WERTANLAGE Gold ist gerade in Krisenzeiten begehrt


Konjunkturängste nach dem 11. September haben die Furcht vor Börsencrash und Geldwertverfall wiederbelebt. Nicht wenige liebäugeln da mit Gold.

Doch Beate Kirchner, von der Verbraucherzentrale Hessen, warnt davor, denn Gold ist eine äußerst unflexible Anlageform. »Der Wiederverkauf stellt ein Problem dar - und die Möglichkeit, dabei Erträge zu erwirtschaften, ist schwer planbar.« Auch Simone Weidner von der Stiftung Warentest rät von Anlagen in Gold ab. »Nach den Abschlägen hat sich der Goldpreis zwar etwas stabilisiert, wenn man aber die letzten zehn Jahre betrachtet, ist er kontinuierlich gesunken.« Das gleiche gilt für Silber. Um Renditen zu erwirtschaften, sind die Edelmetalle aber sicher nicht geeignet.

Gold als Rücksicherung betrachten

»Trotzdem ist Gold ein Wert, der als Inflationsschutz immer noch empfohlen wird«, räumt die Verbraucherschützerin ein: »Wenn auf Grund einer Inflation ein extremer Geldwertverfall stattfindet, wird Gold bedeutend weniger an Wert verlieren als die Währungen.« Die Goldanlage ist in diesem Sinne als eine Rücksicherung zu betrachten, wie etwa Grundstücke oder eine Immobilie. So wenig es sinnvoll ist, sein gesamtes Vermögen in Grundstücke zu stecken, so wenig ist es sinnvoll, alles in Gold anzulegen.

Goldmarkt = offizieller Markt

Immerhin ist der Goldmarkt noch ein offizieller Markt, auf dem es über Banken möglich ist, seriöse Käufe zu tätigen, meint Beate Kirchner. Andere Sachwertgeschäfte, wie etwa mit Diamanten, finden nur auf dem so genannten grauen Kapitalmarkt statt, bei dem natürlich höchste Vorsicht geboten ist.

Kein privater Verkaufsmarkt für DiamantenAngebote zum Diamantenkauf meist unseriös

Man kann davon ausgehen, dass alle Diamantenkaufangebote an Privatleute unseriös und meistens sogar kriminell sind. »In der Regel werden die Steine von dubiosen Vermittlerfirmen über das Telefon angeboten«, weiß Ariane Lauenberg. »Diese versprechen einen schnellen Wertsteigerungsgewinn von meistens zehn Prozent innerhalb von sechs Monaten und liefern ein so genanntes Echtheitszertifikat.« Dieses Zertifikat stimmt sogar oft, doch es dokumentiert nur die Reinheit und Echtheit der Steine, sage aber nichts über den Preis aus.

Kaufsummen meist überhöht

Die verlangte Kaufsumme hat sich bisher immer als überhöht herausgestellt. Auch die versprochene Wiederverkaufsgarantie halten die Firmen nicht ein, so dass man nie in den Genuss der in Aussicht gestellten zehn Prozent kommt. Stattdessen bleibt man auf den Steinen sitzen. Entweder die Vermittler lösen sich vorher in Luft auf, oder sie zögern den Verkauf so lange mit falschen Ausreden hinaus, bis die Betrogenen Verdacht schöpften und Rechtshilfe einholten.

Niemals am Telefon kaufen

Diese Erfahrung bestätigt Klaus Nieding, Rechtsanwalt aus Frankfurt und auf Anlagebetrug spezialisiert. Der Präsident des Deutschen-Anleger-Schutzbunds (DASB) warnt »Finger weg von Anlageangeboten per Telefon oder Zeitungsannonce!« Das gilt besonders bei Diamanten. In den vergangenen Monaten hat die DASB mehrere Betrugsfälle behandelt, in denen Privatkunden auf diesem Weg Zahngold verkauft wurde, das sich später als Granulat herausstellte. »Wer wirklich Gold oder andere Rohstoffe als Anlage kaufen will, sollte zu seiner Hausbank oder einer Großbank gehen.«

Auch Platin und Palladium lockt

Das gilt auch für die Anlage in die so genannten Industriemetalle Platin oder Palladium. Anders als bei Gold, sind die Preise für diese in der Chipherstellung verwendeten Metalle in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen. Auch hier werden von einigen unseriösen Vermittlern vorgetäuschte Termingeldgeschäfte per Telefon angeboten. Wer tatsächlich in diese Rohstoffe investieren möchte, sollte auch bedenken, dass sie zwar rentabler sind als Gold, aber als sichere Sachwerte in Krisenzeiten weniger taugen. Denn unter einer schweren Wirtschaftskrise leiden auch die Chiphersteller - die Nachfrage und damit die Preise dürften dann also eher fallen, was nach dem 11. September auch prompt der Fall war.

Genaue Kenntnis fehlt

»Generell erfordert die Anlage in Sachwerte eine noch genauere Kenntnis des Marktes als das etwa bei Aktienfonds nötig ist«, sagt Beate Kirchner. Den Markt genau zu beurteilen, ist aber selbst bei Gold extrem schwierig. »Kaum vorhersehbare Punkte wie etwa neue Förder- und Abbaumethoden oder die Entdeckung weiterer Vorkommen spielen genauso eine Rolle, wie eine veränderte Nachfrage oder Massenverkäufe, wie sie in der jüngeren Vergangenheit etwa durch die Landeszentralbanken getätigt wurden«, bestätigt Simone Weidner von der Stiftung Warentest. Nur wer tatsächlich kein Interesse an einer Wertsteigerung hat und die Barren als pure Absicherung gegen eine schwere Inflation kauft, dem kann der Markt egal sein.

Informationen:

Beim Deutschem Anleger-Schutzbund ist eine Checkliste für Praktiken unseriöser Anlagevermittler erhältlich unter Tel.: 069/23 85 380


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