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"Die Stunde Null": "Kein Vergleich zur Finanzkrise": Was deutsche Sparer an der Börse diesmal richtig machen

Keine Panik: Union-Investment-Chef Joachim Reinke hat die deutschen Sparer im Corona-Crash als "sehr besonnen" erlebt, viele hätten sogar Aktien zugekauft. Im Podcast erklärt Reinke außerdem, was er Anlegern nun rät.

Die deutschen Anleger haben während des historischen Einbruchs der Märkte im Frühjahr offenbar gelassener reagiert als in früheren Krisen. "Wir haben im Vergleich zur Finanzkrise eine völlig andere Situation die deutschen Anleger waren sehr besonnen und haben langfristig gehandelt", sagt Hans Joachim Reinke, Vorstandsvorsitzender von Union Investment, im Podcast "Die Stunde Null". "Es gab keine Abflüsse, eher Zuflüsse."

Union Investment, die Investmentgesellschaft der Volks- und Raiffeisenbanken, spürte das auch in den Zahlen: Knapp 300.000 neue Sparverträge kann die Gesellschaft laut Reinke seit Jahresbeginn verzeichnen. "Das Interessante ist, dass viele junge Sparer dabei waren – rund 45 Prozent sind unter 35 Jahre", berichtet Reinke. Und auch viele neue Sparer: Gut jeder zweite Sparvertrag wurde von Menschen abgeschlossen, die zuvor nicht in Fonds gespart hatten.

"Die Leute haben einen langfristigen Blick"

In vergangenen Krisen hatten die deutschen Anleger oft falsch reagiert: Wenn sie Aktien oder Fonds besaßen, hatten sie sich panisch von den Papieren getrennt – und waren oft erst wieder eingestiegen, als die Märkte sich schon wieder erholt hatten. Das Thema Aktienbesitz und Aktienkultur war seit geraumer Zeit ein mühsames, trotz jahrelanger Niedrig- und Nullzinsen. Nach den Daten von Union Investment war es diesmal offenbar anders. "Die Leute sparen, und sie haben einen langfristigen Blick", sagt Reinke. Die Sparquote sei zudem von 9,7 auf 16,7 Prozent gestiegen und sei damit fast schon in einem "erratischen Zustand".

Die Heftigkeit des Einbruchs im März hat auch Reinke, der seit Ende der 1980er an den Finanzmärkten unterwegs ist, überrascht. Der Chef von Union Investment rechnet damit, dass sich die Wirtschaft in der zweiten Jahreshälfte erholt. Das Wachstum sei aber für die kommenden beiden Jahre begrenzt, solange kein Impfstoff gefunden sei. "So ganz optimistisch bin ich auf kurze Sicht nicht", sagt Reinke. "Denn die Kapitalmärkte werden weiter anfällig bleiben, und wir werden es mit hohen Schwankungen zu tun haben." Sein Rat an Anleger: "Durchhalten und vielleicht sogar zukaufen." Das Niedrigzinsumfeld habe sich "zementiert und ausgebreitet" – daher sei es wichtig, in Aktien anzulegen.

Wie Hans Joachim Reinke persönlich den Shutdown erlebte, warum "Social Distancing" für ihn als Rheinländer "fast Folter" ist und welche Einschätzungen er noch zu den Kapitalmärkten hat, hören Sie in der neuen Folge von "Die Stunde Null" direkt bei Audio Now, Apple oder Spotify oder via Google.

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