Gesundheitsreform Gut 1,8 Millionen Versicherte von Zuzahlungen befreit


Sechs Monate nach Beginn der Gesundheitsreform müssen gut 1,8 Millionen gesetzlich Krankenversicherte weder Praxisgebühr entrichten noch für Medikamente zuzahlen.

Dies ergab eine Umfrage der "Bild"-Zeitung (Freitagausgabe) unter den Krankenkassen AOK, Barmer Ersatzkasse, DAK, Techniker sowie den Bundesverbänden von BKK und IKK. Die Betroffenen müssen weder Praxisgebühr entrichten noch für Medikamente zuzahlen, weil sie schon jetzt die Grenze von maximal zwei Prozent des jährlichen Bruttoeinkommens überschritten haben.

Ärzte protestieren gegen Bürgerversicherung

Unterdessen protestierte die deutsche Ärzteschaft gegen die SPD-Pläne für eine Bürgerversicherung. Der Chef des Hartmannbundes, Hans-Jürgen Thomas, sagte der "Berliner Zeitung", viele Ärzte würden durch die geplanten Maßnahmen in ihrer Existenz gefährdet. "Wenn die SPD an ihren Plänen zur Bürgerversicherung festhält, muss sie sich auf massiven Widerstand der Ärzteschaft einstellen." Auch bei den kassenärztlichen Vereinigungen stoßen die SPD-Pläne auf massive Kritik. "Die SPD wird mit ihren Plänen scheitern", prophezeite Leonhard Hansen, Vize-Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung der "Berliner Zeitung".

Mit der Bürgerversicherung will die SPD alle Erwerbstätigen in einer Art der Krankenversicherung zusammenfassen. Auch Beamte Selbstständige und Besserverdienende, die bisher privat versichert sind, würden darunter fallen. Für viele Ärzte würde dies einen erheblichen Einkommensverlust bedeuten, weil sie für Privatpatienten deutlich höhere Honorare abrechnen dürfen. Eine SPD-Arbeitsgruppe will die Eckpunkte der Reform bis zum Herbst erarbeiten.

Privatpatienten Wechsel erleichtern

Nach Informationen des "Handelsblatts" aus der Arbeitsgruppe will die SPD ihr Konzept so ausgestalten, dass ein Wechsel in die neue Bürgerversicherung auch für Beamte, Selbstständige und Besserverdiener interessant wird, die derzeit privat versichert sind. Privatversicherte sollen nach den derzeitigen Überlegungen in der von der Parteilinken Andrea Nahles geführten Arbeitsgruppe bei einem Wechsel die für sie bei ihrem privaten Versicherungsunternehmen angesparten Altersrückstellungen mitnehmen können. Das Kapital soll ihnen im Rentenalter als Leibrente ausgezahlt werden.

Ursprüngliche Überlegungen, privat versicherte Beamte und Selbstständige in einem Schritt in die Bürgerversicherung zu überführen", wurden laut "Handelsblatt" aus verfassungsrechtlichen Grünen fallen gelassen. (AP)

DPA

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