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Weltwirtschaft: Ökonomen liefern neue Horrorprognosen

Düster, düsterer, am düstersten: Die Prognosen für die Weltwirtschaft verschlechtern sich im Wochentakt. Nun liefern Weltbank und OECD neue Horrorzahlen. Besonders trübe sieht es demnach in Deutschland aus - mit dramatischen Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt.

Die weltweite Wirtschaft wird nach Einschätzung der OECD in diesem Jahr so stark schrumpfen wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Die Wirtschaftsleistung werde weltweit um 2,75 Prozent zurückgehen, teilte die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) am Dienstag mit. "Die Weltwirtschaft ist mitten in der tiefsten und am stärksten synchronisierten Rezession, die wir je erlebt haben", sagte OECD-Chefvolkswirt Klaus Schmidt-Hebbel. Der grenzüberschreitende Handel sei zusammengebrochen.

Damit ist die OECD deutlich pessimistischer als die Weltbank und der Internationale Währungsfonds (IWF), die beide mit einem Schrumpfen um bis zu zwei Prozent rechnen. Für die Industrienationen erwartet die Organisation einen Einbruch des Bruttoinlandsproduktes um 4,3 Prozent, für Deutschland sogar um 5,3 Prozent. Das wäre die schärfste Rezession seit Gründung der Bundesrepublik. Nach Japan leide Deutschland am stärksten von den sieben großen Industriestaaten unter der Finanzkrise. "Grund ist die Spezialisierung auf Investitionsgüter und Autos, für die es im Moment weltweit weniger Nachfrage gibt", sagte Schmidt-Hebbel. Der Export dürfte deshalb um 16,5 Prozent einbrechen.

Weltweit werde sich die Rezession im Jahresverlauf verschärfen, bevor im kommenden Jahr eine Erholung schrittweise Fuß fasse, die durch die Konjunkturprogramme der großen Staaten beflügelt werde, teilte die OECD weiter mit. Für 2010 sagen die Experten ein mageres Plus für die Weltwirtschaft von 1,25 Prozent voraus. Auch in Deutschland werde 2010 der Export leicht anziehen - und damit die Konjunktur. Allerdings falle das deutsche Wirtschaftswachstum mit 0,2 Prozent äußerst gering aus.

Das reicht der OECD zufolge nicht aus, um einen drastischen Anstieg der Arbeitslosigkeit zu verhindern. "Im Jahr 2010 wird die Marke von fünf Millionen übertroffen", sagte Schmidt-Hebbel. Auch im Jahresschnitt werde die Zahl bei fünf Millionen liegen - das wäre ein Negativrekord. Im März 2009 lag die Zahl bei 3,6 Millionen. Die OECD rät der Bundesregierung deshalb zu einem dritten Konjunkturprogramm. "Wegen der stark steigenden Arbeitslosigkeit sollten weitere Maßnahmen vor allem das Ziel haben, Arbeitslose wieder in Beschäftigung zu bringen."

Die Regierung hat im Kampf gegen den Abschwung bislang gut 80 Milliarden Euro zusätzlich ausgegeben. Davon stehen Schmidt-Hebbel zufolge weniger als zehn Prozent für eine aktive Arbeitsmarktpolitik zur Verfügung. "Deutschland hat hier noch Spielraum." Denkbar sei etwa, die Kapazitäten der Jobcenter auszubauen und stärker auf private Arbeitsvermittler zurückzugreifen. Problemgruppen wie etwa Langzeitarbeitslosen soll durch Eingliederungshilfen die Rückkehr in das Berufsleben erleichtert werden. Fehler der 70er Jahre wie etwa die Frühverrentung sollten aber vermieden werden.

Weltbank deutlich weniger pessimistisch

Nicht ganz so dramatisch, aber auch nicht eben positiv sieht die Weltbank die globale Lage. Sie prognostiziert jetzt ein Minus von 1,7 Prozent. Der Welthandel werde in diesem Jahr um mehr als sechs Prozent einbrechen - so stark wie seit 80 Jahren nicht mehr, heißt es im Wirtschaftsausblick der Weltbank. In der Eurozone wird die Wirtschaft der Studie zufolge sogar um 2,7 Prozent schrumpfen.

Zwar sei bereits im kommenden Jahr eine moderate Erholung möglich, aber dieser Ausblick sei "höchst ungewiss", räumte die Weltbank ein. Sie rechnet für 2010 immerhin mit einem weltweiten Wachstum von 2,3 Prozent.

AP/Reuters / AP / Reuters