HOME

Bankenkrise: Pleiten-Angst drückt Dax und Dow

Die Talfahrt an den Börsen hört nicht auf: Nach Meldungen über neue mögliche Banken-Pleiten ist der Dax am Mittwoch um 1,75 Prozent gefallen. Der Dow Jones brach sogar um mehr als 4 Prozent ein. Zu den vom Kollaps bedrohten Finanzriesen gehört auch der Investmentgigant Morgan Stanley.

Unter dem Druck der weltweiten Finanzmarktkrise kämpfen drei weitere Banken um ihr Überleben: In den USA wachsen die Sorgen um die Investmentbank Morgan Stanley. Zudem versucht die Regierung laut "New York Post", für die größte amerikanische Spar- und Darlehenskasse Washington Mutual einen Käufer zu finden. In Großbritannien steht der angeschlagene Baufinanzierer Halifax Bank of Scotland (HBOS) kurz vor der Übernahme durch den Lloyds-Finanzkonzern.

Die Angst vor weiteren Pleiten drückte auch den Dax und den Dow Jones Index tiefer ins Minus. Der deutsche Leitindex schloss am Mittwoch mit 5861 Zählern 1,75 Prozent schwächer. Zu Handelsbeginn war der Dax noch bis auf 6035 Zähler gestiegen. Der MDAX verlor 2,62 Prozent auf 7497,52 Punkte, während der technologielastige TecDAX 1,89 Prozent auf 712,42 Punkten abgab.

Dow Jones erleidet massive Verluste

Noch schlimmer erwischte es die Wall Street. Der Dow Jones stürzte um rund 449 Punkte auf 10.609 Zähler ab. Bereits am Montag war der Index für 30 Industriewerte um 504 Punkte eingebrochen. Dies war der höchste Punkte-Verlust seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001. Dagegen bescherten die Ängste an der Wall Street dem Goldpreis am Mittwoch mit 11,6 Prozent den höchsten Preisanstieg in der Geschichte.

Die Aktien von Morgan Stanley verloren am Mittwoch fast 20 Prozent, obwohl das Institut am Dienstagabend unerwartet gute Geschäftszahlen vorgelegt hatte. Die 73 Jahre alte Investmentbank prüfe einen Zusammenschluss mit einem anderen Finanzhaus für den Fall, dass der Kurs weiter einbreche, berichtete der Wirtschaftssender CNBC am Mittwoch. Ein Alarmsignal waren auch die Anleihen des Unternehmens, die nach Angaben von MarketAxess teilweise nur noch rund 60 US-Cent pro Dollar kosteten. Zur Börseneröffnung zahlten Investoren noch mehr als 70 Cent für die Papiere, vor einer Woche noch mehr als 90 Cent.

Auch die Washington Mutual sucht offenbar Rettung unter dem Dach eines anderen Finanzhauses. Dem Bericht der "New York Post" zufolge führt die Regulierungsbehörde unter anderem mit Wells Fargo, JPMorgan Chase und HSBC Holdings Sondierungsgespräche. Direkte Kaufverhandlungen gebe es aber bisher noch nicht. Vergangene Woche waren die Aktien von hatte Washington Mutual auf den niedrigsten Stand seit fast zwei Jahrzehnten gefallen. Mit einem Verlust von 29,7 Prozent lag der Kurs nur noch knapp über seinem 17-Jahres-Tief. Allein im zweiten Quartal 2008 verlor das in Seattle ansässige Institut durch Zahlungsrückstände und -ausfälle von Hypothekenkrediten 2,17 Milliarden Dollar. Erst Anfang August hatte die Bank von einer Investorengruppe 7 Milliarden Dollar erhalten.

HBOS verhandelt mit Lloyds

In Großbritannien bestätigte die angeschlagene HBOS am Mittwoch Gespräche über eine Übernahme durch Lloyds TSB. Die Verhandlungen befänden sich in einem fortgeschrittenen Stadium, ein Scheitern sei aber noch möglich, hieß es. Eine Fusion der Konzerne wäre ein neues Kapitel in der dramatischen Neuordnung der globalen Finanzbranche. Sie würde einen Bankenriesen mit einem Marktwert von fast 38 Milliarden Euro schaffen, der eine beherrschende Stellung bei der Baufinanzierung sowie bei Spar- und Girokonten hätte. Wegen dieser Dominanz ist es aber unklar, ob die Wettbewerbshüter ohne Auflagen grünes Licht für das Vorhaben geben.

Mit einem Zusammenschluss würde sich die Zahl der britischen Großbanken von fünf - neben HBOS und Lloyds noch Barclays, HSBC und die Royal Bank of Scotland - auf vier verringern. Lloyds und HBOS haben zusammen mehr als 3000 Filialen und 38 Millionen Kunden. HBOS ist schon jetzt der größte Baufinanzierer des Königreichs mit einem Marktanteil von 20 Prozent. Lloyds hat eine führende Rolle im Spar- und Girogeschäft und ist mit einer vorsichtigeren Politik bei der Vergabe von Hypotheken besser durch die Krise gekommen. Beide Banken verfügen über je rund 70.000 Mitarbeiter.

Seit dem Zusammenbruch der US-Investmentbank Lehman Brothers hatten die HBOS-Aktien die Hälfte ihres Wertes verloren. Auch am Mittwoch ging der Kurs zunächst um fast 40 Prozent in den Keller, erholte sich parallel zu den Fusionsmeldungen aber wieder. Die HBOS ist wegen ihrer Verstrickung in die Finanzmarktkrise unter Druck geraten; es gilt als fraglich, ob die Bank ihre Schulden in Höhe von rund 126 Millionen Euro in den kommenden Monaten refinanzieren kann. Die Bank betonte aber stets, es gebe keine Liquiditätsprobleme. Auch die britische Finanzaufsicht erklärte am Mittwoch, die HBOS sei sicher und mit ausreichend Kapital ausgestattet.

Reuters/AP/DPA / AP / DPA / Reuters