert, selbst wenn Teldafax dies nicht mehr liefern kann. Denn dann springen automatisch die lokalen Grundversorger ein - die allerdings auch teurer sind. Teldafax hat aber angekündigt, dass die Kunden weiter beliefert werden sollen. Zurzeit setzt der Insolvenzverwalter alles daran, dass dieses Versprechen auch gehalten werden kann. Das heißt aber auch, dass Strom- und Gasabnehmer weiter zahlen müssen.

Erlischt durch die Insolvenz mein Teldafax-Vertrag?

Nein, die Insolvenz bedeutet nicht automatisch das Ende der Vertragsbeziehung. Erst wenn der örtliche Netzbetreiber die Durchleitung von Strom oder Gas beendet und die Kunden über die Situation informiert, können diese auch tatsächlich kündigen. Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen hat einen Musterbrief aufgesetzt, in dem Kunden Teldafax ein Ultimatum für die weitere Belieferung stellen sollen. Sollte Teldafax dies nicht zusichern können, kündigt der Kunde mit diesem Schreiben vorsorglich. Wie immer bei jeder Kündigung gilt auch hier: Am besten als Einschreiben mit Rückschein versenden.

Was passiert mit meinen Vorauszahlungen?

Die Verbraucherschützer aus Nordrhein-Westfalen empfehlen, die Ansprüche gegenüber dem Insolvenzverwalter anzumelden – und zwar sofort nach Einleitung des Insolvenzverfahrens. Ob Sie danach Ihre Vorauszahlungen tatsächlich zurückerhalten, kann allerdings derzeit noch niemand beantworten.

Was ist mit meinen Abschlagszahlungen?

Ihre Abschlagszahlungen müssen Sie auch weiterhin leisten, solange Teldafax Strom und Gas liefert. Die Empfehlung der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen: Wer weniger verbraucht als er Abschlag zahlt – und deshalb eigentlich am Jahresende eine Rückzahlung bekäme -, sollte die Abschlagssumme reduzieren. Achtung: Per Einzugsermächtigung überwiesene Abschlagszahlungen können innerhalb von sechs Wochen bei der eigenen Bank zurückgerufen werden.

Worauf muss ich generell beim Stromanbieter-Wechsel achten?

Wichtig sind kurze Kündigungsfristen von etwa vier Wochen und möglichst kurze Laufzeiten. Am besten sollten Sie sich nicht länger als ein Jahr vertraglich binden. "So bleiben Kunden flexibel und können auf eventuelle Preisanpassungen seitens des Anbieters schnell reagieren", sagt der Energieexperte Daniel Dodt vom Vergleichsportal toptarif.de.

Gibt es Fallstricke bei der Preisgarantie?

Grundsätzlich ist eine Preisgarantie etwas Gutes. Der Kunde weiß, dass sich sein Strom- oder Gaspreis für eine konkret festgelegte Zeit nicht ändern wird. Doch die Tücken lauern wie immer im Detail. Denn die Branche bietet sehr unterschiedliche Preisgarantien an. Eine hundertprozentige Preisgarantie findet man nur selten. Stattdessen werden Garantien auf Bausteine des Preises gegeben: auf die Beschaffungskosten, die Transportkosten (Netzentgelte) und die staatlichen Steuern und Abgaben (Mehrwertsteuer, EEG-Umlage etc.) Wichtig ist, dass die Preisgarantie möglichst lange gilt – am besten mindestens ein Jahr - und möglichst viele dieser Bausteine umfasst. Das lässt sich beispielsweise bei über den >>stern.de-Energieatlas herausfinden. Wer sich auf die Produktinfos der Unternehmen selbst verlässt, muss bisweilen schon etwas länger suchen, worauf genau er eine Garantie erhält. Achtung: Gibt der Stromanbieter beispielsweise keine Garantie auf staatliche Steuern und Abgaben, und steigen diese, muss er den Kunden nicht explizit auf eine Preiserhöhung hinweisen. Das war beispielsweise bei der EEG-Umlage der Fall, die zum Jahreswechsel pro Kilowattstunde von 2,05 auf 3,53 Cent gestiegen ist.

Was hat es mit Bonuszahlungen auf sich?

Viele Unternehmen locken Kunden mit Bonuszahlungen. Aber auch hier heißt es Vorsicht: Die Bonuszahlung sollte in jedem Fall spätestens mit der ersten Jahresrechnung verrechnet werden. Auf diese Weise umgeht der Kunde einen Trick mancher Unternehmen: Sie erhöhen im zweiten Jahr die Preise - wer dann kündigt, bekommt den Bonus nicht.

Wie reagiere ich auf Telefon- und Haustürwerbung?

Kunden sollten sich grundsätzlich nicht am Telefon oder der Haustür zu einem Stromanbieterwechsel drängen lassen, warnen Verbraucherschützer. Der harte Wettbewerb am Markt hat dazu geführt, dass die Anbieter sich in der jüngsten Vergangenheit zunehmend unlauterer Methoden bedienen. Oftmals geben sich die Werber sogar fälschlicherweise als Vertreter des bisherigen Stromversorgers aus.

Wie erkenne ich einen unseriösen Anbieter?

Wer ein Angebot erhält, dass mehrere hundert Euro unter seiner bisherigen Rechnung liegt, sollte stutzig werden. "Dann sollte ich mir die Tarifdetails genau anschauen und möglichst viele Informationen über das Unternehmen sammeln", empfiehlt Daniel Dodt von toptarif. Nur auf den günstigen Preis zu schielen, ist bei einem Anbieterwechsel aber die falsche Devise. Im Falle von Teldafax hätten viele Kunden schon vorher aufhorchen müssen, denn Berichte über Probleme und mögliche Bilanztricks gab es schon länger.

Vorauskasse – ja oder nein?

Verbraucherschützer haben in den vergangenen Jahren immer wieder vor Vorauskasse gewarnt. Der Fall Teldafax gibt Ihnen auf den ersten Blick recht. Möglicherweise ist das Geld, das die Kunden vorab gezahlt haben, für immer futsch. Dennoch: Es gibt viele lokale Stadtwerke, die grundsolide sind, und genau mit diesem System der Vorauskasse arbeiten. Hier ist eine Pleite sehr unwahrscheinlich, und im Notfall würden wohl die Kommunen einspringen.

mit Reuters