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Reisebranche 2004: Große Hoffnungen, aber bislang wenig harte Zahlen

Wieder einmal regiert die Hoffnung. Zwar haben die Top-Manager und Verbände der Tourismuswirtschaft schon oft Wachstum verkündet, doch es kam immer etwas dazwischen. 2004 soll es für die Konzerne aber endlich klappen.

Wieder einmal regiert die Hoffnung. Seit den Terroranschlägen am 11. September 2001 hangelt sich die Reisebranche von Krise zu Krise und muss sich mit Umsatzrückgang und roten Zahlen in den Bilanzen abfinden. Schon oft haben Top-Manager und Verbände Wachstum verkündet, doch immer wieder kam etwas dazwischen. Flaue Konjunktur, Irak-Krieg und Lungenseuche Sars machten die Hoffnung zunichte. 2003 wurde das "schwarze Jahr des Tourismus", erklärte unlängst der Generalsekretär der Welttourismus-Organisation, Francesco Frangialli. 2004 soll es für die Konzerne aber endlich klappen. Die weltgrößte Branchenmesse, die Internationale Tourismusböse in Berlin (12. bis 16. März), soll die Trendwende festschreiben. Die Messe Berlin erwartet mehr als 10.000 Aussteller und bis zu 70.000 Fachbesucher. Allerdings haben einige Branchengrößen, wie etwa der zweitgrößte Reisekonzern Thomas Cook in diesem Jahr keinen Stand auf der ITB.

 

Rückgang bei den Pauschalreisen

2003 hatte der deutsche Markt, weltweit einer der wichtigsten für die Pauschalreise, zwischen 5 und 6 Prozent verloren. Auch 2002 war die Branche schon geschrumpft. Eine solche Krise hatte die Industrie rund um Sonnenschein und Urlaub noch nicht erlebt. Auch weltweit fiel die Zahl der Touristen. Nach Angaben von WTO-Chef Frangialli reisten mit 694 Millionen Menschen 1,2 Prozent weniger als noch im Vorjahr.

Buchungen nehmen langsam wieder zu

Für 2004 ist das Ziel beim Verband der Deutschen Tourismuswirtschaft (BTW) klar. "2004 wird Schluss sein mit Minus. Der Markt in Deutschland wird wieder wachsen", sagt Sprecher Christian Boergen. "Es wird allerdings nicht ausreichen, das Minus von 2003 wieder auszugleichen." Erst 2005 werde der Markt das Niveau des Jahres 2001 wieder erreichen können, das bis zum Terror in den USA das beste aller Zeiten war. Zur Zeit seien die Voraussetzungen recht gut. "Die Buchungen nehmen von Woche zu Woche zu. Die große Verunsicherung ist weg. Wer jetzt noch einen Arbeitsplatz hat, zittert nicht mehr um seine Zukunft", meint Boergen. Der Geschäftsklimaindex des Münchner Ifo-Institutes zeige nach oben, die Börsen hätten sich erholt und es gebe sogar hier und dort schon wieder Einstellungen. "Das sind doch gewaltige Faktoren, dass sich die Stimmung verbessert hat."

 

Neckermann sieht Trend nach oben

In der Reisebranche heißt es, dass sich zur Zeit diese gute Stimmung vor allem bei der Thomas-Cook-Tochter Neckermann auch in Zahlen niederschlägt. "Wir haben bei Neckermann ganz gute Zuwachsraten bei den Sommerbuchungen, die sich sehen lassen können", heißt es in der Thomas-Cook-Zentrale in Oberursel. Bei den anderen Veranstaltern lasse sich ein eindeutiger Trend nach oben noch nicht erkennen, heißt es in Branchenkreisen. Es gebe zwar immer wieder Wochen, in denen gute Zuwächse verzeichnet werden. Dass die Wende geschafft sei, davon könne noch keine Rede sein. Allerdings sei "eine Menge Bewegung" im Markt.

'Balkonien' wegen Olympia

Dass es in diesem Jahr mit der Reisebranche wieder richtig aufwärts geht, glaub auch das BAT Freizeit-Forschungsinstitut in Hamburg nicht. Die Reisefreudigkeit sank einer Mitte Februar präsentierten Studie zufolge auf den niedrigsten Wert seit 13 Jahren. Wegen schmaler Geldbeutel wollen nur noch 42 Prozent der Deutschen auf jeden Fall verreisen. Außerdem reisen die Urlauber immer kürzer, was massiv auf die Umsätze drückt. Zudem werden viele wegen der Olympischen Spiele in Athen und der Fußball-Europameisterschaft in Portugal daheim bleiben.

 

Unglückliche Ferienplanung der Bundesländer

Oder weil die potenziellen Reisenden keine Unterkunft in den Ferien mehr bekommen. Auch 2004 haben die Länder Bayern, Baden- Württemberg und Nordrhein-Westfalen nahezu zeitgleich Sommerferien. "Die Betten, die die Veranstalter im August drei Mal verkaufen könnten, werden im Juni und Juli leer bleiben", meint BTW-Sprecher Boergen.

Hartwig von Saß / DPA