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Zwangsversteigerung: Überraschender Ausgang der Yukos-Auktion

Die Zwangsversteigerung von Teilen des russischen Ölkonzerns Yukos ist mit einer Überraschung ausgangen. Den Zuschlag erhielt der bis dahin unbekannten Bieter Baikalfinansgrup.

Der wichtigste Förderbetrieb des russischen Ölkonzerns Yukos ist überraschend für etwa sieben Milliarden Euro an den bis dahin völlig unbekannten Bieter Baikalfinansgrup (Baikalfinanzgruppe) versteigert worden. Damit ist der einstmals größte russische Ölkonzern praktisch zerschlagen. Der von vielen Experten als Favorit eingestufte russische Energiekonzern Gasprom kam nicht zum Zug.

Die Baikalfinanzgruppe ersteigerte am Sonntag einen Anteil von 76,79 Prozent an der Yukos-Tochter Juganskneftegas für 260,7 Milliarden Rubel (7 Mrd Euro). Das Mindestgebot für Juganskneftegas lag bei 6,6 Milliarden Euro. In Expertenkreisen wurde der Auktionssieger unter anderem als Strohfirma des Yukos-Konkurrenten Surgutneftegas oder als zweites Gasprom-Angebot gehandelt. Sowohl Surgutneftegas als auch Gasprom dementierten eine Verbindung zum Auktionssieger. «Weder Gasprom noch Gaspromneft hat irgend einen Bezug zu Baikalfinanzgruppe», sagte ein Gasprom-Sprecher.

Keiner weiß, woher das Geld kommt

Der stellvertretende Vorsitzende des russischen Industriellenverbandes, Igor Jürgens, sprach von einem skandalösen Ausgang der Auktion. "Es ist absolut nichts bekannt über dieses Unternehmen. Interessant, wo sie wohl das Geld herhaben", sagte Jürgens. Nach offiziellen Angaben mussten beide Auktionsteilnehmer eine Bietergarantie von umgerechnet 1,3 Milliarden Euro hinterlegen.

Mit dem Zwangsverkauf soll ein Teil der Yukos-Steuerschulden in Höhe von über 20 Milliarden Euro getilgt werden. Das Vorgehen ist international umstritten. Yukos hatte Mitte Dezember in den USA Insolvenz angemeldet und ein Gerichtsurteil zum Aufschub der Versteigerung erwirkt. Das Bezirksgericht in Houston lehnte am Samstagabend (Ortszeit) einen Einspruch von Gasprom gegen das Urteil ab. Die russischen Behörden sehen sich nicht an die Entscheidungen des US-Gerichts gebunden.

Surgutneftegas hatte als einziger privater Ölkonzern in Russland vor Monaten eine Übernahme des wichtigsten Yukos-Förderbetriebs nicht kategorisch ausgeschlossen. Die Ölreserven von Surgutneftegas grenzen an die Produktionsstätten von Juganskneftegas in Westsibirien. Im Gegensatz zu Yukos gilt Surgutneftegas in Analystenkreisen als undurchsichtig geführtes Unternehmen. Dem Vorstandsvorsitzenden Wladimir Bogdanow werden gute Beziehungen zum Kreml nachgesagt.

Gasprom galt als Favorit

Bis zuletzt galt der staatlich kontrollierte Energiekonzern Gasprom als eindeutiger Favorit. In den vergangenen Tagen hatten die Finanzierungspläne Gasproms einen Rückschlag erlitten. Ein westliches Konsortium unter Führung der Deutschen Bank nahm nach Medienberichten auf Grund der Yukos-Klagen in den USA Abstand von einem geplanten Milliardenkredit.

Bei der Versteigerung im Gebäude des Fonds für Staatseigentum bot die Baikalfinanzgruppe zunächst den Mindestpreis von 246 Milliarden Rubel. Daraufhin bat der Repräsentant der Gasprom-Tochter Gaspromneft um Gelegenheit zu einem Telefonat. Als Baikalfinanzgruppe dann auf 260,7 Milliarden Rubel erhöhte, verzichtete Gaspromneft.

DPA / DPA
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