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Steiff-Teddys: Wie man einen Freund herstellt

Vor knapp 125 Jahren wurde die Firma Steiff gegründet. Seitdem hat sich der legendäre Teddybär vom Ladenhüter zum weltweiten Renner entwickelt. Was kaum jemand weiß: Der Urahn des Teddy war ein Elefant.

Der Urahn des Teddybären ist eigentlich ein Elefant. Die Schneiderin Margarete Steiff aus dem schwäbischen Giengen an der Brenz fertigte 1880 ein kleines Nadelkissen in Form eines Filzelefanten - ein Weihnachtsgeschenk für ihre Schwägerin. Doch schnell entwickelte sich das Tierchen zum beliebten Spielzeug bei Margaretes Neffen und Nichten. Und auch die anderen Kinder in der Ledergasse wollten ein "Elefäntle" haben. Vier Generationen später tummeln sich Steiff-Tiere in Kinderzimmern auf der ganzen Welt, die kuschligen Kultobjekte werden von Kindern geliebt und von Erwachsenen gesammelt.

Niemand rechnete mit dem Erfolg

Mit diesem Erfolg hätte damals niemand gerechnet, sagt Friedhelm Steiff über die harte Arbeit und den zähen Willen seiner Großtante Margarete. Die Firmengründerin war von klein auf an den Rollstuhl gefesselt, ihren rechten Arm konnte sie kaum belasten. Dennoch lernte sie Zitherspielen und gab Unterricht. Mit dem ersten selbst verdienten Geld kaufte sie eine Nähmaschine und eröffnete ein Filzwarenkonfektionsgeschäft. Als die Nachfrage nach dem "Elefäntle" immer größer wurde, erkannte Margaretes Bruder die wirtschaftliche Chance. Affen, Esel, Kamele und andere Tierarten wurden hergestellt. 1893 erwirtschaftete die Firma mit vier Mitarbeiterinnen und zehn Heimnäherinnen bereits einen Umsatz von 40.000 Mark.

Haben/hatten Sie auch einen Teddybären?

Namensgeber war ein US-Präsident

Vom Bären wollte Margarete Steiff anfangs nichts wissen. Ihr Neffe Richard hatte nach Zeichnungen aus dem Stuttgarter Zoo 1902 einen Bären angefertigt und so lange am Muster gearbeitet, bis auch die Tante überzeugt war. Doch das Stofftier namens "55 PB" (55 Zentimeter hoch, Plüsch, beweglich) ließ sich nur schwer verkaufen. Auf der Leipziger Frühjahrsmesse wurde der Bär bereits wieder eingepackt, als ein Amerikaner auf der Suche nach einem neuen Spielzeug gleich 3.000 Stück bestellte. Den Namen erhielt der Bär von US-Präsident Theodore Roosevelt, genannt Teddy. Dieser weigerte sich 1902 auf einem Jagdausflug, einen angebundenen Jungbären zu erschießen, woraufhin er auf einer Karikatur mit einem kleinen Bären zu sehen war. Der Bärenboom begann.

Qualitätsphilosophie gilt noch heute

Heute gilt beim Unternehmen Steiff, das komplett in Familienbesitz ist, noch immer Margaretes Motto: "Für Kinder ist das Beste gerade gut genug." Die Familie habe vom ersten Tag an stets auf erstklassige Qualität geachtet, betont Friedhelm Steiff, Vorsitzender des Firmenbeirats und früher selbst Geschäftsführer. Mohair und Plüsch werden hauptsächlich verarbeitet, Materialien und Farben sind ungiftig, schwer entflammbar und meist waschbar. Die Figuren seien mit so viel Liebe gefertigt, wie Kinder später dem "Freund für’s Leben" entgegen brächten, sagt Steiff.

Prädikatsmerkmal: 'Knopf im Ohr'

Produziert wird hauptsächlich in der Stammfabrik in Giengen. Je nach Figur sind rund 30 Arbeitsschritte nötig. Nähen, stopfen, sticken oder bemalen - das Meiste wird in Handarbeit erledigt. Und schließlich wird jede der rund 1,5 Millionen Figuren, die das Werk jährlich verlassen, streng kontrolliert: Schielt sie? Sitzen alle Nähte? Bewegen sich Arme und Beine richtig? Erst dann gibt es den "Knopf im Ohr", der seit 1904 das Markenzeichen von Steiff ist und heute laut Studien einen Bekanntheitsgrad von über 90 Prozent hat.

15.000 Teddy-Modelle

Mehr als 800 verschiedene Figuren hat Steiff im Sortiment - von wenigen Zentimetern bis zu rund 3,50 Metern Größe. Vom Teddybär entstanden über die Jahrzehnte mehr als 15.000 Modelle. "Von den 120 Jahre alten Erfindungen bei der Gestaltung der Schnitte lebt die Firma heute noch", erläutert Friedhelm Steiff.

Alte Teddys erzielen Rekordsummen

Die Firma mit knapp 1.000 Mitarbeitern erwirtschaftete 2002 einen Gewinn von fünf Millionen Euro. Vom Umsatz von 106 Millionen Euro stammt mehr als die Hälfte aus dem Ausland. Großbritannien, USA und Japan sind die wichtigsten Exportmärkte. Auf der ganzen Welt gibt es Steiff-Clubs, deren Mitgliedern Sonderanfertigungen angeboten werden. Der Klassiker Teddy erzielte bei Versteigerungen immer wieder Rekordsummen: Im Jahr 2000 zahlte etwa der japanische Sammler Jesse Kim fast 215.000 Euro für einen Steiff-Bären.

Irene Preisinger / DPA
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