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Verluste und Überkapazitäten: GM will angeblich Bochumer Opelwerk schließen

Die Mitarbeiter der Opelwerke in Bochum und im britischen Ellesmere Port bangen um ihre Jobs: Einem Medienbericht zufolge sollen beide Werke geschlossen werden. Zuletzt hatte der Mutterkonzern GM hohe Verluste in Europa mit Opel gemacht.

Das Opel-Management plant offenbar die Schließung von zwei Werken in Europa. Als am meisten gefährdet gelten die Standorte in Bochum und im britischen Ellesmere Port. Am Mittwoch werde sich der Aufsichtsrat der General-Motors-Tochter mit einem Geschäftsplan befassen, der wohl die Schließung zweier Werke und damit die Senkung der Produktionskapazitäten um 30 Prozent vorsehe, sagten mit der Sache vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters.

"GM hat wiederholt erklärt, dass es angesichts von Überkapazitäten von 500.000 Fahrzeugen pro Jahr zwei Werke zu viel gebe. Der neue Produktionschef hat ein Werk nach dem anderen besucht und spielt sie gegeneinander aus", sagte ein Aufsichtsratsmitglied aus dem Arbeitnehmerlager. "Wir kennen die Kernpunkte des neuen Geschäftsplans, der am Mittwoch präsentiert werden könnte. Dieser sieht Werksschließungen vor, Wachstum soll es für Opel nicht geben." Der Konzern wollte sich nicht zu dem Bericht äußern.

"Es ist klar, dass es auch um Werke und Produktion geht"

GM's Europageschäft - das ist Opel und zum kleineren Teil die britische Vauxhall - schrieb 2011 knapp 750 Millionen Dollar Verlust. Daher gibt es seit längerem Spekulationen über scharfe Einschnitte, etwa eine Schließung des Werks in Bochum, in dem knapp 5200 Menschen arbeiten. Opel hat in Deutschland insgesamt noch etwa 40.000 Mitarbeiter und hierzulande auch Werke in Rüsselsheim, Eisenach und Kaiserslautern.

Ein Vertreter aus dem Unternehmen erklärte, es sei keine Entscheidung über Werksschließungen in Europa getroffen worden. Der Handlungsspielraum des Opel-Managements werde aber zunehmend enger. "Das Geschäft in Europa ist für die gesamte Branche ziemlich schwierig, eine Besserung ist nicht in Sicht. Wenn es so schlecht läuft, muss man Entscheidungen treffen. Es geht nicht so sehr darum, was wir oder die Gewerkschaften wollen - es ist das Umfeld, dass uns zwingt." Man dürfe nicht viel mehr Zeit verlieren.

Zuvor hatte ein Opel-Sprecher in Rüsselsheim erklärt, es sei grundsätzlich klar, dass man sich verbessern müsse. Mit den Betriebsräten der Standorte in Europa werde über Strategien gesprochen, um Opel profitabel zu machen. Dabei sei "klar, dass es auch um Werke und Produktion geht". Im Stammwerk in Hessen werden derzeit die Bänder tageweise angehalten, weil die Nachfrage stockt. Opel steht auch unter Druck, weil wegen der Rezession in Südeuropa kaum noch neue Autos verkauft werden.

"GM produziert Fehlentscheidungen in Serie"

Das Werk in Bochum ist nach Opel-Angaben der größte industrielle Arbeitgeber in der Region. In den dortigen Werken werden die Modelle Astra und Zafira sowie Achsen und Getriebe produziert. 2007 wurden dort 240.000 Autos gebaut. In britischen Ellesmere Port werden verschiedene Versionen des Astra gebaut. Dort sind Vauxhall-Angaben zufolge 2100 Menschen beschäftigt, das Werk hat eine Produktionskapazität von 187.000 Autos.

Die IG Metall hat das Management von GM scharf kritisiert. "GM produziert in punkto Opel seit Jahren Fehlentscheidungen in Serie", sagte der IG-Metall-Chef in Nordrhein-Westfalen, Oliver Burkhard, der WAZ Mediengruppe. "Groß denken statt klein planen - das wäre das richtige Motto."

Burkhard sagte, "anstatt den Menschen Angst zu machen und Standorte und Belegschaften gegeneinander auszuspielen, sollte GM endlich mal eine gute Nachricht produzieren". Er forderte mehr strategische Freiheiten für Opel und Zugang zu mehr Absatzmärkten.

fro/Reuters/AFP / Reuters