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Sturmschäden: Welche Versicherung zahlt was?

Wenn der Keller überschwemmt ist, das Dach leckt oder ein umgestürzter Baum die Einfahrt blockiert, stellt sich schnell eine zentrale Frage: Welche Versicherung zahlt eigentlich für welchen Schaden?

Sommerstürme und Hitzegewitter haben es in sich: überschwemmte oder unterspülte Straßen, lecke Dächer und vollgelaufene Keller sind keine Seltenheit. Die entstandenen Schäden erreichen schnell eine Höhe von einigen zehntausend Euro. Manchmal treffen Hausbesitzer und Mieter jedoch nicht genügend Vorsorge - und das kann sich rächen. Denn fahrlässiges Handeln - wie offen gelassene Fenster - entbinden Versicherungen von ihrer Zahlungspflicht. Doch welche Versicherung übernimmt die Kosten für Sturmschäden, die ohne eigenes Verschulden entstanden sind?

Unwetterschäden

werden grundsätzlich von den Gebäude-, Hausrat- und Kaskoversicherungen abgedeckt. Ersatz gibt es aber nicht schon bei jeder stärkeren Brise. Als Sturm gilt laut den meisten Versicherungsbedingungen erst eine wetterbedingte Luftbewegung ab Windstärke acht - dabei erreicht der Wind eine Geschwindigkeit von über 61 Stundenkilometer. Ob der Wind diese Stärke erreicht hat oder nicht, lässt sich beim Deutschen Wetterdienst unter der Telefonnummer 0 69/80 62 29 12 oder unter dwd.de/wettergutachten feststellen.

Die heute übliche Wohngebäudeversicherung deckt nach Auskunft des Branchendienstes "Versicherungsnetz" alle Sturmschäden am Gebäude ab. Sie schließt Leitungswasser-, Feuer- und Hagelschäden ein. Auch Folgeschäden sind mitversichert, wenn beispielsweise durch ein abgedecktes Dach Regenwasser ins Haus eindringt und Wände, Decken oder Fliesen beschädigt. Die Versicherung übernimmt die Kosten, die der Eigentümer benötigt, um das Haus nach einem Unwetter wieder in Stand zu setzen.

Die

Hausratversicherung

kommt für Schäden an der Wohnungseinrichtung auf. Sie ersetzt neben Standardleistungen wie beispielsweise Einbruch, Brand- und Leitungswasserschäden auch Sturmschäden an Möbeln und anderen Einrichtungsgegenständen. Folgeschäden am Hausrat sind ebenfalls mitversichert, wenn das Dach durch den Sturm beschädigt oder abgedeckt wurde oder wenn der Wind ein Fenster eingedrückt hat und dadurch die Möbel beschädigt wurden. Die Glasversicherung deckt die Bruchschäden an Fenster- und Türscheiben sowie Glasdächern ab, einschließlich der Kosten für eine eventuell erforderliche Notverglasung. An stürmischen Tagen sollten allerdings Türen und Fenster immer fest verschlossen werden, da die Hausratversicherung nicht einspringt, wenn Niederschläge durch offene Fenster und Türen eindringen.

Durch die Kaskoversicherung werden alle unmittelbaren Sturm- und Hagelschäden an Autos abgedeckt. Wird das Fahrzeug beispielsweise durch umherfliegende Dachziegeln, herabstürzende Äste oder umgestürzte Bäume beschädigt, springt die Teilkaskoversicherung ein. Sie zahlt die notwendigen Reparaturen oder ersetzt im Bedarfsfall den Zeitwert des Wagens. Die Teilkasko kommt allerdings nicht für mittelbare Sturmschäden auf. Wenn beispielsweise ein unachtsamer Fahrer gegen einen vom Sturm umgestürzten Baum prallt, muss er eine Vollkaskoversicherung haben, wenn die Versicherung den Schaden ersetzen soll. Diese ersetzt Schäden, auch am eigenen Fahrzeug, die durch eigenes Verschulden entstanden sind.

Regelmäßige Dachkontrolle

Bei herabfallenden Dachziegeln nehmen Richter nach Auskunft des Branchendienstes "Versicherungsnetz" zunächst an, dass das Dach nicht gut in Schuss gehalten wurde. Für entstandene Schäden muss dann der Hauseigentümer zahlen. Doch die Haftung entfällt nach einem Urteil des Oberlandesgerichts Düsseldorf (AZ: 22 U 76/02), wenn das Dach regelmäßig kontrolliert wird. Im vorliegenden Fall konnte der Hausbesitzer nachweisen, dass er einen Dachdeckerbetrieb damit beauftragt hatte, das Dach alle drei Monate zu überprüfen. Damit sei er seiner Gebäudeunterhaltungspflicht nachgekommen, urteilten die Richter und wiesen die Schadenersatzklage eines Pkw-Halters ab.

Wichtig ist, dass Schäden so schnell wie möglich der Versicherung gemeldet werden. Um Folgeschäden zu vermeiden, sind notdürftige Reparaturen zwar erlaubt, bevor der Gutachter da war. Um aber auf Nummer sicher zu gehen, sollten vor der Reparatur Fotos von der Schadenstelle gemacht werden.

spi
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