Winterschlussverkauf Kein Rausch beim Einzelhandel


Die "Rabattitis" sei schuld, der Kunde abgestumpft - so erklärt sich der Einzelhandel das enttäuschende Ergebnis des wohl letzten Winterschlussverkaufs. Das richtige Gefühl für die Preise scheint verloren.

Der deutsche Einzelhandel hat eine trübe Bilanz des voraussichtlich letzten Winterschlussverkaufs gezogen. "Der WSV war sicher nicht berauschend", sagte Hubertus Pellengahr, Sprecher des Hauptverbands des Deutschen Einzelhandels, am Freitag der dpa in Berlin. Das Geschäft sei spürbar hinter Ausverkäufen früherer Jahre zurückgeblieben. Neben Wetterkapriolen habe sich die schon zuvor seit Wochen laufende Rabattwelle bemerkbar gemacht. "Wir gehen aber davon aus, dass ein großer Teil der Wintertextilien verkauft sein wird." Der WSV geht an diesem Samstag nach zwei Wochen zu Ende.

"Durch die Rabattitis das ganze Jahr hindurch sind die Verbraucher abgestumpft", sagte Pellengahr. Viele Kunden hätten das Gefühl für die Preise verloren. Der Höhepunkt der Rabattwelle sei aber nun überschritten. Der Handel müsse alles daran setzen, das Vertrauen in die Preise zurückzugewinnen. "Wohldosiert eingesetzt sind Rabatte ein wichtiges Instrument. Nötig sind aber das richtige Maß, der richtige Zeitpunkt und die richtige Zielgruppe." Angesichts der bevorstehenden Gesetzesänderung sei der Schlussverkauf aber auch von der Politik und Teilen des Handels "totgeredet" worden. Künftig sollen Geschäfte ihre Lager zu jeder Zeit mit Rabatten räumen können.

Das Locken war nicht leicht

Der kleinere Handelsverband BAG, der vor allem Warenhäuser und Textilgeschäfte vertritt, sprach von einem lustlos verlaufenen WSV. "Die vorjährigen Umsätze konnten nicht erreicht werden", sagte Verbandspräsident Walter Deuss.

Die Einzelhandelsverbände in den Ländern äußerten sich durchweg "enttäuscht". Selbst mit massiven Preisabschlägen von über 70 Prozent seien nur wenige Kunden in die Geschäfte zu locken gewesen, sagte der Hauptgeschäftsführer des Bayerischen Einzelhandels, Günter Gross, in München.

Die Umsätze lagen im Schnitt um acht Prozent unter dem Vorjahresniveau, sagte der Präsident des Hessischen Einzelhandelsverbandes, Frank Albrecht, in Frankfurt. An diesem Samstag würden viele Geschäfte mit weiteren Preisaktionen versuchen, die oft noch vollen Lager zu räumen.

"An die eigene Nase fassen"

Der Geschäftsführer des Handelsverbandes Sachsen (HVS), Eberhard Lucas, sagte in Dresden: "Die Ergebnisse des vergangenen Jahres konnten bei weitem nicht erreicht werden." Die "Mini-Steuerreform", die Diskussion um die Praxisgebühr und die hohe Arbeitslosigkeit seien die Ursachen für die anhaltende Kaufzurückhaltung der Kunden gewesen.

"Der Handel muss sich auch an die eigene Nase fassen. Durch die ständigen Rabatte das ganze Jahr über ist bei den Kunden eine Preisverunsicherung entstanden", sagte der Sprecher des baden-württembergischen Einzelhandelsverbands, Steffen Rommetsch.

DPA DPA

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