Wolfgang Sprißler Der letzte Mohikaner


Eigentlich wollte sich Wolfgang Sprißler mit seinen 60 Jahren in den Ruhestand verabschieden. Doch nachdem sich die meisten HVB-Vorstände aus dem Staub gemacht haben, blieb Sprißler praktisch als letzter übrig.

Nach der Übernahme der Hypo-Vereinsbank durch die italienische Uni-Credit haben sich die meisten HVB-Vorstände aus dem Staub gemacht. Wegen fehlender Perspektiven oder wegen Meinungsverschiedenheiten mit den neuen italienischen Machthabern reichten sie reihenweise ihre Kündigung ein. Neuer Hypo-Vereinsbank-Chef wird nun mit Beginn des neuen Jahres einer, der mit Sicherheit nicht mehr mit diesem Karrieresprung gerechnet hatte. Finanzvorstand Wolfgang Sprißler tritt die Nachfolge von Dieter Rampl an, der die Führung des Uni-Credit-Verwaltungsrats übernommen hat.

Sprißler wollte sich eigentlich mit seinen 60 Jahren in den Ruhestand verabschieden. Doch nachdem die Vorstände Michael Mendel (Osteuropa), Stefan Jentzsch (Investmentbanking) und Deutschland-Chefin Christine Licci das Weite gesucht hatten, blieb Sprißler praktisch als letzter übrig. 2Er ist derjenige, der das preussischste Amtsverständnis hat", sagt ein Unternehmenskenner. Sprißler nehme die Herausforderung sehr ernst und sei kein kurzfristiger Übergangskandidat. Leicht wird die Aufgabe für ihn nicht werden. Inzwischen hat auch noch Risikomanager Michael Kemmer wegen Unzufriedenheit mit dem Führungsstil der Italiener überraschend seinen Abschied angekündigt. "Für die Motivation der Mitarbeiter ist das eine Katastrophe", meint ein hochrangiger Manager einer anderen Bank. Sprißler muss nun den Laden zusammenhalten und eine gewisse Autonomie des Kreditinstituts bewahren.

Wenn es ernst wird, ist mit Sprißler nicht zu spaßen

Um das Privatkundengeschäft in Deutschland voranzubringen, sei der spröde Sprißler wohl nicht der richtige, meint ein Aufsichtsrat. "Der ist ein hervorragender Bilanz-Chef, aber doch keine charismatische Identifikationsfigur." Zumindest aber kennt der gebürtige Tübinger die Bank wie kaum ein anderer. Vor knapp 30 Jahren hatte er seine Karriere bei der damaligen Bayerischen Vereinsbank begonnen. Seit 1996 sitzt er im Vorstand. In der Führungsspitze der HVB hat es seither zahlreiche Wechsel gegeben - der Mann der Zahlen hat alle Stürme gemeistert.

Um gegenüber den Italienern auf den HVB-Rechten zu bestehen, könnte der bisherige Finanzvorstand durchaus der Richtige sein. Wenn es ernst wird, ist mit Sprißler nicht zu spaßen. "Er kann auch eklig werden", sagt ein Unternehmenskenner. Zuletzt bekam das die Südtirolerin Licci zu spüren, als sie in einer Mitarbeitermail schrieb, die Bank habe falsche Zahlen kommuniziert. Der verantwortliche Finanzvorstand Sprißler ließ sich das nicht gefallen. Licci musste sich entschuldigen und hatte fortan kaum noch Chancen, wie geplant selbst HVB-Chefin zu werden. Sprißler habe keine weiteren Karrierepläne, heißt es im Umfeld der Bank. "Daher hat er nichts zu verlieren und kann Auseinandersetzungen mit den auch Italienern ausfechten."

Einfach wird die Aufgabe für Sprißler nicht werden. Nach dem Rückzug Kemmers ist die Stimmung in der Bank auf einem Tiefpunkt. "Dass sich das Klima so schnell dreht, hätte niemand erwartet", heißt es bei der Bank. "Das wird immer mehr eine italienische Veranstaltung."

Axel Höpner/DPA


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