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Eisbär-Marketing: Flocke wird "versilbärt"

Die Stadt Nürnberg überlegt derzeit, wie man Eisbärbaby Flocke am besten in klingende Münze umsetzen könnte. Als Plüschtier? Sowieso. Der Bürgermeister denkt an noch ganz andere Darreichungsformen für das kleine Knuddeltier.

Von Christian Gressner

Besser hätte es Flocke kaum treffen können: Die kleine Eisbärin öffnet ihre Augen just zwei Wochen vor der Nürnberger Spielwarenmesse, die in Branchenkreisen den gleichen Stellenwert hat, wie die Frankfurter Messe für die Bücherwelt.

Stofftier-Spezialist Margarete Steiff hat sich schon mal warm gemacht für Flocke. Der Branchenprimus konnte bereits Erfahrungen bei der Vermarktung des Berliner Eisbären Knut sammeln. In Nürnberg wurde das Unternehmen schon vorstellig. "Wir sind in Gesprächen mit dem Zoo und an einer Zusammenarbeit sehr interessiert", sagt eine Sprecherin. Auch der Tiergarten sei nicht abgeneigt. Die Vermarktung könne in "eine ähnliche Richtung gehen wie bei Knut". Bei dem Berliner Bären hatte Steiff in Kooperation mit dem Zoo sieben Eisbär-Varianten aus Stoff auf den Markt gebracht. Einer wurde ausschließlich im Zoo verkauft, sechs weitere Ausgaben - zum Teil sitzend, stehend, aus Alpaka-Wolle oder als Anhänger für den Weihnachtsbaum - waren auch außerhalb des Zoos erhältlich. 80.000 Knut-Exemplare hat Steiff inzwischen an den Mann gebracht, über den genauen Umsatz will das Unternehmen keine Auskunft geben. Doch bei Preisen zwischen 19,95 und 199 Euro pro Bär war Knut sicher kein schlechtes Geschäft.

Bei der Stadt Nürnberg, die über die Vermarktung von Flocke entscheidet, hat nicht nur Steiff angeklopft. "Es gibt insgesamt schon mehr als 100 ernstzunehmende Marketingangebote", sagt die städtische Pressesprecherin Alexandra Foghammar. Heute treffen sich erneut Vertreter des Presse- und des Bürgermeisteramtes sowie Markenrechtler, um das weitere Vorgehen der Stadt in Sachen Flocke zu besprechen. Dabei werde überlegt, "was die Ziele der Stadt und des Tiergartens sind und welche Wege man bei der Vermarktung geht, so Foghammar. Dabei geht es auch um ethische und ökologische Maßstäbe.

Laut Oberbürgermeister Dr. Ulrich Maly will die Stadt Nürnberg die Popularität von Flocke durchaus nutzen. Neben Flocke-Plüschtieren könnte es unter anderem auch passende Schlüsselanhänger, Rucksäcke, Regenschirme, Tassen, Bettwäsche, Stifte und Mützen geben. "Wir wollen für unseren Tiergarten dabei das Beste, aber nicht unbedingt das Maximale", betont Maly. Im Mittelpunkt stehe das Wohl des Tieres.

Erfreut, aber unaufgeregt

Bürgermeister Horst Förther, verantwortlich für den städtischen Zoo, ergänzt: "Wir streben durchaus an, mit der Marke ‚Eisbär Flocke' Erlöse zu erzielen, die dem Tiergarten Nürnberg und seinen Zielen zugute kommen. Dabei sind wir zuversichtlich, dass wir mit verschiedenen Partnern zu einem guten Ergebnis kommen." Wie wichtig die Vermarktung der Stadt ist, zeigte sich auch bei der Namensvergabe: 40 Vorschläge wurden patentrechtlich geprüft, bevor man sich für "Flocke" entschied.

Bei den Herstellern in der traditionsreichen Spielwarenstadt Nürnberg nimmt man Flocke unterdessen erfreut, aber unaufgeregt zur Kenntnis. "Wir bringen Anfang Februar zufällig eine Tierpflegestation auf den Markt", sagt Gisela Kupiak, Sprecherin des Playmobil-Konzerns, der seinen Hauptsitz vor den Toren Nürnbergs in Zirndorf hat. Zu der Station - komplett mit Milchflasche und Schnuller - gehören eigentlich Ponies und Ziegen mit Verbänden an den Beinen. Doch die Playmobil-Eisbären und ihre Jungen, die es schon seit Jahren im Sortiment gibt, könnten die Kinder natürlich auch in die Pflegestation stecken. Eine spezielle Vermarktung mit Blick auf Flocke hat Playmobil jedoch nicht geplant.

Eisbären nach vorn

"Die Eisbären, die es gibt, werden bei der Spielwarenmesse sicher in den Vordergrund gerückt", sagt Kyra Mende, Pressereferentin eben dieser Messe, die vom 7. bis 12. Februar in Nürnberg stattfindet. Aber dass die Hersteller ihr Sortiment verändern, glaubt sie "eher nicht". "Die Mehrzahl wird dem Motto der diesjährigen Messe "Spielend Lernen" treu bleiben, "weil es nachhaltiger ist". Flocke trage eher dazu bei, den grundsätzlich kurzfristigen Hype des Berliner Eisbären Knut zu verlängern.

In der Zwischenzeit wächst und gedeiht das junge Eisbärenweibchen unbeeindruckt von dem Rummel. "Flocke geht es bestens", so Tierarzt Dr. Bernhard Neurohr vom Tiergarten Nürnber. Am Montag wog das Eisbärmädchen 3450 Gramm und war 48 Zentimeter groß." Als Nürnbergerin strengt man sich eben an, damit es der Spielzeugbranche gut geht.