HOME

Wirtschaftsentwicklung 2008: Langsameres Wachstum kein Grund zur Panik

Die Konjunkur wird im kommenden deutlich geringer ausfallen als noch 2007. Dies liegt vor allem an den turbulenten Weltmärkten und dem hohen Inflationsdruck aufgrund gestiegener Rssourcenpreise. Trotzdem gibt es keinen Grund zur Panik, denn der Aufschwung in Deutschland ist solide.

Die Aussichten sind gut, aber nicht mehr rosig. 2008 wird die deutsche Wirtschaft nach Ansicht von Experten langsamer wachsen als in den zwei Jahren zuvor. Knapp zwei Prozent könnten am Ende übrig bleiben - das wäre aber immer noch mehr als in den Jahren zwischen 2001 und 2005. Eine Handvoll Risiken bedrohen die Konjunktur.

In den USA bremsen die Folgen der Immobilienkrise die Wirtschaft aus. Die jüngste Milliarden-Abschreibung der Schweizer Großbank UBS zeigt, dass die Turbulenzen an den Kredit- und Finanzmärkten weltweit nicht ausgestanden sind. Ölpreis und Euro bewegen sich auf Rekordniveau und die Verbraucher geben wegen der hohen Inflation weniger aus. Doch Volkswirte weisen Krisenprophezeiungen und Schwarzmalerei zurück.

"Deutschlands Aufschwung ist solide"

"Die Konjunktur kühlt sich auf hohem Niveau allmählich ab" sagt der Präsident des Münchener ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn. Der Trend weist nur leicht nach unten: 2006 wuchs die Wirtschaft mit 2,9 Prozent so stark wie seit sechs Jahren nicht mehr. 2007 bremste die Mehrwertsteuer den Zuwachs auf rund 2,5 Prozent und 2008 sollen etwa 2,0 Prozent herauskommen. Den erwarteten Einbruch der Konjunktur in den USA infolge der Immobilien- und Finanzkrise sowie den Höhenflug des Euro wird auch die Wirtschaft in Europa zu spüren bekommen.

Ängste vor einem Absturz der Konjunktur zerstreuen die Volkswirte jedoch. "Die deutsche Wirtschaft befindet sich weiterhin in einem soliden Aufschwung", stellt die Deutsche Bundesbank fest. Die Auftragslage in der Industrie sei gut und die Unternehmen hätten dicke Gewinnpolster angelegt. Der Export werde trotz der Euro-Stärke weiter gut laufen. Die bessere Wettbewerbssituation der deutschen Unternehmen innerhalb der Euro-Zone verhindere einen stärkeren Wachstumseinbruch.

Hoffen auf den Konsumenten

Die Achillesferse des Aufschwungs bleibt 2008 der Konsum, der zwei Drittel des Wachstums ausmacht. Nachdem die Verbraucher die Mehrwertsteuererhöhung vom Jahresbeginn verdaut haben, zeigen die Prognosen für den privaten Verbrauch nach oben. "Der deutsche Konsument wird nach langer Kaufzurückhaltung 2008 erstmals wieder für Wachstumsimpulse sorgen", schreibt Stefan Mütze von der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba). Basis dafür sei die positive Entwicklung am Arbeitsmarkt.

Allerdings ist die Geldentwertung ein Bremsklotz für den Konsum. Die Inflation in Deutschland liegt derzeit mit 3,1 Prozent so hoch wie seit 14 Jahren nicht mehr. Bereits ab einem Wert von zwei Prozent sieht die Europäische Zentralbank (EZB) auf Dauer die Stabilität des Preisniveaus verletzt. Die EZB rechnet 2008 im Euro-Raum mit einer Inflationsrate von 2,5 Prozent, also deutlich über der magischen Grenze. "Wir haben einen Buckel vor uns, der sich wieder abflachen wird", sagt Notenbank-Präsident Jean-Claude Trichet. Die Inflation werde sinken, weil Sondereffekte die Preise treiben.

Inflationsdruck basiert auf überschaubaren Effekten

In diesem Jahr war in Deutschland die Erhöhung der Mehrwertsteuer für knapp einen Prozentpunkt der Rate verantwortlich. Nach Schätzung von Volkswirten geht ein weiterer Punkt auf den starken Ölpreisanstieg und die kräftige Teuerung bei Nahrungsmitteln zurück. Doch jenseits dieser Effekte scheint der Inflationsdruck gering zu sein: der Einzelhandel habe massive Probleme, die höhere Mehrwertsteuer voll an den Verbraucher weiterzugeben. "Bislang waren auch die Lohnabschlüsse moderat und es ist keine Preisspirale zu sehen", sagt Trichet.

Entwarnung von der Bundesbank

Positiv werten Volkswirte, dass die Konjunktur nicht mehr nur vom Ausland getragen wird, sondern auch vom Inland. Konsum und Investitionen haben 2007 für Wachstum gesorgt. Doch die Firmen werden im nächsten Jahr wohl weniger investieren, weil sie ihren Ersatzbedarf weitgehend gedeckt haben und mit dem Auslaufen steuerlicher Vorteile zum Jahresende 2007 Investitionen nicht mehr so interessant sind.

Wegen der Finanzmarktturbulenzen rechnet die Bundesbank zwar im kommenden Jahr mit einer Abschwächung der weltwirtschaftlichen Dynamik. Doch die Notenbanker geben Entwarnung: Diese Entwicklung treffe Deutschland zu einem Zeitpunkt, in dem sich die heimische Wirtschaft "in einer recht robusten Verfassung" befinde.

Marion Trimborn/DPA / DPA