Siemens-Mobilfunk Bauarbeiten noch bis 2006

Die defizitäre Siemens-Mobilfunksparte soll nach Willen ihres neuen Chefs Lothar Pauly 2006 wieder "richtiges Geld verdienen". Seine Strategie in Schlagwörtern: Innovation, Service und Personalabbau.

Die Gerüchteküche um die Zukunft der Siemens-Mobilfunksparte brodelte lang und von nicht weniger als Verkauf oder gar Einstellung war die Rede. Dass der Münchener Elektronikriese aber noch mindestens drei Jahre lang Handys zu bauen plant, ist spätestens seit Mittwoch gewiss: Siemens Mobile hat bekannt gegeben, dem FC Bayern München bis 2007 als so genannter Premium-Sponsor erhalten zu bleiben.

Tags zuvor hatte sich der designierte Spartenchef, Lothar Pauly, erstmals zu den genauen Sanierungsplänen des defizitären Handy-Geschäfts geäußert. Nach der Fusion von Handy- und Festnetzsparte zum 1. Oktober dieses Jahres möchte Pauly wieder "richtig Geld verdienen", nach der Sanierung, die nach maximal 18 Monate erste Früchte tragen soll. Im Zusammenwachsen von Festnetz und Mobilfunk sieht Pauly großes Wachstumspotenzial, auch wenn es nach seiner Auskunft noch "einige Baustellen" zu beseitigen gebe.

Der Handy-Markt wächst auf moderatem Niveau

"Die strukturelle Krise der Telekommunikation ist überstanden", sagte Pauly und der Markt wachse wieder, wenn auch "auf moderatem Niveau". Um dort wieder mitmischen zu können, will Siemens nach eigener Auskunft "durch Innovationen differenzieren". So soll künftig nur ein Gerät reichen, um unterwegs, zu Hause oder im Büro zu telefonieren und E-Mails abzurufen. Für Nutzer "ist es auf Dauer unzumutbar, dass jeder mit mehreren Kommunikationsgeräten rumläuft". Die Münchener wollen in der zweiten Jahreshälfte vier neue Handy-Modelle in jeweils mehreren Ausführungen auf den Markt bringen. Dem anhaltenden Preisdruck werde Siemens durch hochpreisige Geräte standhalten, so Pauly.

Außerdem plant er, den neuen Bereich, "Communcations" genannt, zunehmend auf Service zu trimmen. Denn "der Service ist bisher ein Mitläufer-Produkt gewesen", so Pauly. Bislang macht der Service rund 3,5 Milliarden Euro des Gesamtumsatzes der beiden Bereiche in Höhe von 17 Milliarden Euro aus.

Als Sparmaßnahmen hat Pauly vor allem Entlassungen angekündigt. Nach der Zusammenlegung sollen Jobs in Stabstellen wie Rechnungswesen oder Personalabteilung wegfallen. Genauere Angaben könnten aber erst gemacht werden, wenn das Budget für den neuen Bereich im Herbst aufgestellt sei. Insgesamt arbeiten in den zentralen Einheiten 1600 Beschäftigte, die meisten davon in Deutschland.

Alles in allem konnte Siemens seine Umsätze im Handy-Bereich nicht steigern. "Andere sind aber sehr viel stärker geschrumpft, als wir geschrumpft sind", so Pauly. Im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2003/04 hatte Siemens im Handy-Geschäft seinen Verlust ausgeweitet. Das Unternehmen selbst hatte dies unter anderem auf den anhaltenden Preiskampf in der Branche zurückgeführt. (DPA, AP)

DPA

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