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Altersvorsorge: Zur Kasse, Rentner!

Auf immer mehr Nebeneinkünfte müssen jetzt volle Beiträge an die Krankenkassen gezahlt werden - auch Direktversicherungen sind betroffen

Mit einem unauffälligen Detail der Gesundheitsreform bringt Ministerin Ulla Schmidt (SPD) die Finanzplanung von vielen Rentnern durcheinander: Wer die Leistung seiner Direktversicherung oder Pensionskasse auf einen Schlag ausbezahlt bekommt, muss davon ab sofort den vollen Krankenkassenbeitrag abführen. Zwar wird der Zusatzbeitrag über zehn Jahre gestreckt, doch anders als von vielen geplant, kann der Geldsegen am Ende des Berufslebens nicht mehr in voller Höhe genutzt werden, um zum Beispiel die Restschuld auf das eigene Häuschen abzutragen. Nicht betroffen von den Änderungen sind privat Krankenversicherte.

Die Verluste für den Sparer sind erheblich: Die Kasse verfährt so, als würde der Versicherte 120 Monate lang je 0,833 Prozent der Zahlung erhalten. Wer also 100.000 Euro bekommt, dem werden monatlich 833 Euro als Einkommen angerechnet. Bei einem Beitragssatz von 14 Prozent steigt die monatliche Überweisung an die Krankenkasse um stolze 117 Euro.

Betriebsrentner trifft es sogar doppelt

Rentner, die zusätzlich noch eine Betriebsrente erhalten oder als Selbstständige arbeiten, zahlen doppelt drauf: Denn auf solche Einkünfte wird künftig der volle Kassenbeitrag statt wie bisher der halbe erhoben. Bei der gesetzlichen Rente bleibt es dagegen - zumindest bis zur nächsten Reform - beim halben Beitrag.

Ruheständler, die sich freiwillig für eine gesetzliche Krankenkasse entschieden haben, müssen noch eine weitere, verdeckte Beitragserhöhung hinnehmen. Sie zahlen bislang einen leicht ermäßigten Beitrag auf alle ihre Einnahmen - künftig gilt für Rente, Versorgungsbezüge und Arbeitseinkommen der normale Satz.

Selber auf die Beitragsbemessungsgrenzen achten

Dabei gilt natürlich auch für alle Rentner, dass sie bei hohen Einkünften nur auf den Teil unterhalb der so genannten Beitragsbemessungsgrenze den Kassenbeitrag zahlen müssen. Diese Beitragsbemessungsgrenze steigt im neuen Jahr von 3450 Euro auf 3487,50 Euro im Monat. Im Gegensatz zu den übrigen Versicherten müssen wohlhabende Rentner aber gegebenenfalls einen Antrag stellen, um einen überhöhten Beitrag zu vermeiden: Denn zunächst werden sowohl von der Rente als auch von anderen Einnahmen bis zur Höchstgrenze Beiträge kassiert; im Extremfall also bis zum doppelten Maximalbeitrag - und erst dann erstattet die Kasse, was zu viel gezahlt wurde. Die Neuregelungen bei den Versorgungsbezügen sollen den gesetzlichen Krankenkassen 1,6 Milliarden Euro im Jahr zusätzliche Einnahmen bringen, so die Kalkulation des Gesundheitsministeriums.

Rechtlicher Streit droht

Schmidts Beamte preisen den Griff in die Taschen der Rentner als Gebot von Gerechtigkeit und Solidarität. Schließlich müsse die Höhe des Beitrags von der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit abhängen. Zudem hätten die Rentner noch vor 30 Jahren gut 70 Prozent der Kosten für ihre Gesundheitsversorgung selbst aufgebracht, heute seien es gerade noch 43 Prozent.

Damit die neuen Beiträge auch tatsächlich gezahlt werden, müssen Lebensversicherer die Auszahlungen an gesetzlich Krankenversicherte künftig den Kassen melden. Kassenbeiträge fallen dann auf Auszahlungen an, die der Alters- beziehungsweise Hinterbliebenenversorgung dienen. Wer genau davon betroffen sein wird, war nach Einschätzung des Gesamtverbandes der Versicherungswirtschaft Ende Dezember noch unklar. Ein Sprecher erwartete, dass die Neuregelung noch für Ärger sorgen wird: "Da gibt es unterschiedliche rechtliche Auffassungen." Der Sozialverband VdK, die Lobby der Rentner, lässt bereits prüfen, ob es eine Chance gibt, die zusätzlichen Belastungen durch das Verfassungsgericht zu stoppen.

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