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Test: Wie gut beraten die Apotheken wirklich?

"Bitte ein Antidepressivum und dazu ein alkoholhaltiges Stärkungsmittel." Jeder verantwortungsbewusste Apotheker müsste sagen: Geht nicht! Was Testkäufer des stern erlebten.

Mit einem Rezept für das verschreibungspflichtige Antidepressivum Saroten besuchten die Tester vom stern sechs Apotheken in Großstädten. Zusätzlich verlangten sie ein Stärkungsmittel für den antriebsarmen Patienten. Gefragt wurde nach alkoholhaltigen Mitteln wie Buerlecithin, Doppelherz oder Aktivanad N Saft. Der Test wurde in jeder Apotheke an unterschiedlichen Tagen dreimal durchgeführt. Die Tester wollten herausfinden, ob Apotheker ihre Kunden tatsächlich ausreichend und kompetent über Risiken und Nebenwirkungen von Medikamenten aufklären. Denn: Das bei Depressionen vielfach verschriebene Medikament Saroten darf auf keinen Fall in Zusammenhang mit Alkohol eingenommen werden. Im Beipackzettel wird explizit vor der "gegenseitigen Wirkungsverstärkung" zwischen Saroten und Alkohol gewarnt. Ein kompetenter und verantwortungsvoller Apotheker hätte den Käufer unbedingt auf die Wechselwirkung aufmerksam machen und optimalerweise vom Kauf des alkoholhaltigen Zusatzpräparates abraten müssen.

Das Ergebnis

Nur bei zwei von insgesamt 18 Testkäufen wurde überhaupt vor einer Wechselwirkung gewarnt. Und sogar nur einmal wurde ausführlich und kompetent beraten. Auf den Hinweis, man wolle mit dem Stärkungsmittel dem Patienten etwas Gutes tun, reagierten die Apothekenmitarbeiter in der Regel nicht. 13-mal wurde ein Stärkungsmittel bedenkenlos verkauft.
Vorbildlich verhielt sich lediglich ein Münchner Apotheker. Die nachgefragte Kombination von Saroten und Klosterfrau Melissengeist ließ bei ihm die Alarmglocken schrillen: "Aber das wollen Sie doch wohl nicht gleichzeitig nehmen? Dann sind Sie nicht mehr aktionsfähig!"

Die Protokolle der Testkäufe

Köln
Das Saroten wird dem Testkäufer ausgehändigt, er sagt: "Ach ja, und dann nimmt meine Mutter noch so einen Saft - Buerlicithin, oder ?"
Die Apothekerin schaut ins Regal, "das habe ich leider nicht vorrätig, kann ich aber bestellen", ein Blick in den Computer: "Gibt es in 250 und 500 ml."
"Dann nehme ich die kleine Flasche." Danach überreicht sie den Abholschein. Darauf steht: "Ihre Apotheke - beratend in allen Gesundheitsfragen."

Hamburg


Der Testkäufer legt das Rezept vor und bittet noch um Buerlecithin. Die Apothekenhelferin: "Buerlecithin ist nicht am Lager, könnte ich aber bestellen."
"Ach, dann nehme ich Doppelherz. Das ist doch das Gleiche."
Die Apothekenhelferin murmelt etwas, widerspricht aber nicht, befragt den Computer nach Doppelherz und findet eine 750-ml-Flasche am Lager.
Der Tester: "Okay, dann nehme ich das."
Dann geht es um Saroten.
Die Apothekenhelferin: "Haben Sie das Medikament schon öfter bekommen?"
"Ich weiß es nicht genau, es ist für meinen Bruder. Ich glaube aber nicht."
Das bleibt die einzige Nachfrage. Doppelherz mit Alkohol und das Antidepressivum gehen gemeinsam über den Tresen.

Stuttgart


Die Apothekerin fragt, ob das Rezept für den Testkäufer selbst sei. "Nein, für meinen Vater."
Sie händigt Saroten aus. "Buerlecithin haben wir leider auch nicht mehr vorrätig, aber es gibt ja eine Menge ähnlicher Produkte, so zur Stärkung. Soll es flüssig oder in Drageeform sein?"
"Mein Vater nimmt schon genug Pillen." Daraufhin verkauft sie "Aktivanad N Saft" mit einem Alkoholgehalt von elf Prozent.

Leipzig


Beim ersten Besuch sind Saroten und Buerlecithin nicht vorrätig und werden bestellt. Beim zweiten Besuch wird die Testkäuferin von derselben Mitarbeiterin bedient. Sie berät nicht von sich aus. Die Testkäuferin gibt sich unsicher, liest die Informationen auf der Buerlecithin-Verpackung. "Was ist da eigentlich alles drin?"
"Ja, das ist im Grunde alles nur Natur, Lecithin und Vitamine."
"Kann mein Vater also das und Saroten zusammen nehmen?"
"Ja, das kann er."
Die Testkäuferin beim Einpacken: "Ach so, das ist ja mit Alkohol, ist das irgendwie bedenklich mit den Tabletten?"
"Nein, man trinkt ja nicht gleich die ganze Flasche."
Über dem Tresen leuchtet ein Schild mit der Aufschrift "Gut beraten".

Berlin
Der Tester hat das Saroten bestellt und gibt seinen Bestellschein ab. Die Apothekenhelferin geht ins Hinterzimmer und kommt mit dem Medikament zurück.
Der Testkäufer: "Das ist für meinen Onkel. Der möchte dazu noch Buerlecithin flüssig."
"Oh, da muss ich mal schauen, ob wir das da haben. Sie kriegen das aber auch in einer Drogerie oder in einem Reformhaus." Sie geht ins Hinterzimmer, schaut nach und bedauert. "Haben wir nicht da. Wissen Sie, das wird wenig nachgefragt, weil Sie das in der Drogerie günstiger bekommen."

München


Der Apotheker hat nichts gegen den gleichzeitigen Kauf von Saroten und einer Flasche Buerlecithin flüssig (500 ml) mit 16,4 Prozent Alkohol.
Die Testkäuferin: "Kann ich das zusammen einnehmen?"
"Ja, stört nicht."
"Und wie viel etwa?"
"Zwei Stamperl am Tag."
Zwei Tage später in derselben Apotheke. Ein anderer Apotheker nimmt das Saroten-Rezept, ordert und sieht, dass die Testkäuferin auch eine Flasche "Klosterfrau Melissengeist" haben will. Seine Frage: "Aber das wollen Sie doch wohl nicht gleichzeitig nehmen?"
"Warum nicht? Liest sich doch gut: gegen Nervosität und eine Menge anderer Beschwerden. Kann ich auf jeden Fall gebrauchen."
"Aber das ist hochprozentiger Alkohol mit ein paar Kräutern drin. Gucken Sie mal: 79 Prozent." Er zeigt auf die Inhaltsangabe auf der Packung. "Wenn Sie das gleichzeitig nehmen, sind Sie nicht mehr aktionsfähig. Das ist hochgradiger Schnaps."

Das Urteil des Experten

So bewertet Professor Gerd Glaeske, Zentrum für Sozialpolitik der Universität Bremen, Schwerpunkt Arzneimittelforschung, den Test: "Die Beratung war mit wenigen Ausnahmen eindeutig mangelhaft. Dass ein zentralwirksames Mittel wie das Antidepressivum nicht zusammen mit Alkohol eingenommen werden darf, sollten Pharmaziestudenten vom ersten Semester an wissen. Dieses Mittel ohne Hinweis auf Wechselwirkungen zusammen mit einem alkoholhaltigen Stärkungsmittel zu verkaufen ist verantwortungslos. Die Patienten sollten zumindest davon ausgehen dürfen, dass Apotheker auf die Informationen im Beipackzettel hinweisen und damit wie in diesem Fall die Arzneimittelsicherheit verbessern. Hier wurde offensichtlich nur nach Verkaufsinteresse gehandelt. Von Beratung, auf die Apotheker in ihrer öffentlichen Selbstdarstellung so viel Wert legen, keine Spur."

Die Antwort der Apotheker

Dr. Christiane Eckert-Lill von der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) bewertet den Test so: "Würde der vom stern durchgeführte Apothekentest repräsentativ sein, wäre dies kein gutes Zeugnis für die deutschen Apotheken. Es wurden aber nur sechs von knapp 21.400 Apotheken in Deutschland getestet, sodass ein Rückschluss, in den Apotheken würde allgemein nicht beraten, sicher nicht zutreffend ist. Die Berufsorganisationen haben auch umfangreiche Konzepte zur Information und Beratung entwickelt, die bei den Apothekern auf große Akzeptanz stoßen. Außerdem ist anzumerken: Viele Stärkungsmittel haben eine Zulassung als so genannte traditionelle Arzneimittel durch die zuständige Behörde, das heißt, sie erfüllen die Auflagen des Gesetzgebers hinsichtlich Qualität, Wirksamkeit und Unbedenklichkeit. Mit Ausnahme des Präparates "Klosterfrau Melissengeist" ist der Alkoholgehalt der angeführten Präparate relativ gering. Bei sachgerechter Anwendung, das heißt kleinen Mengen, ist daher in der Regel mit relevanten Risiken nicht zu rechnen. Dies sollte aber immer im Einzelfall abgeklärt werden.

In allen Fällen, in denen ein Apothekenkunde den Eindruck hat, nicht sachgerecht beraten zu werden, empfehlen wir einen Wechsel in eine Apotheke, in der er sich kompetent beraten fühlt."

Mitarbeit: Klaus Bartels, Sikka Kayacik, Gesine Kulcke, Ingrid Lorbach, Werner Mathes, Torsten Meise, Franziska Reich, Mathias Rittgerodt, Sven Rohde, Detlef Schmalenberg, Katrin Seybold, Benno Stieber, Susanne Witzel, Brigitte Zander

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kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(