HOME

Bundesregierung reagiert auf Atomunfall in Japan: Sieben AKW werden vorerst abgeschaltet

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat sich mit den Ländern darauf verständigt, dass die sieben ältesten Kernkraftwerke für drei Monate abgeschaltet werden. Die betroffenen AKW sollen überprüft werden.

Die sieben vor 1980 gebauten Kernkraftwerke in Deutschland werden vorübergehend abgeschaltet. Darauf haben sich Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten der fünf Bundesländer, in denen Atommeilern stehen, verständigt. Merkel sagte nach einem Treffen mit diesen Regierungschefs am Dienstag in Berlin, die Abschaltung betreffe die drei Monate, in denen die Laufzeitverlängerung ausgesetzt sei.

"Staatliche Anordnung aus Sicherheitsgründen"

Bund und Länder gehen davon aus, dass sie die rechtliche Handhabe für ihre Maßnahmen haben. Die vorübergehende Abschaltung werde rechtlich als "staatliche Anordnung aus Sicherheitsgründen" umgesetzt, sagte Merkel. Die notwendigen Überprüfungen seien wegen ihres Umfanges am besten in abgeschaltetem Zustand zu gewährleisten.

Endgültiges Aus für Neckarwestheim I

Nach rund 35-jähriger Betriebsdauer wird der Atomreaktorblock Neckarwestheim I endgültig abgeschaltet. "Wir fahren unser Kernkraftwerk Neckarwestheim I ab", teilte der Versorger EnBW mit. Angesichts der von den Aufsichtsbehörden geforderten sicherheitstechnischen Nachrüstung lohne sich trotz der seit Inbetriebnahme investierten 900 Millionen Euro ein dauerhafter Betrieb nicht mehr. Ein Wiederanfahren des Reaktors und dessen wirtschaftlicher Betrieb sei "nicht mehr darstellbar". Dieses Vorgehen werde der Vorstand mit dem Aufsichtsrat abstimmen, sagte ein EnBW-Sprecher. Nach einem entsprechenden Beschluss des Aufsichtsgremiums könne Neckarwestheim I "in Kürze" vom Netz genommen werden.

Auch der von EnBW am Rhein betriebene baden-württembergische Reaktor Philippsburg I - der zweite von insgesamt vier EnBW-Atomreaktoren - werde "in Kürze" abgeschaltet, sagte der Sprecher. Außer Neckarwestheim I und Philippsburg I sind von der politisch verordneten Abschaltung noch fünf weitere Alt-Meiler betroffen: die AKW Biblis A und B (Hessen), Isar I (Bayern), Unterweser (Niedersachsen) und das ohnehin stillstehende AKW Brunsbüttel (Schleswig-Holstein).

"Emotionaler Ausnahmezustand"

Zudem bleibt das 1983 ans Netz gegangene und nach Pannen abgeschaltete AKW Krümmel in Schleswig-Holstein vom Netz getrennt. Damit werden in Deutschland in den nächsten drei Monaten nur noch neun Atomkraftwerke Strom liefern. Die sieben AKW, die nun vom Netz genommen werden, aber auch die anderen Anlagen sollen eingehenden Sicherheitschecks unterzogen werden.

Baden-Württembergs Ministerpräsident Stefan Mappus (CDU) sprach von einem "emotionalen Ausnahmezustand" für die Bürger angesichts der Bilder von der Atomkatastrophe im japanischen Fukushima.

seh mit DPA/Reuters / Reuters