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Vorwürfe von Betriebsratschef Hück: Wulff soll Porsche-Kredite torpediert haben

"Unanständig und unverantwortlich" - Porsche-Betriebsratschef Uwe Hück erhebt schwere Vorwürfe gegen Ministerpräsident Christian Wulff. Der CDU-Politiker soll überlebenswichtige Kredite für den Sportwagenbauer verhindert haben. Wulff schießt zurück: Hück habe Angst um seine Privilegien.

Der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff soll versucht haben, Kredite für Porsche zu verhindern - um so die Position des Sportwagenbauers im Machtkampf mit Volkswagen zu schwächen. Diese Vorwürfe erhebt Porsche-Betriebsratschef Uwe Hück, wie das Online-Portal Focus online berichtet. Wulff, der im Aufsichtsrat von VW sitzt, soll seit Monaten bei verschiedenen deutschen Banken darauf gedrängt haben, dass sie keine Kredite an Porsche vergeben. Hück sagte dem Online-Magazin: "Wulff hat das sogar gegenüber einem Mitglied unserer Eigentümerfamilie erklärt." Dafür gebe es Zeugen.

Das Verhalten von Wulff sei "unanständig, unverantwortlich und für einen Politiker völlig unglaubwürdig", so der Betriebsratschef. Der niedersächsische Regierungschef wolle Porsche schaden, damit VW den Stuttgarter Autobauer billig übernehmen könne. "Er will uns finanziell in die Enge treiben und spielt dabei mit den Arbeitsplätzen der Porsche beschäftigten", sagte Hück.

Wulffs gute Kontakte

Wulff scheut offenbar auch vor einer Einflussnahme im Ausland nicht zurück. Er drohte Porsche-Chef Wendelin Wiedeking laut dem Online-Portal sueddeutsche.de indirekt und verwies auf seine guten Kontakte zu arabischen Investoren und das VW-Gesetz, wonach Niedersachsen mit 20 Prozent Aktien eine Sperrminorität bei VW hat. Das Emirat Katar plant, mit sieben Milliarden bei Porsche einzusteigen. Der Politiker zeigte sich zuversichtlich, "dass wir in den nächsten Tagen zu einem integrierten Konzern VW/Porsche kommen, in dem die Familien Piëch und Porsche die Mehrheitsaktionäre sind und zu Niedersachsen noch Katar als Aktionär hinzukommt". Dann werde Volkswagen 2018 der größte Automobilkonzern der Welt sein.

Hück machte in der Belegschaft mobil gegen Wulff. In einer Mitarbeiter-Versammlung am Mittwoch in Weissach bei Stuttgart startete er eine Unterschriftensammlung gegen den Politiker, wie er im Anschluss vor Journalisten erklärte. Zuvor hatte er laut Focus online dem Ministerpräsidenten eine Kampfansage gemacht: "Ich bin mir sicher, dass keiner der Mitarbeiter einen Zerstörer wie Wulff bei Porsche haben möchte".

Wulff greift Hück an

Mit scharfen Worten wies die niedersächsische Staatskanzlei die Angriffe des Porsche-Betriebsratschefs Uwe Hück auf ihren Ministerpräsidenten zurück. "Uwe Hück fürchtet offenbar um Privilegien. Anders lassen sich seine Polemik und seine unwahren Behauptungen kaum erklären", erklärte Wulffs Sprecher am Mittwoch in Hannover. Er missbrauche dabei die Porsche-Arbeitnehmerschaft für seine eigenen Interessen. Tatsache sei, dass Porsche VW übernehmen wollte und nicht umgekehrt. Dabei habe VW die Übernahme durch einen Gewinnabführungs- und Beherrschungsvertrag letztlich selbst mitfinanzieren sollen.

Im Gegensatz zu dem Vorwurf, dass Wulff bei Banken Stimmung gegen den hochverschuldeten Sportwagenbauer gemacht habe, sei dieser vielmehr Ende März 2009 erfolgreich dafür eingetreten, dass Porsche von VW einen Kredit über 700 Millionen Euro gewährt bekommen hat. Außerdem habe sich Wulff auch erfolgreich für weitere Kredite an Porsche eingesetzt. In das Kreditantragsverfahren von Porsche bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau habe sich der Ministerpräsident zu keinem Zeitpunkt eingeschaltet.

Alle Beschäftigten von Volkswagen und Porsche würden von einem integrierten Porsche/VW-Konzern profitieren, betonte der Sprecher der Staatskanzlei. Und fügte hinzu: "Uwe Hück allerdings würde seine Allmacht verlieren. Angesichts des Stils von Uwe Hück kann man dies auch im Interesse von Porsche nur begrüßen."

ukl/AP/DPA / AP / DPA