Vogelgrippe Geflügelwirtschaft verliert Millionen


Die wirtschaftlichen Folgen der Vogelgrippe lassen sich nur schätzen: über hundert Millionen Euro sollen es bisher allein in Deutschland sein. In Frankreich sind bereits tausende Arbeitsplätze bedroht.

Die deutsche Geflügelwirtschaft klagt wegen der Vogelgrippe über Millionenverluste. Wegen der Folgen für den Tourismus im Land appellierte der Tourismusbeauftrage der Bundesregierung unterdessen an die Banken, Unternehmen bei Engpässen zur Seite zu stehen. In Frankreich gelten wegen der sinkenden Nachfrage nach Geflügelfleisch bereits bis zu 10.000 Arbeitsplätze als bedroht.

Die Geflügelwirtschaft in Deutschland verzeichnet nach eigenen Angaben angesichts der Vogelgrippe einen Nachfragerückgang seit Herbst von bis zu 20 Prozent. "Nach ersten Berechnungen ist das ein Verlust von 143 Millionen Euro", sagte der Sprecher des Zentralverbands Deutsche Geflügelwirtschaft, Thomas Janning, am Freitag im ZDF-Morgenmagazin. Er setze auf Hilfe von Bundesregierung und EU. Inwieweit auch die Fleischskandale im vergangenen Jahr für den Absatzeinbruch verantwortlich sind, ist unklar.

Banken sollen "vertretbare Nachsicht" üben

Der Tourismusbeauftragte der Bundesregierung, Ernst Hinsken (CSU), bat Banken um Unterstützung bei möglichen Engpässen im Tourismus wegen der Vogelgrippe. Sie sollten «vertretbar Nachsicht» üben, wenn es in Folge vorübergehend ausbleibender Gäste bei Unternehmen zu möglichen finanziellen Engpässen komme, teilte Hinsken in Berlin mit. Es gehe nicht um finanzielle Maßnahmen des Bundes. Wie kein anderes Land sei Mecklenburg-Vorpommerns vom Tourismus abhängig. "Auch deshalb ist ein weiteres entschiedenes Vorgehen gegen diese Tierseuche dringend erforderlich." Er begrüßte, dass Mecklenburg-Vorpommern Touristen mit besonderen Serviceleistungen wie kostenlosem Eintritt in Museen entgegenkommen wolle.

In Frankreich gefährden Exporteinbußen und sinkender Geflügelkonsum nach Schätzungen von Produzenten und Gewerkschaften 8000 bis 10.000 Arbeitsplätze. Schon jetzt lagerten nahezu 30.000 Tonnen Geflügel in Kühlhäusern. Die Geflügelindustrie verliere monatlich etwa 40 Millionen Euro, hielten Geflügelzüchter und Produzenten bei einer Krisensitzung im westfranzösischen Nantes fest. Bedroht seien 15 Prozent der 60.000 Arbeitsplätze der Branche, weil damit zu rechnen sei, dass Verträge nicht verlängert würden und Betriebe ihre Arbeit einstellen müssten. Frankreich ist der größte Geflügelexporteur der EU. Dutzende von Ländern importieren nach dem Auftreten von Vogelgrippe in einer französischen Putenzucht keine Geflügelprodukte aus Frankreich mehr.

DPA DPA

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