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VW in Russland: Verspäteter Start

Fünf Jahre lang hatte Volkswagen nach dem richtigen Standort gesucht. Nun wurde der Grundstein für das erste Werk in Russland gelegt - noch rechtzeitig, um am Boom der Auto-Industrie im Land teilzuhaben?

Volkswagen hat den Startschuss für sein erstes Werk in Russland gegeben. Man wolle an der rasanten Entwicklung des russischen Automobilmarkts teilhaben, sagte Vorstandschef Pischetsrieder bei der Grundsteinlegung in der Stadt Kaluga südwestlich von Moskau. Nach den VW-Plänen soll in Kaluga ab Ende 2007 der Skoda Octavia vom Band rollen. Insgesamt will der Konzern 370 Millionen Euro in die russische Fabrik investieren.

Von 2009 an solle in Kaluga ein speziell für den russischen Markt entwickeltes VW-Modell produziert werden, kündigte Pischetsrieder weiter an. Die Fertigungsanlage wird dann eine Kapazität von bis zu 115.000 Autos im Jahr haben und 3500 Menschen beschäftigen.

Fünf Jahre Suche nach dem richtigen Standort

Allen Beteiligten war die Erleichterung über den Baubeginn anzumerken. VW hatte fünf Jahre nach einem geeigneten Standort für das Werk in Russland gesucht und erst im Mai die entsprechenden Verträge unterzeichnet. "Ich glaube, wir sind nicht zu spät", sagte Pischetsrieder mit Blick auf die bereits im Land aktive internationale Konkurrenz. "Wir kommen zur richtigen Zeit zum richtigen Ort."

Mit dem Bau des Montagewerks will VW seine Position in Russland stärken. Nach dem Worten Pischetsrieders will der Konzern bis 2010 seinen Verkauf auf 150.000 bis 160.000 Fahrzeuge steigern. In diesem Jahr wird der Konzern 30000 Wagen der Marken VW und Skoda absetzen. Der russische Wirtschaftsminister German Gref sagte, die Entscheidung von Volkswagen zeuge auch vom wachsenden Wohlstand der Bevölkerung.

Große Hoffnungen in der Region

Der russische Automarkt boomt, und davon profitieren vor allem ausländische Hersteller, die in den ersten sechs Monaten dieses Jahres 60 Prozent mehr Fahrzeuge absetzen konnten als im Vorjahreszeitraum. Viele internationale Konzerne montieren bereits in Russland, da die Regierung den Import ausländischer Autos mit hohen Einfuhrzöllen belegt. Ford, Renault, BMW oder KIA sind schon seit Jahren mit Fertigungswerken in Russland präsent. Zuletzt schlossen General Motors und Nissan Verträge über den Bau russischer Fabriken ab.

Die Region Kaluga setzt auf die Ansiedlung des VW-Werkes große Hoffnungen. Rund um die neue Fabrik soll ein Technologie-Park für Zulieferbetriebe entstehen. Pischetsrieder nannte in einem Interview mit der russischen Wirtschaftszeitung "Wedomosti" als Ziel, dass das Werk bis zu 70 Prozent seiner Bauteile aus Russland beziehen soll. Gleichzeitig würden auch bei deutschen Zulieferern durch die Produktion in Kaluga Arbeitsplätze geschaffen.

Die Entscheidung für das Montagewerk in Russland war von Beschäftigten in Deutschland kritisiert worden, weil den deutschen VW-Werken hohe Überkapazitäten bescheinigt werden.

DPA / DPA