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27. November 2009, 12:03 Uhr

Bizarre Aufklärung per Computerspiel

In Dänemark dürfen Männer ihre Frauen grün und blau hauen - zumindest virtuell. Hinter dem Computerspiel "Hit the Bitch" steckt eine bizarre und fragwürdige Kampagne, die jetzt international Aufsehen erregt. Von Elmar Jung, Kopenhagen

Spiel, Aufklärung, Gewalt

Mit der "Hit the Bitch"-Kampange soll gegen Gewalt an Frauen aufgerufen werden© Screenshot

Jeder Schlag ein Treffer: Nach wenigen Sekunden hat das Mädchen ein blaues Auge, kleine Wunden werden größer, klaffen auseinander. Blut beginnt zu fließen. Die junge Frau flucht; ein Grund mehr, nochmals zuzuschlagen. Und je grüner und blauer ihr Antlitz wird, desto höher steigt der Punktestand des Schlagenden. Willkommen bei "Hit the Bitch"! (Video des Games) Bei diesem Spiel können sich dänische Männer von der "Pussy" zum "Gangsta" hocharbeiten. Ein Gangsta, so viel wird schnell klar, zeigt seiner Frau unmissverständlich, wann sie die Klappe zu halten hat. Irgendwann liegt das Mädchen schluchzend am Boden. Dann heißt es plötzlich: "Du Idiot! Du hattest das Spiel schon verloren, ehe du zum ersten Schlag ausgeholt hast. Gewalt gegen Frauen ist keine Lösung. Nie." Denn, wer hätte das gedacht, bei dem Spiel handelt es sich um einen Aufruf zur Gewaltlosigkeit.

Erst seit einer knappen Woche ist die Seite hitthebitch.dk online, doch schon 600.000 Nutzer haben sie besucht. Hinter der grotesken Kampagne steckt der Verband "Kinder und Jugendliche in gewaltgeprägten Familien". Dort freut man sich wahrscheinlich über die große Resonanz. Ansonsten jedoch ruft das virtuelle Verprügeln der eigenen Freundin eher Kopfschütteln hervor. "Was in Gottes Namen läuft bloß verkehrt bei den Dänen?", fragt ein Amerikaner im sozialen Netzwerk Twitter.

Auf der Suche nach einem Vater

Schon vor einigen Wochen hatte Dänemark mit einer zweifelhaften Marketingstrategie für Aufsehen gesorgt. Damals suchte auf der Videoplattform Youtube eine Mutter nach dem Vater ihres Kindes, das nach einem One-Night-Stand entstanden sein soll. Dänemark ist ein offenes Land, in dem Frauen ein selbstbestimmtes Leben führen können, wollte die staatliche dänische Tourismusorganisation Visitdenmark damit sagen. Dänemark ist ein Land, in dem man schnellen Sex mit blonden, gut aussehenden Frauen haben kann, war stattdessen die Botschaft, die bei vielen ankam.

Und nun wieder diese Diskrepanz zwischen Gezeigtem und Gemeintem. "Ich halte dieses Spiel für äußerst missglückt", sagt die dänische Medienforscherin Anne Mette Thorhauge. "Wenn man eine Botschaft vermitteln will, dann sollte diese verständlich sein." Auch die sozial- und familienpolitische Sprecherin der Sozialdemokraten, Mette Frederiksen, kritisiert die zweifelhaften Methoden als Grenzüberschreitung. "Man sollte die Seite vom Netz nehmen", sagt sie.

Was die Macher des Spiels nicht bedacht haben: Internetseiten sind weltweit abrufbar, die subtile Anti-Gewalt-Botschaft wird jedoch nur auf Dänisch erklärt. "Wir haben nicht damit gerechnet, dass die Seite auch von Nutzern im Ausland besucht wird", sagt Kirsten Raffel Hermansen, Vorsitzende von "Kinder und Jugendliche in gewaltgeprägten Familien". Grundsätzlich aber stehe man zu der Kampagne, auch zu deren rüdem Erscheinungsbild. Es sei die einzige Art und Weise, wie man die Zielgruppe erreichen könne. Denn das Spiel richtet sich an Männer zwischen 15 und 20 Jahren, die derbe soziale Umgangsformen gewohnt sind. Um an diese jungen Menschen heranzukommen, so sieht es wohl der Verband, müsse man sich mitten in ihre Welt begeben: Allein das Vokabular - "Bitch", "Pussy" und "Gangsta"- verdeutlicht das.

Inzwischen ist hitthebitch.dk für Internetsurfer im Ausland gesperrt. Wer jedoch in Dänemark wohnt oder den Standort seines Rechners mithilfe eines Proxyservers verschleiert, darf munter weiter seine virtuelle Freundin mit Schlägen traktieren. Dass die den Gewalttäter mitunter rehäugig anblickt und im knappen Top vor ihm steht, wird die Popularität des Spiels sicher nicht mindern. Ein Schelm, der bei so etwas Böses denkt?

Gefunden in ... ... in der Online-Ausgabe der "Financial Times Deutschland""

Von Elmar Jung, Kopenhagen
 
 
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