Wall Street Das Ende der Investmentbanken


Zäsur an der Wall Street: Unter dem Druck der Kreditkrise geben die beiden letzten US-Investmentbanken Goldman Sachs und Morgan Stanley ihren rechtlichen Sonderstatus auf und werden zu gewöhnlichen Geschäftsbanken. Sie werden der direkten Aufsicht der Notenbank Fed unterstellt. Die US-Regierung bastelt derweil an einem 700 Milliarden Dollar schweren Rettungspaket.

Als Reaktion auf die Finanz- und Bankenkrise in den USA werden die beiden letzten verbliebenen US-Investmentbanken Morgan Stanley und Goldman Sachs einfache Holding-Unternehmen. Wie die US-Notenbank am Sonntagabend (Ortszeit) bekannt gab, erteilte sie dafür die Genehmigung. Außerdem teilte die Fed mit, dass die beiden Banken Regierungskredite erhalten werden, um der derzeitigen Finanz- und Bankenkrise besser standhalten zu können. Beide Unternehmen können künftig Geschäftsbanken gründen, die zu Einlagen berechtigt sind und dadurch ihre geschwächten Finanzen aufbessern.

Die Finanzkrise beendet damit die Geschichte der großen unabhängigen Investmentbanken der Wall Street in ihrer bisherigen Form. Zu Jahresbeginn gab es noch fünf von ihnen. Investmentbanken sind Spezialisten für lukrative Wertpapiergeschäfte aller Art sowie für Fusionen und Übernahmen von Firmen. Unter hohen Risiken erzielten sie oft enorme Gewinne. Mit der Kreditkrise stürzten sie in große Schwierigkeiten, die meisten erlitten Milliardenverluste.

Weniger riskante Geschäfte

Der bisherige Branchenführer Goldman Sachs und die Nummer zwei Morgan Stanley unterliegen künftig den Kontrollen, Regeln und Kapitalanforderungen, die auch für andere Banken gelten. Bisher genossen sie weitgehende Freiheiten und konnten größere Risiken eingehen, weil sie keine Geschäfte für Jedermann wie etwa Girokonten anbieten.

Die fünftgrößte Investmentbank Bear Stearns hatte im März ihrem Zwangsverkauf an den Finanzkonzern J.P. Morgan Chase zustimmen müssen. Lehman Brothers als Nummer vier meldete am vergangenen Montag Insolvenz an, und die bisher drittgrößte Investmentbank Merrill Lynch rettete sich durch eine Übernahme in die Arme der Bank of America.

Angesichts der Schwierigkeiten durch die Finanzkrise waren auch Goldman Sachs und Morgan Stanley zuletzt immer mehr unter Druck geraten. Die Aussicht auf das geplante Mega-Rettungspaket der US-Regierung ließ ihre drastisch gefallenen Aktienkurse allerdings Ende vergangener Woche wieder steigen. Morgan Stanley begann wegen der Notlage bereits Fusionsgespräche mit der US-Bank Wachovia.

Washington wirbt für gigantische Rettungspaket

Die US-Regierung will unterdessen zur Überwindung der Finanzkrise auch andere Staaten in ihr 700-Milliarden-Dollar-Rettungspaket einbeziehen. Einige Länder hätten schon Bereitschaft signalisiert, sagte US-Finanzminister Henry Paulson am Sonntag in Washington. Zusagen gebe es aber noch nicht. Deutsche Politiker lehnten eine Beteiligung ab. In Washington wird weiter mit Hochdruck an der gesetzlichen Grundlage für das Rettungspaket gearbeitet, das die Regierung zur Übernahme fauler Kredite der angeschlagenen Finanzhäuser ermächtigen soll. Die Demokraten sagten der Bush-Administration zwar grundsätzlich ihre Unterstützung zu, forderten aber zugleich Maßnahmen zum Schutz der Steuerzahler und Entlastungen für die von Zwangsvollstreckung bedrohten Hausbesitzer.

Der demokratische US-Präsidentschaftskandidat Barack Obama übte scharfe Kritik an dem Regierungsvorhaben. Bisher habe die Regierung nur ein Konzept mit einem "erschütternden Preisschild" vorgelegt "und keinen Plan", hieß es in einer am Sonntag veröffentlichten Erklärung des Senators aus Illinois. Es dürfe für die Regierung keinen "Blankoscheck" geben. Dennoch sprach er sich im Grundsatz erneut für eine rasche überparteiliche Vereinbarung zur Lösung der Krise aus.

Das Finanzministerium verhandelt mit dem Kongress über ein Rettungspaket im Umfang von 700 Milliarden Dollar. Zusammen mit bereits erfolgten Firmenübernahmen und Sicherheitsgarantien würde die Aktion zur Wiederbelebung des Kreditflusses etwa 1,3 Billionen Dollar kosten. Die Regierung und der Kongress streben die Verabschiedung des Rettungsplans noch in dieser Woche an, bevor der Senat und das Abgeordnetenhaus wegen der bevorstehenden Wahlen am 4. November in eine Sitzungspause gehen.

joe/AFP/DPA DPA

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