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Von 62 auf 70 Cent: Post plant kräftige Porto-Erhöhung

Briefe sollen teurer werden, schon wieder - und diesmal richtig: Offenbar will die Post das Porto für einen Normalbrief von 62 auf 70 Cent erhöhen.

Zurzeit kostet das Porto noch 62 Cent - doch es könnte bald erheblich teurer werden

Zurzeit kostet das Porto noch 62 Cent - doch es könnte bald erheblich teurer werden

Das Porto entpuppt sich für die Anhänger des geschriebenen Briefes zum Jahresende aufs Neue als Ärgernis. Dreimal in Folge erhöhte die Deutsche Post in den vergangenen Jahren den Preis für den Standardbrief - von 55 auf 58, auf 60 und dann auf 62 Cent. Der Preisaufschlag von 2 bis 3 Cent hielt sich allerdings durchaus im Rahmen und Beschwerden gab es kaum. Am Dienstag berichtete die "Bild"-Zeitung, dass der Bonner Riese beim Porto 2016 richtig hinlangen will. Eine Anhebung um 13 Prozent, von 62 Cent auf 70 Cent sei geplant. 

Offiziell verweist die Deutsche Post auf eine noch ausstehende Entscheidung der Bundesnetzagentur, die die Rahmendaten zur Preisfestsetzung derzeit anpasst. "Bis dahin können wir keine Aussagen treffen", heißt es in dem Unternehmen. Auch bei der Bonner Aufsichtsbehörde, die jeden Preisschritt der Post im lizenzierten Briefbereich genehmigen muss, gibt man sich zugeknöpft. Bis voraussichtlich Ende November soll eine Entscheidung vorliegen. Erst dann kann die Post ihren Antrag stellen, über den dann innerhalb von zwei Wochen entschieden wird. 

Intern scheint sich der gelbe Riese aber längst auf eine Erhöhung festgelegt zu haben. Ein Entwurf der 70-Cent-Briefmarke, der laut "Bild" das Foto einer Schokoladenblume zeigt und dem Blatt vorliegt, soll bereits millionenfach gedruckt werden. Ein Postsprecher bestätigt, dass es einen solchen Produktionsauftrag gibt. Das heiße aber nicht, dass das Porto steigen müsse.  

Poststreik hat Geld gekostet

Dennoch: Die Anzeichen, die für eine Porto-Erhöhung sprechen, sind deutlich. "Die Post hat ein großes Interesse daran, dass die Porti steigen, und zwar nicht unerheblich", meint der Geschäftsführer des Bundesverbandes Paket & Express Logistik (BIEK), Marten Bosselmann. Das Unternehmen verdiene mit dem Brief extrem viel Geld und betreibe eine Quersubventionierung in den Paketbereich hinein. 

Auch nach dreimaligen Anhebungen in Folge sieht sich die Post keineswegs als Preistreiber. Ganz im Gegenteil: Die Briefpreise in Deutschland gehörten zu den günstigsten in Europa, beteuert der Branchenprimus immer wieder. Mit 62 Cent liege der Standardbrief nominell betrachtet im Mittelfeld. Werden außerdem Kaufkraft und Arbeitskosten berücksichtigt, sei nur in der Schweiz, Luxemburg, in Spanien, Slowenien und in Malta der Briefversand günstiger.  

Für die Post also ein Grund mehr, Erhöhungsspielräume zu nutzen. Zudem steht das Unternehmen unter einem enormen Kosten- und Wettbewerbsdruck. Der vergangene Poststreik hat den Konzern nicht nur Nerven, sondern auch viel Geld gekostet. Vorstandschef Frank Appel hat sich für die kommenden Jahre außerdem ehrgeizige Gewinn- und Umsatzziele gesetzt.

Kaum Beschwerden erwartet

Warum liegt das Thema überhaupt auf dem Tisch? Bislang hatten sich Preisanpassungen an einem Beschluss der Bundesnetzagentur aus dem Jahr 2013 orientiert. Darin wurden Zuschläge auf das Briefporto für mehrere Jahre nach oben gekappt. Festgesetzt wurde ein Wert, der sich aus der Differenz der Inflationsrate und einem unterstellten Produktivitätsfortschritt von 0,2 Prozent ergibt.

Im April hatte die Bundesregierung die Vorschriften zur Ermittlung der Maßgrößen für die Preisfestsetzung angepasst - in der sogenannten Post-Entgeltregulierungsverordnung. Die Briefbeförderung ist personalintensiv, deshalb soll dem regulierten Unternehmen eine höhere Umsatzrendite zugestanden werden, heißt es zur Begründung. So sehen die neuen Regeln vor, bei der Ermittlung des Gewinnzuschlags nicht nur die eigenen Kosten, sondern auch die Gewinne von vergleichbaren Unternehmen in Europa heranzuziehen.

Die Verbraucherzentrale NRW sieht das Thema Porto indes gelassen. "Für die Verbraucher ist das Porto ohnehin kaum ein Problem", sagt Iwona Husemann. Die Juristin prophezeit, auch wenn das Porto auf 70 Cent steigen sollte, werde es kaum Beschwerden geben.

Peter Lessmann / DPA
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