Werftenkrise Blohm + Voss geht an arabischen Schiffbauer


Der Name steht für die Werftenbranche wie kaum ein anderer: Blohm + Voss. Zu großen Teilen wird ThyssenKrupp die Hamburger Tradtionswerft nun an einen arabischen Schiffsbauer verkaufen. Der Konzern sieht angesichts der Wirtschaftskrise keinen anderen Ausweg.

Der von der Wirtschaftskrise schwer gebeutelte ThyssenKrupp-Konzern will weite Teile der Hamburger Traditionswerft Blohm + Voss an ein arabisches Schiffbauunternehmen verkaufen. Die mehrheitlich staatliche Abu Dhabi Mar Group übernehme jeweils 80 Prozent an den Gesellschaften Blohm + Voss Shipyards (Yachtenbau), Blohm + Voss Repair (Reparatur) und Blohm + Voss Industries (Schiffskomponenten), teilte ThyssenKrupp am Donnerstag mit. Für den Bau von Militärschiffen wollen die Partner ein Gemeinschaftsunternehmen mit einem Anteil von je 50 Prozent gründen. Wegen der Flaute im Schiffbau hatte ThyssenKrupp erst vor wenigen Wochen die Mehrheit an den Nordseewerken Emden an den Windkraftanlagen Siag Schaaf Industrie verkauft.

"Unser Partner aus Abu Dhabi hat konkrete Aufträge an der Hand, sowohl im Militär- als auch im Yachtbereich", sagte ThyssenKrupp-Vorstandsmitglied Olaf Berlien. "Das ist nicht der Anfang des endgültigen Ausstiegs aus dem Schiffbau, sondern eine Lösung für die derzeitige Auftragsflaute." Der Marine-Schiffbau von ThyssenKrupp habe seit elf Jahren keinen Auftrag aus dem Ausland erhalten, die vier von der Bundesregierung bestellten Fregatten lasteten den Konzern nicht aus. Bei Luxus-Yachten sei das Unternehmen bis vor kurzem auf fünf Jahre ausgelastet gewesen, nun hätten Kunden aber alle Aufträge storniert. "Den Bereich hätten wir ohne die Lösung mit Abu Dhabi Weihnachten zumachen müssen."

IG Metall fürchtet um die Arbeitsplätze

Die IG Metall kritisierte die Pläne scharf. "Wir sehen darin eine große Gefahr für die Beschäftigten. Auslastungslücken im militärischen Bereich lassen sich künftig nicht mehr mit zivilen Aufträgen ausgleichen", sagte Hamburgs Erster Bevollmächtigter Eckard Scholz. ThyssenKrupp widersprach. "Die Beschäftigung sollte besser werden und ich hoffe, dass auch die Zahl der Arbeitsplätze hochgeht", sagte Berlien. In den drei Blohm + Voss Gesellschaften sind rund 1700 Mitarbeiter beschäftigt. Im Marineschiffbau sind es noch rund 500, allerdings greift der "graue" (militärische) Bereich künftig im Bedarfsfall auf Kapazitäten des "weißen" Bereichs zu. Abu Dhabi Mar gehört zu den führenden Schiffbauern der Golf-Region und beschäftigt weltweit 2000 Mitarbeiter.

Mit der angekündigten Beteiligung wolle man sich nicht zufrieden geben, erklärten Arbeitnehmervertreter. ThyssenKrupp will nach eigenen Angaben allerdings "mittel- bis langfristig" an der 20-Prozent-Beteiligung festhalten.

Nato-Aufträge bleiben bei ThyssenKrupp

Bei dem geplanten Joint Venture im Marineschiffbau mit dem Namen Blohm + Voss Naval soll ThyssenKrupp die Führung bei allen Projekten der deutschen Marine und der Nato-Partner behalten. "Abu Dhabi Mar wird für den Nahen Osten und Nordafrika verantwortlich sein", sagte Berlien. Dort gebe es ein wachsendes Bedürfnis nach Kriegsschiffen, etwa um im Meer gelegene Öl- und Gasvorkommen zu sichern. "Abu Dhabi hat in dieser Region exzellente Kontakte", sagte er. Bei Aufträgen soll das jeweils erste Schiff in Deutschland gebaut werden, der Rest vor Ort. Mit Hilfe der Allianz will ThyssenKrupp die roten Zahlen im Werften-Bereich bald hinter sich lassen. "Wir wollen innerhalb von zwei Jahren wieder profitabel werden", sagte Berlien.

Der Schiffbau in Deutschland steckt in der größten Auftragsflaute seit Jahrzehnten. Binnen Jahresfrist haben fünf Werften Insolvenz angemeldet. Viele Aufträge sind storniert worden, darunter 56 Containerschiff-Bestellungen. Für diesen Bereich sieht ThyssenKrupp in Deutschland keine Zukunft mehr. "Container-Schiffbau wird es bei uns künftig nicht mehr geben, nur noch in Asien." Anders ist die Lage im U-Boot-Bau: Bei nicht nuklearen Booten ist ThyssenKrupp Marktführer und bis Ende des nächsten Jahrzehnts ausgelastet.

Reuters Reuters

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