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"Digitaler Bankraub des Jahres" Wie Cyberkriminelle Corona-Hilfen erbeuteten – ein Beteiligter berichtet

"Frontal21" hat sich auf die Spur krimineller Corona-Hilfen-Betrüger begeben
"Frontal21" hat sich auf die Spur krimineller Corona-Hilfen-Betrüger begeben
© Frontal21
In Nordrhein-Westfalen haben Cyberkriminelle in großem Stil staatliche Corona-Hilfen erbeutet. Das Investigativmagazin "Frontal21" hat mit einem beteiligten Täter darüber gesprochen, wie der digitale Bankraub ablief.

Schnell und möglichst unbürokratisch will der Staat Selbstständigen und Kleinunternehmern in der Corona-Krise helfen. Denn wenn jemand erstmal pleite ist, kommt jede Soforthilfe zu spät. Der Nachteil daran: Wenn viel Geld in kurzer Zeit mit wenig Prüfung rausgehauen wird, dann ruft das auch Kriminelle auf den Plan. In Berlin ermittelt das Landeskriminalamt derzeit gegen arabische Clans, die zu Unrecht Soforthilfen kassiert haben sollen - und auch anderswo dürften noch zahlreiche Fälle auftauchen.

Einen besonders großen Schaden haben Cyberkriminelle bereits in Nordrhein-Westfalen angerichtet. Organisierte Betrüger setzten dort mehrere Fake-Websites auf, die den offiziellen Portalen zur Beantragung von Corona-Hilfen glichen. Über diese griffen sie die Daten von bis zu 4000 Antragstellern ab und leiteten das Geld auf ihre eigenen Konten um. Bis die Betrugsseiten vom Netz genommen werden konnten, sah sich das Land NRW sogar gezwungen, die Zahlungen komplett auszusetzen. Die Ermittlungen dauern an.

Wie sich die Täter organisierten, zeigen nun Recherchen des ZDF-Magazins "Frontal21". Die Macher der Investigativsendung haben einen der beteiligten Täter im Netz aufgespürt und mit ihm über das kollaborative Vorgehen der Kriminellen gesprochen. "Ich arbeite gewissermaßen hauptberuflich als Betrüger und das seit Jahren", erklärte die anonyme Person den Journalisten über einen verschlüsselten Chat.

"Ich kipp dich mit Geld zu"

In diesem legte er auch ein Chatprotokoll vor, das seine Kommunikation mit dem Betreiber der Fake-Webseiten zeigen soll. "Überweisungen ab 8000 Euro, Name des Empfängers egal, 1,4 Mio. Payments da", schreibt dort der angebliche Kopf hinter den Betrugswebseiten. "Ich kipp dich mit Geld zu, das glaubst du nicht."

Der Frontal-21-Gesprächspartner beschreibt seine Rolle im "digitalen Bankraub des Jahres", wie er die Aktion selbst nennt, als die eines Handlangers, der für die Geldwäsche zuständig sei. "Ich bin nur ein Mittelsmann. Ich kaufe ein Bankkonto, was jemand anders über jemanden anderen eröffnet hat, dahin gehen die Corona-Hilfen. Ich selbst wasche diese über drei bis vier andere Konten, wechsle sie in Bitcoin."

Der ermittelnde Oberstaatsanwalt Markus Hartmann, Leiter der Zentral- und Ansprechstelle Cybercrime Nordrhein-Westfalen (ZAC NRW), bestätigt gegenüber Frontal 21, dass Kriminelle bei Aktionen wie dem Coronahilfen-Klau stark arbeitsteilig vorgehen. Im Deep-Web habe sich dafür eine regelrechte Untergrundökonomie gebildet: "Bestimmte Fachrichtungen spezialisieren sich auf das Entwickeln von Schadsoftware, die nächsten auf das Anbieten von Bankkonten, über die Zahlungen geschleust werden. Die dritten haben besondere Fachkenntnisse der Webseiten-Programmierung und über Marktplätze im Internet finden dann diese unterschiedlichen Spezialisierungen zusammen und ermöglichen damit vielfach auch erst eine professionelle Tatbeteiligung", berichtet Hartmann. Diese Konstellation mache die Ermittlungen nicht gerade einfacher.

Den kompletten Beitrag können Sie in der ZDF-Mediathek sehen


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