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Gesetzliche Krankenversicherung: Diese Änderungen sind wichtig für Kassenpatienten

Einiges ist schon seit Jahresbeginn neu, weitere Änderungen hat die Große Koalition fest im Blick: Die wichtigsten Änderungen in der gesetzlichen Krankenversicherung im Überblick.

Von Anna Gentrup

Die elektronische Gesundheitskarte mit Foto ist seit 1. Januar Pflicht

Die elektronische Gesundheitskarte mit Foto ist seit 1. Januar Pflicht

Das Jahr 2014 begann für die Krankenversicherung mit vielen Veränderungen. Die alte Bundesregierung verabschiedete sich mit letzten Beschlüssen, die zum 1. Januar in Kraft traten. Und die neue scharrt schon mit den Hufen: Ankündigungen aus dem Koalitionsvertrag machen deutlich, wie sich die große Koalition die gesetzliche Krankenversicherung vorstellt. stern.de hat zusammengestellt, was neu ist und welche weiteren Änderungen auf Kassenpatienten zukommen.

Der Beitragssatz dürfte sinken...

Der Beitragssatz liegt derzeit bei 15,5 Prozent. Arbeitgeber zahlen davon 7,3 Prozent, Arbeitnehmer sowie Rentner übernehmen die übrigen 8,2 Prozent.

Ab dem Jahr 2015 soll der Beitragssatz für die gesetzliche Krankenversicherung von 15,5 Prozent auf 14,6 Prozent sinken. Den neuen Satz sollen Arbeitgeber und Arbeitnehmer jeweils zur Hälfte leisten. Es entfällt der Sonderbeitrag von 0,9 Prozent, den aktuell allein die Versicherten zahlen müssen. Dadurch verlieren die gesetzlichen Krankenkassen wichtige Einnahmen. "Durch die Absenkung nehmen die Krankenkassen dann insgesamt gut neun Milliarden Euro weniger ein", sagt Florian Lanz, Sprecher vom Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherer (GKV). Diese Finanzlücke könnten gesetzliche Krankenversicherer durch Zusatzbeiträge ausgleichen.

... aber Zusatzbeiträge sind wahrscheinlich

In diesem Jahr werden die gesetzlichen Krankenkassen nach Angaben von GKV-Spitzenverband und Bundesregierung vermutlich noch keine Zusatzbeiträge fordern. Die Kassen können ihre erwarteten Ausgaben von 199,6 Milliarden Euro wahrscheinlich vollständig über die zugewiesenen Mittel aus dem Gesundheitsfonds decken. Der Fonds wird aus Beiträgen der gesetzlich Krankenversicherten gespeist und unter den gesetzlichen Krankenkassen aufgeteilt. Reichen die Fonds-Einnahmen einer Krankenkasse nicht aus, kann sie Zusatzbeiträge verlangen. Pauschale Aufschläge sind dafür künftig nicht mehr erlaubt. Stattdessen dürfen die Kassen aber prozentuale Zusatzbeiträge berechnen. Versicherte müssen sie alleine tragen.

Für 2015 schätzt GKV-Verbandssprecher Lanz, dass einige Kassen Zusatzbeiträge erheben werden. So könnten sie die Finanzlücke schließen, die durch den Wegfall der 0,9 Prozent Sonderbeitrag entsteht. Der Zusatzbeitrag könnte unter, aber auch über 0,9 Prozent liegen, schätzt Lanz.

Um Zusatzbeiträge dürften Versicherte künftig kaum herum kommen. Der GKV-Spitzenverband wagt eine vorsichtigen Ausblick: "Wir halten es unter den jetzigen wirtschaftlichen und gesetzlichen Bedingungen für sehr wahrscheinlich, dass 2017 ein Großteil der Kassen einen Zusatzbeitrag erhebt", sagt der GKV-Verbandssprecher. Wie hoch er ausfallen könnte, will der Verband noch nicht schätzen. Experten vermuten, die Kassen könnten 2017 im Schnitt Zusatzbeiträge zwischen 1,5 Prozent und 1,7 Prozent verlangen.

Höhere Beiträge für Besserverdienende

Wer bisher den monatlichen Maximalbeitrag an seine Krankenkasse zahlt, muss seit Januar 2014 unter Umständen fast zehn Euro mehr leisten. Die Bundesregierung hat zum Jahreswechsel die Beitragsbemessungsgrenze der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung auf jährlich 48.600 Euro angehoben. Bisher lag die Grenze bei 47.250 Euro. Der Wert gibt an, welches Einkommen maximal zur Berechnung der Beiträge herangezogen wird. Für Einkommen oberhalb der Grenze werden keine Beiträge fällig.

Krankenversicherte, deren Jahresgehalt über der neuen Bemessungsgrenze liegt, müssen seit Januar statt 322,87 Euro, nun 332,10 Euro monatlich zahlen. Auch der Arbeitgeberanteil fällt damit höher aus: 295,65 Euro ist der neue Maximalbetrag (2013: 287,44 Euro).

Wechsel in private Krankenversicherung

Angestellte Versicherte dürfen ab einer bestimmten Einkommenshöhe in die private Krankenversicherung wechseln. Wer sich dafür von der gesetzlichen Versicherungspflicht befreien lassen möchte, darf das seit Anfang 2014 ab einem Bruttojahresgehalt von 53.550 Euro. Bisher war der Wechsel in die Privatversicherung bereits ab einem Jahreseinkommen von 52.200 möglich. Eine Sonderregelung mit niedrigerer Pflichtversicherungsgrenze gilt für Arbeitnehmer, deren Einkommen im Jahr 2002 über der damaligen Entgeltgrenze lag. Für Selbstständige und Beamte gilt die Versicherungspflichtgrenze nicht.

Familienversicherte dürfen mehr verdienen

Kostenlos mitversicherte Kinder, Ehegatten und Lebenspartner dürfen seit dem 1. Januar 2014 ein etwas höheres Einkommen haben: Sie dürfen maximal 395 Euro verdienen (2013: 385 Euro). Wer geringfügig beschäftigt ist, darf etwas mehr verdienen, ohne eine eigene Versicherung zu benötigen: Bis zu einem Monatseinkommen von 450 Euro darf der Versicherte in der Familienversicherung bleiben.

Elektronische Gesundheitskarte ist jetzt Pflicht

Seit dem 1. Januar 2014 gilt die neue elektronische Gesundheitskarte. Die Karte hilft Ärzten zu überprüfen, ob wirklich der Versicherte vor ihnen steht. Dafür enthält die Karte ein Foto des Versicherten und ein Chip gibt Auskunft über das Geschlecht. Künftig sollen Karteninhaber auf Wunsch auch andere medizinische Informationen speichern lassen können. Der Chip kann dann zum Beispiel Details über Behandlungen, Medikamente oder Allergien des Patienten enthalten.

Nach Angaben des GKV-Spitzenverbands dürfen Ärzte noch bis zum 1. Oktober 2014 die bisherige Krankenversicherungskarte akzeptieren – sie müssen es aber nicht. Wer die neue Karte beim Arztbesuch nicht dabei hat, muss innerhalb von zehn Tagen entweder die Karte oder einen Versicherungsnachweis vorzeigen. Ansonsten stellt der Arzt eine Privatrechnung aus. Diese Kosten übernimmt die Krankenkasse nur dann im Nachhinein, wenn bis zum Quartalsende eine gültige Karte vorliegt. Wer die elektronische Gesundheitskarte noch nicht hat, sollte zeitnah seine Krankenkasse kontaktieren, damit der nächste Arztbesuch nicht unnötig kompliziert wird.