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Kunststoff: Umweltschock – Mehrwegbeutel machen mehr Müll als Einwegtüten

In Großbritannien haben robuste Taschen die leichten Einwegbeutel ersetzt. Für die Umwelt ist das leider kein Gewinn. Die stabilen Beutel werden meist nur ein einziges Mal benutzt.

Die Taschen sind stabil, werden aber dennoch meist nur einmal benutzt.

Die Taschen sind stabil, werden aber dennoch meist nur einmal benutzt.

Getty Images

Einwegplastiktüten müssen weg. Das ist zu viel Kunststoff für eine einmalige Verwendung, das geht nicht. Beim Thema "Bann der Einwegbeutel" sind sich alle einig. Nun zeigt sich in Großbritannien aber, dass Kunststofftaschen, die ein Leben lang halten sollen, noch viel schlimmer sind. Seit vier Jahren muss in Großbritannien eine Abgabe von fünf Pence pro Plastiktüte abgeführt werden. Ziel der Maßnahme war es, die Einwegtüten zurückzudrängen und dafür "Taschen fürs Leben" zu propagieren.

Anstoß für das Gesetz war eine breite öffentliche Diskussion nach der BBC-Dokumentarreihe "Blue Planet II". Dort zeigte David Attenborough, welche Folgen der Plastikmüll hatte. Er forderte die Zuschauer nachdrücklich auf, ihren Plastikabfall zu reduzieren.

Strategie ging nicht auf

Nun zeigt sich, dass diese Initiative die Menge an Plastik, die die Supermärkte hinterlassen, nicht reduziert, sondern sogar vergrößert hat. Das sagt der gemeinsame Bericht "Checking Out on Plastic II" von Greenpeace und der britischen Umweltbehörde.

Die Top 10 der Supermarktketten verkaufen in einem Jahr 1,5 Milliarden "Taschen fürs Leben". Das heißt, jeder Haushalt hat 2019 durchschnittlich 54 Taschen gekauft. Hinzu kommen die robusten Beutel aus den Vorjahren. 2018 waren es 959 Millionen. Anstatt lebenslang hält die Tasche durchschnittlich eine Woche. Der Zuwachs von 2018 zu 2019 zeigt zudem, dass der Verbrauch rasant ansteigt. Zum Vergleich: 2016 wurden "nur" zwei Milliarden Einwegbeutel abgegeben. Diesen Wert dürften die Mehrwegtaschen bald erreichen, wenn der Trend nicht gebrochen wird.

"Wir haben nur ein Problem durch ein anderes ersetzt", so Fiona Nicholls von Greenpeace. "Die "Taschen fürs Leben" sind zu "Taschen für eine Woche" geworden." Auch die staatliche Umweltagentur sagt, dass die steigenden Verkäufe der Mehrwegtaschen bedeuten, dass die robusten Beutel von vielen Kunden nur als Einwegoption genutzt werden. Dabei müssten die Mehrwegtüten mindestens viermal verwendet werden, damit eine Verbesserung gegenüber den leichteren Einwegbeutel eintreten kann.

Trendwende durch Preiserhöhung?

Im Jahr 2015 stellte sich die Regierung das ganz anders vor: "Typischerweise bezahlen sie diese Taschen nur einmal und können sie bei Verschleiß kostenlos zurückgeben", hieß es. "Nach all dem öffentlichen Bewusstsein hatte wir erwartet, dass der Plastikkonsum in Supermärkten zurückgehen wird, aber er steigt tatsächlich an", so Nicholls. Sie wünscht sich, dass die Mehrwegbeutel deutlich teurer werden.

Quelle: Checking Out on Plastic II

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