HOME

Lebensmittelhandel: Wie Plastik-Verpackungen die Umwelt schützen

Geschäfte, die lose, unverpackte Lebensmittel verkaufen, werden für ihr Umweltbewusstsein gelobt. Dabei ist das der falsche Weg. So grotesk es auch klingen mag: Nur clevere Verpackungen senken die Umweltbelastung.

Je besser die Verpackung, umso weniger wird weggeworfen.

Je besser die Verpackung, umso weniger wird weggeworfen.

Heute übertreibt man es mit den . Das kann jeder bestätigen, der gern und viel im Internet einkauft. Da herrscht das  Matroschka-Prinzip: Das eigentliche Produkt liegt in Schaumflocken geschützt in einem Karton. Der hübsche Produkt-Karton wird von einer Folie geschützt. Um sie herum liegen – natürlich - Schaumflocken, dann kommt der Versand-Karton. Um den schützende Folie oder zumindest ganz viel Klebeband. 

Das sind besonders schwere Exzesse - gegen die sich Widerstand rührt. So hat sich fast ein Hype um Supermärkte entwickelt, die Lebensmittel lose ohne Verpackung anbieten. Nur schützt das eigentlich die Umwelt? Der "Economist" meint nein, und rechnet vor, wie nur richtige Verpackung Lebensmittel vor dem Verderben und vor äußeren Schäden schützt

Nicht alles wird auch gegessen

Sicher ist es nicht notwendig, eine Avocado zunächst zu schälen und anschließend in Plastik einzuschweißen. Eine sinnlose Aktion - doch auf solche Auswüchse bezieht sich der "Economist" nicht. Es geht um die Probleme des sicheren Transportes und der Haltbarkeit von Produkten. Denn nichts belastet die Umwelt mehr, als Lebensmittel, die nicht gegessen, sondern weggeworfen werden (weil sie verdorben sind oder einfach nicht mehr hübsch genug aussehen). Laut UN-Schätzungen soll ein Drittel aller Lebensmittel nicht verzehrt werden. Zum Teil ist das auf Wohlstandsverschwendung zurückzuführen, aber verdorbene Lebensmittel gehören eben auch zu diesem Schwund. Anders als im Mittelalter gibt es heute Möglichkeiten, Haltbarkeit von Lebensmitteln zu verlängern, ohne ihre Frische zu beeinträchtigen – wie es etwa bei Dosen der Fall wäre.

Fleisch belastet die Umwelt

Bei Fleisch wird das besonders deutlich. Die Produktion von Fleisch verschlingt sehr viel natürliche Ressourcen, um eine bestimmte Menge von Kalorien zu erzeugen. Wird Fleisch in Kunststoff vakuumverpackt, bleibt es wesentlich länger haltbar. Die Verpackung und Begasung in einer Schutzatmosphäre ist umstritten, weil sie zu einer intensiven, frischen Farbe führt. Aber was wäre die Alternative? Kaum jemand kauft grau, angelaufene Steaks für 25 Euro das Kilogramm. Je weniger Aufwand mit der Verpackung getrieben wird, umso mehr Fleisch wird am Ende als unverkäuflich weggeworfen.

Abstimmung

Der "Economist" behauptet, dass Lebensmittel ohne Verpackung die Umwelt stark belasten würden. Was meinen Sie?

Fleischkonsum wäschst

Natürlich verbrauchen auch Verpackungen Ressourcen, aber weit weniger als weggeworfene die Umwelt belasten - denn diese mussten schließlich erst aufwendig und ressourcenverbrennend produziert werden, um dann im Müll zu landen. Die Rechnung sei positiv, argumentiert der "Economist". Vor allem, wenn das Verpackungsmaterial wieder recycelt wird.  Auch bei frischem Obst und Gemüse gibt es den einen Zusammenhang von Verpackung/Lieferkette auf der einen und Unverkäuflichkeit auf der anderen Seite.

Der Verkauf aus der Schütte sieht schön nach Tante-Emma-Laden aus, aber häufig ist das nur Kosmetik. Denn Kiwis, Äpfel oder andere Güter würden den langen Weg nicht aus Südafrika oder Neuseeland - oder vielleicht nicht mal aus der Obstregion um die Ecke - als Schüttgut in einem Laderaum überstehen. Das Ziel: Die Ware soll ohne nennenswerte Dellen in den Supermarkt kommen. Also werden sie ordentlich eingepackt – erst im Laden wird die schützende Verpackung dann entfernt. Von verpackungslosen Lebensmitteln kann also keine Rede sein.

Stern Logo Das könnte Sie auch interessieren