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Volumen von fünf Milliarden Dollar: Facebook gibt Startschuss für Börsengang

Das weltgrößte soziale Netzwerk Facebook hat den ersten Schritt Richtung Börse getan. Mit fünf Milliarden Dollar ist das Volumen des Börsengangs halb so hoch wie erwartet.

Gebannt schaute die Internetszene nach New York, auch die Finanzbranche war elektrisiert. Am späten Mittwochnachmittag (Orstzeit) war es schließlich so weit: Facebook startete seinen Weg an die Börse. Wie erwartet reichte das soziale Netzwerk die Papiere für das Aktienmarktdebüt ein, wie nach Börsenschluss an der Wall Street bekannt wurde.

Erster Schritt war die Veröffentlichung des Börsenprospekts. Das Dokument macht die potenziellen Investoren mit den Geschäftszahlen des Unternehmens vertraut und steckt den Rahmen für den Gang aufs Parkett ab. Facebook kalkuliert vorsichtiger als bisher: Der Schritt an die Börse soll dem Unternehmen fünf Milliarden Dollar einbringen - halb soviel wie zunächst erwartet. Am Wochenende hatten US-Zeitungen noch von zehn Milliarden Dollar berichtet - das gesamte Unternehmen wäre damit bis zu 100 Milliarden Dollar wert. Das Emissionsvolumen könne bei starker Nachfrage der Investoren erhöht werden, merkten die Insider an. Es gilt als üblich, dass Firmen tiefstapeln, dann die Reaktion der Investoren abwarten und - falls genügend Nachfrage besteht - später den Preis erhöhen.

Der Termin für den eigentlichen Börsengang blieb vorerst offen. Erstmals auf dem Kurszettel könnte Facebook im Mai erscheinen, heißt es. Auch die Börse ist noch unklar. Vom Geschäft her würde Facebook eher an die Hightech-Börse Nasdaq passen als an die altehrwürdige New York Stock Exchange.

Ein hochprofitabler Konzern

Facebook gilt als hochprofitabel, das Börsenprospekt belegt das. Im vergangenen Jahr verdiente das Unternehmen unterm Strich eine Milliarde Dollar, 2010 waren es 606 Millionen Dollar und 2009 immerhin 229 Millionen Dollar. Haupteinnahmequelle ist Werbung. In den vergangenen Jahren gab es bereits einige - allerdings noch höhere - Zahlen, die kolportiert wurden. Häufig von Unternehmensinsidern, um den Markt langsam auf das Zahlenwerk des Börsengangs vorzubereiten. Da war von gut drei Milliarden Dollar Umsatz 2011 die Rede, und von einem operativen Gewinn von satten 50 Prozent davon. Beim Nettogewinn kommt Facebook nach früheren Angaben immerhin auf eine Rendite von etwa einem Drittel. Auf einen ähnlich hohen Werte kam zuletzt Google - bei allerdings weit größerem Umsatz. Allein im dritten Quartal erlöste die Suchmaschine, gleichzeitig Online-Werberiese, fast zehn Milliarden Dollar.

Die Banken rissen sich darum, Facebook an die Börse zu bringen. Sechs erhielten laut IFR den Zuschlag: Mit Morgan Stanley, Goldman Sachs, Bank of America und Merrill Lynch und JP Morgan sind die großen amerikanischen Geldhäuser dabei, mit Barclays Capital zudem ein britisches Institut.

Größtes Börsendebüt aller Zeiten

Schon jetzt steht fest, dass Facebook das größte Börsendebüt eines Internet-Unternehmens aller Zeiten gelingen wird. Google sammelte bei seiner Aktienpremiere vor acht Jahren vergleichsweise bescheidene 1,7 Milliarden Dollar ein. Inzwischen ist der Suchmaschinenanbieter 190 Milliarden Dollar wert.

Allein die Hoffnung auf einen erfolgreichen Börsengang des mit 800 Millionen Mitgliedern weltgrößten Internet-Treffpunkts sorgte dafür, dass nach Jahren der Zurückhaltung jüngst wieder verstärkt Internet-Unternehmen an den US-Aktienmarkt strebten. Neben der Karriereplattform LinkedIn waren das Groupon und der Spiele-Programmierer Zynga. In Deutschland ist von der neuen Euphorie noch nicht viel zu spüren. Zwar werden insbesondere Anbieter von Online-Spielen wie Bigpoint aus Hamburg oder das Berliner Startup Wooga immer wieder als Kandidaten gehandelt. Konkretes gibt es bislang aber nicht.

US-Firmen wie Twitter begehrt

Viel größer ist die Zuversicht bei Startups in den USA. Dort überbieten sich Privatinvestoren, um bei Firmen wie Twitter einsteigen zu dürfen - immer in der Hoffnung auf einen späteren Börsengang, der ihnen einen Geldsegen bescheren würde. Marktexperten sprechen angesichts astronomischer Bewertungen einiger Firmen von einer neuen Internet-Blase. Viele erinnern sich noch an die New Economy vor gut zehn Jahren. Es dauerte Jahre, bis sich die Wirtschaft vom Platzen der Blase erholte. Allerdings war auch schon bei jüngsten Börsengängen von Online-Firmen von einer Blase die Rede - ohne das sich dies bewahrheitete.

Der heute 27-jährige Facebook-Gründer Mark Zuckerberg gründete den Online-Dienst 2004 in seiner Studentenbude in Harvard - kurz danach kehrte er der renommierten US-Universität den Rücken, um nach Kalifornien zu gehen und Facebook größer aufzubauen. Zuckerbergs Karriere wurde von Hollywood in "The Social Network" verfilmt. Der Publikumsmagnet gewann drei Oscars.

dho/ben/mlr/DPA/Reuters / DPA / Reuters