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Kryptowährung Bitcoin-Mining heizt einen See bei New York angeblich zum "Whirlpool" auf

Die Anwohner des idyllischen Seneca Lakes lehnen das Bitcoin-Kraftwerk in ihrer Nachbarschaft ab.
Die Anwohner des idyllischen Seneca Lakes lehnen das Bitcoin-Kraftwerk in ihrer Nachbarschaft ab.
© Andre Jenny / Picture Alliance
Ein Finanzinvestor kaufte ein altes Kraftwerk. Nun läuft es auf voller Last und betreibt eine Serverfarm. Die Anwohner sind empört - wegen des Klimaeffekts und weil das Kühlwasser ihren See erwärmt.

Bitcoins sind sehr klimaschädlich, weil ihre Herstellung so viel Energie verbraucht. Doch was bisher als globales Problem gilt, wird rund um den Seneca Lake bei New York zu einem sehr konkreten und lokalen Problem. Der idyllische See ist als Ausflugsziel bekannt, kleine Boote und Schwimmer bevölkern ihn. Doch allmählich wird das Wasser mollig warm – wie eine Badewanne sagen aufgebrachte Einwohner dem TV-Sender NBC News. Und das habe nichts mit dem Klimawandel zu tun, sondern mit dem neuen Besitzer des Gaskraftwerks in der Nähe des Sees. Tatsächlich dürfte diese Behauptung  übertrieben sein, die Abwassermengen des Kraftwerks sind viel zu klein, um den großen See merklich aufzuwärmen. Der Betrieber veröffentlicht Daten, aus denen keine Erwärmung hervorgeht. Tatsächlich rührt die Empörung wohl eher vom neuen  Geschäftsmodell des Kraftwerks her.

Billigstrom ist der Schlüssel

Das Werk wurde an den Finanzinvestor Atlas Holdings verkauft und der hatte besondere Pläne. Die Anlage speist nun nicht allein das öffentliche Stromnetz, sie läuft rund um die Uhr auf voller Last um etwa 8000 Bitcoin-Mining-Computer zu betreiben. Die Idee dahinter: Damit sich das Mining lohnt, muss der Strom billig bezogen werden. Bei 30 Cent für die kWH wie für Deutschlands Privatverbraucher lohnt sich das Mining nicht. Mit einem eigenen Kraftwerk, das gewissermaßen nur für den Eigenverbrauch produziert, spart man Kosten und staatliche Abgaben – so wird der Strom sehr viel billiger. "Diese Krypto-Firmen sind überall auf der Suche, um relativ billige Energie in einem relativ kühlen Klima zu bekommen," sagte Yvonne Taylor, Vizepräsidentin der Seneca Lake Guardian, dem Sender. "Es ist ein schreckliches Geschäftsmodell für den ganzen Staat New York, die Vereinigten Staaten und für den Planeten."

Private-Equity ohne Skrupel

Eine Schätzung der Universität von Cambridge besagt, dass die Bitcoin-Miner dieser Welt in einem Jahr mehr Energie verbrauchen als das Land Chile. Laut NBC News ziehen sich börsennotierte Unternehmen von klimaschädlichen Branchen zurück, weil sie die Kritik der Öffentlichkeit fürchten. Nur bringt das nichts, denn Private-Equity-Firmen stehen als Käufer für die Schnäppchen bereit.

Das Kraftwerk lief bei der Übernahme nur auf einem Bruchteil seiner Kapazität. Atlas Holdings hat es nicht nur gekauft, sondern mit dem Mining ein Geschäftsmodell für das Gaskraftwerk mitgebracht. Ein Modell, das nicht alleinsteht. Häufig werden Anlagen gekauft, bei denen es sich nicht mehr lohnt, sie für neue Umweltstandards umzurüsten. Tyson Slocum, Direktor des Energieprogramms bei Public Citizen, einer gemeinnützigen Verbraucherschutzorganisation sagte NBC: "Private-Equity-Firmen denken, dass man noch ein paar Jahre Betrieb aus ihnen herausquetschen kann."

Boomende Branche

Die Betreiberfirma Greenidge pumpt jeden Tag 511 Millionen Liter erhitztes Kühlwasser in den See. Die NGO Earth Justice behauptet, dass sich die Kohlendioxidemissionen von Januar bis Dezember 2020 fast verzehnfacht haben. Denn das Kraftwerk verfeuert Gas, um die Energie für das Mining zu gewinnen. Hält der Boom an, dann wird das Bitcoin-Kraftwerk die Klimaziele des gesamten Staates New York kippen.

Greenidge plant, die Computerfarm noch deutlich zu vergrößern, entsprechend mehr Strom müsste produziert werden. Außerdem sollen weitere Kraftwerke gekauft werden, damit die Bitcoin-Mining-Kapazität von 19 Megawatt auf bis 500 Megawatt im Jahr 2025 gesteigert werden kann. Die Betriebserlaubnis wird wahrscheinlich wieder erneuert. Denn das Kraftwerk ist nicht klimaschädlicher als andere, über Sinn oder Unsinn des Minings haben die Genehmigungsbehörden nicht zu befinden.

Auch der US-Rivale China hat den Klimaeffekt des Minings erkannt. Weil sich die KP ihre Klimaziele nicht von den Minern kaputt machen lassen will, hat Peking den Bitcoin-Minern den Stecker gezogen. Im Mai wurde das Mining kurzerhand verboten. Und seit ein paar Wochen wird das Verbot durchgesetzt.
Quelle: NBC News

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