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Wirtschaftskrise: Ölpreis fällt auf 20-Monats-Tief

Der Preis für ein Barrel Öl ist so niedrig wie seit März 2007 nicht mehr. Das Barrel kostet nur noch 58,55 Dollar. Grund für den Preisrückgang: Selbst Ölhändler sind jetzt davon überzeugt, dass die Weltwirtschaft auf eine Krise zusteuert. Auch China kann den Preisverfall nicht mehr stoppen.

Der Ölpreis ist auf den tiefsten Stand seit 20 Monaten gefallen. Gleichzeitig kosteten Benzin und Diesel so wenig wie noch nie in diesem Jahr. Am Mittwochnachmittag kostete ein Barrel Öl (159 Liter) nur noch 59,01 Dollar und lag zeitweise noch tiefer. Damit setzt sich der jüngste Preisrückgang fort, bei dem am Dienstag gleich ein Minus von mehr als 3 Dollar notiert worden war.

Autofahrer dürfen sich freuen

Die deutschen Autofahrer spüren den Einbruch an der Zapfsäule: Diesel und Benzin sind seit vergangener Woche spürbar billiger geworden. Nach Angaben des ADAC kosten Benzin wie auch Diesel zur Zeit jeweils rund 1,22 Euro pro Liter. Beim Benzin fiel der Preis seit vergangener Woche demnach um fast fünf Cent, beim Diesel sank der Preis um rund drei Cent, wie der Automobilclub mitteilte. Die Internationale Energieagentur (IEA) forderte unterdessen einen radikalen Umbau der weltweiten Energieversorgung.

Unter den Ölhändlern setzt sich nach Ansicht von Marktkennern die Einschätzung durch, die Weltwirtschaft steuere auf eine härtere Krise zu als bisher angenommen wurde. Dazu kommt die Befürchtung, auch die Ölnachfrage aus China könnte gedämpft werden. Bisher sah es so aus, als würde ein Rückgang der Ölnachfrage in den USA und Europa von steigenden Bestellungen aus China und Indien ausgeglichen. Die Bank Morgan Stanley hatte diese Woche aber ihre China-Wachstumsprognose für 2009 zusammengestrichen.

Katar will Ölpreis zwischen 70 und 90 Dollar

Mit dem jüngsten Preisrückgang sind zwei Produktionskürzungen der OPEC bisher verpufft. Der Premierminister des Ölscheichtums Katar, Scheich Hamad Bin Jassim Bin Jabr Al-Thani, bezeichnete am Dienstag einen Ölpreis zwischen 70 und 90 Dollar als fair. Damit könne die teure Suche nach neuen Quellen weiter finanziert werden. Katar und andere Länder der OPEC finanzieren mit den Öleinnahmen aber auch einen großen Teil ihrer Staatshaushalte.

Der Benzinpreis soll nach Expertenmeinung bis weit ins nächste Jahr niedrig bleiben. Die drohende Rezession mache der Wirtschaftskraft weltweit zu schaffen, was schlechte Zeiten für die Ölbranche bedeute, sagte ein Sprecher des Erdölinformationsdienstes der in Düsseldorf erscheinenden "Rheinischen Post". !Die Verbraucher können sich dagegen bis weit ins nächste Jahr auf niedrige Benzinpreise einstellen."

Die Internationale Energieagentur (IEA) erklärte im jüngsten World Energy Outlook, die derzeitige Art der Energienutzung könne auf Dauer nicht Bestand haben, und zwar aus Gründen des Klimaschutzes, aber auch, weil sie sozial und wirtschaftlich keine Zukunft habe. Die Experten der IEA, einer Organisation der 30 größten Industrieländer, verweisen vor allem auf die schwindenden Ölreserven, die den wachsenden Bedarf nicht auf Dauer und vor allem nicht preisgünstig decken könnten. Zudem wären katastrophale Folgen für das Weltklima zu befürchten, wenn die Energieversorgung nicht umgebaut werde. Nötig sei eine Abkehr von der auf fossile Brennstoffe gestützten Wirtschaft.

Die IEA senkte angesichts der jüngsten Finanz- und Wirtschaftskrise zwar ihre Prognosen, erwartet aber, dass die Energienachfrage bis 2030 jährlich um durchschnittlich 1,6 Prozent steigt. Um diese zu befriedigen und um Engpässe zu verhindern, seien massive Investitionen in die Infrastruktur notwendig.

AP / AP