HOME

Warnung vor übereiltem Atomausstieg: BDI-Chef sieht Wohlstand gefährdet

Ein schneller Atomausstieg schmeckt der deutschen Wirtschaft nicht: Der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie, Hans-Peter Keitel, warnt im neuen stern davor, vorschnell auszusteigen. Eine überstürzte Energiewende gefährde den wirtschaftlichen Erfolg.

Der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Hans-Peter Keitel, hat vor einem vorschnellen Ausstieg aus der Kernenergie gewarnt. Mit Blick auf das Atom-Moratorium der Bundesregierung für sieben Kernkraftwerke sagte er dem Magazin stern: "Ich halte es für sportlich, wenn man nach 48 Stunden eine fertige Meinung hat. Jeder täte gut daran, nicht schon Ergebnisse zu verkünden, sondern die Zeit zu nutzen, um ein belastbares Energiekonzept zu erarbeiten." Seiner Ansicht nach könnte eine überstürzte Energiewende den Wohlstand hierzulande gefährden. "Wir müssen unglaublich aufpassen, dass in der Diskussion um die Atomenergie unser wirtschaftlicher Erfolg nicht unter die Räder kommt", sagte er. Der BDI-Präsident kritisierte insbesondere den Kurs von Umweltminister Norbert Röttgen schneller aus der Atomenergie auszusteigen, als bislang verabredet sei. "Umweltminister Röttgen muss möglicherweise im Industrieland Nordrhein-Westfalen bei Wahlen antreten, und er muss sagen, wie Strom bezahlbar bleibt", sagte Keitel.

Ein konkretes Ausstiegsdatum wollte er nicht nennen. Es sei "vermessen, heute ein exaktes Jahr zu nennen", sagte Keitel. Noch seien viele Probleme der erneuerbaren Energien ungelöst, so fehlten etwa Leitungen und Stromspeicher. Der BDI-Präsident räumte zugleich ein, dass ihn der Japan-Unfall verändert habe. "Unsere technische Welt ist eine andere geworden." Angesichts der Japan-Katastrophe wolle er nicht nur Überschriften von sich geben. "Ich bin an dieser Stelle viel nachdenklicher und vielleicht unsicher geworden", sagte er. Er plädiere für eine "substanzielle Wende". Aber die "gelingt nicht von heute auf morgen".

Der BDI-Präsident hält auch die Geschwindigkeit in der Berliner Politik für ein Problem. "Dauernd brummt der Blackberry, dauernd wird nach endgültigen Antworten verlangt", sagte er. Die Beschleunigung sei enorm, ein Problem jage das andere. "Manchmal vermisse ich die kreativen Ruhephasen eines geordneten Betriebs. Was war das schön, wenn ich auf Dienstreise in Australien war. Da gab es nur ein Faxgerät und für eine Antwort an die Zentrale hatte man - dank der Zeitverschiebung - zwölf Stunden Zeit", sagte er.