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Rettung des Sportwagenbauers: Hück favorisiert externen Investor für Porsche

Nach Einschätzung von Porsche-Betriebsratschef Uwe Hück braucht der Autokonzern einen externen Investor, um seine Milliardenschulden abzubauen. Er stellte klar, dass eine Entscheidung über Porsches Zukunft noch nicht gefallen sei.

Porsche-Gesamtbetriebsratschef Uwe Hück hat sich für den Einstieg eines externen Investors bei dem hoch verschuldeten Sportwagenbauer ausgesprochen. Hück sagte am Mittwoch in Weissach bei Stuttgart nach einer Betriebsversammlung vor Journalisten: "Wir dürfen das Geld von VW nicht dafür verwenden, dass Milliardäre reicher werden." Volkswagen brauche seine Gelder selber. Die Krise in der Automobilindustrie fange erst an.

Das Porsche-Management favorisiert den Einstieg von Katar bei dem Stuttgarter Konzern. Außerdem liegt auch noch der Vorschlag des VW-Aufsichtsratschefs Ferdinand Piëch auf dem Tisch, wonach die Wolfsburger knapp 50 Prozent am Sportwagenbauer übernehmen sollen. Hück, der auch stellvertretender Aufsichtsratschef der Porsche-Holding ist, sagte weiter, die Eigentümerfamilien Porsche und Piëch hätten den Arbeitnehmervertretern versprochen, dass der Sportwagenbauer selbstständig bleibe. Beide Familien sollten Geld in das angeschlagene Unternehmen pumpen. "Die Familien müssen was machen. Sie dürfen sich nicht zurückziehen", so Hück.

Porsches Zukunft noch offen

Eine Entscheidung über die Zukunft des Sportwagenbauers sei noch nicht gefallen, sagte Hück. "Wir werden das geordnet im Aufsichtsrat diskutieren." Zuvor hatte "Bild.de" unter Berufung auf Informationen aus Konzernkreisen berichtet, dass der Porsche-Aufsichtsrat auf seiner außerordentlichen Sitzung am 23. Juli lediglich über das Angebot des Wüstenstaats Katar abstimmen werde. Das Konzept von Volkswagen, sich mit 49,9 Prozent an Porsche zu beteiligen, stehe vorläufig nicht mehr zur Entscheidung. Der Entwurf aus Wolfsburg sei nur noch als "Informationspunkt" auf die Tagesordnung genommen worden, nicht mehr als "Entscheidungspunkt", hieß es in dem Bericht weiter.

Porsche ist mit rund 9 Milliarden Euro verschuldet und hält knapp 51 Prozent an Volkswagen. Bei der Übernahme des Wolfsburger Konzerns hatten sich die Stuttgarter übernommen. Hück kritisierte erneut den niedersächsischen Ministerpräsidenten Christian Wulff (CDU). "Ich erwarte, dass Wulff sich raushält." Zuvor hatte er bereits schwere Vorwürfe gegen Wulff erhoben - dieser habe überlebenswichtige Porsche-Kredite bei deutschen Banken verhindert. Niedersachsen ist nach Porsche zweitgrößter Aktionär bei Europas größtem Autobauer. Hück sagte, der Betriebsrat habe eine Unterschriftensammlung gegen Wulff gestartet. Bundeskanzlerin Angela Merkel müsse ein Machtwort sprechen, weil der CDU-Politiker die Arbeitsplätze in Gefahr bringe. Der Betriebsratschef kritisierte, dass Wulff in der Auseinandersetzung mit Porsche dem Unternehmen bewusst Schaden zufüge. Er habe ein Ultimatum gestellt und bei den Banken verhindert, dass Porsche Geld geliehen bekomme.

Wulff kündigte erneut Widerstand gegen eine Übernahme von Volkswagen durch Porsche an. Dies werde "nicht klappen", sagte der CDU-Politiker zu sueddeutsche.de. Porsche und VW funktionierten nur miteinander, nicht gegeneinander. Er sei sicher, "dass wir in den nächsten Tagen zu einem integrierten Konzern VW/Porsche kommen, in dem die Familien Piech und Porsche die Mehrheitsaktionäre sind und zu Niedersachsen noch Katar als Aktionär hinzukommt". Dann werde VW 2018 der größte Automobilkonzern der Welt sein. Das Land Niedersachsen ist zweitgrößter VW-Aktionär.

AP/DPA / AP / DPA