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10. Dezember 2008, 16:35 Uhr

So leicht lassen sich Ihre Daten klauen

Vergesst den Bundestrojaner, die Spione stecken schon in Eurer Jackentasche! Mit dieser Botschaft führt ein IT-Experte Managern vor, wie leicht ihre Handys und Laptops zu knacken sind - und verrät Abwehrstrategien. Von David Böcking

IT, IT-Sicherheit, Datenklau

Ein Einfallstor für Spione ist das eingeschaltete Bluetooth in Handys© DDP

Im ersten Moment ist es eine Enttäuschung. Die Live-Vorführung einer Online-Durchsuchung hatten die Veranstalter angekündigt. Doch statt eines BKA-Beamten mit offizieller Späh-Software erscheint ein Mann mit rundlichem Gesicht im Konferenzsaal eines Berliner Hotels. Was Tobias Schrödel in der nächsten Dreiviertelstunde vorführt, ist für die rund 60 Zuhörer dann aber kaum weniger beunruhigend, als es die Vorstellung eines amtlichen Online-Schnüfflers sein könnte.

"Hacken für Manager", lautet der Untertitel von Schrödels Vortrag. Er hält ihn auf Einladung der Berufsverbände von Anwälten, Journalisten und Ärzten - alles Professionen, die besonderen Wert auf den Schutz ihrer Daten legen. Auch zahlreiche Bundespolitiker stehen auf der Teilnehmerliste. Ihnen allen zeigt der 37-Jährige nun, wie leicht moderne Elektronik auch ohne richterlichen Beschluss ausspioniert werden kann.

Da ist zum Beispiel Bluetooth. Der Funkstandard, den inzwischen viele mobile Geräte benutzen, ist laut Schrödel äußerst anfällig für Cyber-Schnüffler. Er beweist es, indem er live das gesamte Adressbuch eines Handys auf seinen Computer lädt. Dann ruft er von dem Gerät aus die fremden Nummern an. Als nächstes zeigt Schrödel dem Publikum, wie leicht über Bluetooth-Headsets Gespräche mitgehört werden können. "Sie tragen die Wanze freiwillig am Körper", warnt er.

Schon jetzt lacht mancher im Publikum nervös auf. Doch im "Giftschränkchen der IT" hat Schrödel noch mehr entdeckt: Keycatcher, die wie ein Adapter für die Computer-Tastatur aussehen, tatsächlich aber jedes getippte Wort speichern. Vermeintlich geschwärzte Sätze in einem pdf-Dokument, die sich mit einfachem Kopieren wieder sichtbar machen lassen. Versteckte Informationen in Word-Briefen, etwa über frühere Adressaten. Oder Online-Läden, bei denen der Kunde wegen schlechter Programmierung die Rechnungssumme manipulieren kann. "Es gibt 700 Internetshops, da kann ich nach Belieben den Preis ändern", freut sich Schrödel.

Eine Chipsdose als Antenne

Der Referent gibt sich locker. Seine Vorführung garniert Schrödel mit ordentlich Herrenwitz, erläutert etwa, wie Hotelbesucher den Erotikkanal anschauen können, ohne dass es die Rezeption mitbekommt. Im Verlauf des Vortrags tauscht er seinen Anzug gegen ein "Hacker-Outfit" aus T-Shirt und Baseballkappe. Zur allgemeinen Belustigung baut er dann aus einer leeren Chipsdose eine provisorische Antenne, mit der er nach eigenen Angaben noch in ein 2,5 Kilometer entferntes WLAN-Netz einbrechen kann.

Doch bei allen Späßen sind Schrödels Botschaften ernst. "Bitte, ändern Sie ihr Passwort", appelliert er etwa an die Anwesenden. Während ein vierstelliger Zugangscode ohne Sonderzeichen in durchschnittlich zwei Sekunden geknackt sei, bräuchten Hacker für ein achtstelliges Passwort schon fast zwei, mit Sonderzeichen sogar 24 Jahre. Außerdem sollten die Begriffe nie aus dem Wörterbuch stammen - denn das hat jeder Hacker in kürzester durchprobiert. Spätestens jetzt schauen viele Zuhörer ziemlich nachdenklich drein.

Wie fatal die Folgen von Cyberkriminalität gerade für Unternehmen sein können, dürfte Schrödel von seinem eigenen Arbeitgeber wissen. Hauptberuflich ist er bei der Telekom beschäftigt, die sich zuletzt mit zahlreichen Datendiebstählen herumschlagen musste. Doch dazu möchte er sich nach seinem Vortrag nicht äußern.

Schon lieber spricht er über die Manager, an die sich seine Vorträge richten. Sind Führungskräfte eigentlich vorsichtiger, wenn es um ihre Daten geht? Schrödel grinst. "Im Gegenteil, die nehmen immer das neueste Zeugs mit aus der Firma und machen sich am wenigsten Gedanken."

Von David Böcking
 
 
KOMMENTARE (10 von 12)
 
STR_EDDS (12.12.2008, 01:11 Uhr)
@screne
*wuff* Aber mal ehrlich: die Behauptung, dass die Zahl offener W-Lans mit der niedergelassenen Bevölkerungsschicht korreliert ist doch Humbug! Was unterscheidet denn bitte den Manager der nur BWL verstehen soll, von dem russischen Karrusellbremser, welcher nur sein Karrussell bremsen kann? Nichts? Zumindest aus IT-Sicht sind beide Laien. Nur Ersterer kann sich der Dummen Zorn und Neid fast immer sicher sein. Selbst beim W-Lan.
Eisenbaer (11.12.2008, 18:59 Uhr)
So ist das Leben: eine Enttäuschung jagt die andere...
Manager, zu dieser edlen Kaste darf auch ich mich rechnen. Ich muss die Herren Dikutierenden aber schwer enttäuschen: Bei mir und meinen Kollegen und Bekannten ist alles sehr gut abgesichert. Dabei arbeite ich nur in einem Randbereich der IT...;-))
screne (11.12.2008, 17:36 Uhr)
@STR_EDDS
Uuuhh... Getroffene Hunde bellen... Nicht wahr. Übrigens: Der Anteil offener WLANs in einer Gegend ist meiner Erfahrung nach proportional zum dortigen Einkommens- und Bildungsniveau. Beim Volk. Und bei Managern spielt es keine Rolle, die haben generell zu 90% von nichts richtig Ahnung, außer von dem, was sie vielleicht mal studiert haben. Die können dann vielleicht Cash-Flow erklären oder was eine Indifferenzkurve darstellt, aber sonst...
Necros (11.12.2008, 17:03 Uhr)
Nichts Neues im Westen...
Hui, 2000 wären die Fakten neu gewesen. Lieber Kabel als WLAN, WPA2 als WPA, niemals WEP, auch am Handy Kabel statt Bluetooth, nicht mit dem Rücken zum Fenster sitzen, täglich Anschlüsse (auch an der Rückfront) checken, kryptische, möglichst lange Passwörter im Wochentakt wechseln, in Abwesenheit Station sperren, allen Kollegen die Zunge rausschneiden und Hände abhacken und fertig ist die Laube. ^^ Und wenn man all das als Einzelperson geschafft hat, wird der Server der Firma geknackt... :-) Im Ernst, eine absolute Sicherheit gibt es nicht, man sollte es eventuellen Spähern nur nicht allzu leicht machen.
Malt (11.12.2008, 16:26 Uhr)
@vegefranz
Ich werde dich daran erinnern, wenn die "rote Gefahr" an der Macht sein sollte und wie durch Geisterhand plötzlich Kinderpornos auf deinem Rechner "gefunden" werden. Manchmal hilft es auch, mal einen Schritt weiter zu denken...
STR_EDDS (11.12.2008, 15:21 Uhr)
@screne
Wie? Manager? Mal wieder ein Buzzword ausgegraben? Wenn man in Zuffenhausen mit einem W-LAN Scaner wie Kismet etc. fahren würde (!), dann bekäme man auf 500m ca. 60 (!!) ungeschützte W-LANs. Und dort leben keine "Manager" - sondern Klugscheisser, die auch hier im Stern posten. Aber solange am Dtaneklau immer die pöse Telekom, der Schäuble oder gar ein Manager schuld sein können, darf man ruhig das eigene Hirn ausschalten und mit offenem WEP-64-Schlüssel auf den verschiedenen Antifa-Seiten der Welt rumhopsen. :-)
Necro (11.12.2008, 15:14 Uhr)
Nichts neues...
...wen der gute Herr das Adressbuch eines Handys auf den Screen zaubern kann, dann hat der betreffende seine Bluettoth verbindung schlicht und ergreifend nicht abgesichert.Wenn man natuerlich so verantwortungslos ist und den Standardcode 0000 nicht abaendert, darf man sich nicht wundern.
Man sollte auch nicht so tun als koennte man mal einfach in nen WLAN-Netzwerk eindringen. Wenn dies vernuenftig verschluesselt ist, noch dazu nur bekannte Mac-Adresse zulaesst, ist mit eindringen nicht viel.
Waer allerdings die Namen der Kinder oder der liebsten oder den Klassiker Passwort als Passwort verwendet, darf sich nicht wundern.
Eins ist aber auch Fakt. So lange es Menschen gibt, die sich mit Verschluesselung beschaeftigen, wird es Leute die sich mit Entschluesselung beschaeftigen.
Eine 100% Sicherheit gibt es nicht und wird es auch nicht mit SSchaeuble geben.
Und nochmals Herr Vegefranz, wenn ein 13-jaehriger meinen PC hacken kann, so kann dieser 13-jaehrige auch Daten auf meinen PC abladen. Wie moechte den Herr SSchaeuble beweisen sollte er bei mir die Datei "Terroranschlag 12/03/2009" findet, das diese von mir ist ??
whismerh2 (11.12.2008, 13:51 Uhr)
@vege
Da wer ich aber sehr vorsichtig mit der gerichtlichen Vewertbarkeit.
Folgendes Szenario, die Linken und die SPD werden bundesweit regierende Partei, dann wird aufgrund der Verfassungssicherheit, eben dieses Gesetz in verschärfter Reform durchgesetzt, dann wird dein Rechner angezapft und man wird Deine auch wenn vergangene regierungsfeindlichen postings ausspähen.(Lügilanti,SED, Pudel etc.)
Wie lange glaubst Du, wird es dauern bis die Jungs bei Dir an der Tür klopfen und komische Fragen stellen und mit dann mit Dir spazieren gehen ???
vegefranz (11.12.2008, 13:27 Uhr)
gerichtliche Verwertung - das will ich hoffen
gerichtliche Verwertung - das will ich hoffen. Das ist ja wohl im Sinne der Bürger, wenn aufgedeckte Straftaten verfolgt werden. Man muss schon ziemlich runtergekommen sein, darin etwas Negatives zu sehen
Malt (11.12.2008, 13:00 Uhr)
Der entscheidente...
...Unterschied zwischen dem 13 Jährigen und Schäuble: Der Schäuble könnte die Daten, wenn's nach seinen feuchten Träumen ginge, gerichtlich verwerten!!! ICh finde, dass ist ein kleiner, aber feiner Unterschied!
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