Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,
tagelang beschäftigte im vergangenen Oktober das Schicksal des achtjährigen Fabian ganz Deutschland. Der Junge aus Güstrow in Mecklenburg-Vorpommern war verschwunden, nach vier Tagen fieberhafter Suche wurde seine verbrannte Leiche gefunden. Er war mit mehreren Messerstichen ermordet wurden.
Mittlerweile steht Gina H., die Ex-Freundin von Fabians Vater, in Rostock vor Gericht, sie ist wegen Mordes angeklagt. Auch dieser Prozess bewegt die Menschen. Heute soll Fabians Oma, die Mutter des Vaters, aussagen. Über die Entwicklungen berichten wir auch heute wieder im Liveblog.
Aus dem Vermisstenfall Fabian wurde ein Mordfall, die Hintergründe werden juristisch aufgearbeitet. Es gibt jedoch vereinzelt Fälle, in denen das nicht passiert. Laut Zahlen des Bundeskriminalamts (BKA) sind seit 1957 insgesamt rund 1900 Kinder bis 13 Jahre nicht wieder aufgetaucht. Im Alter zwischen 14 und 17 Jahren kommen weitere rund 2500 verschwundene Jugendliche hinzu.
Wenn vermisste Kinder nicht wieder auftauchen
Die meisten Vermisstenmeldungen erledigen sich glücklicherweise schnell. Mitunter handelt es sich um Missverständnisse, Überreaktionen, Ausreißer. Die Aufklärungsquote innerhalb eines Jahres beträgt bei vermissten Kindern 96 Prozent, bei Jugendlichen liegt sie noch höher. Nur ein sehr kleiner Teil der Fälle bleibt ungeklärt.
Und doch gibt es sie. Die Vermisstenfälle, in denen Kinder jahre-, teilweise jahrzehntelang verschwunden bleiben. Jeder einzelne davon bedeutet für die Familien eine unglaubliche Belastung. Auch nach langer Zeit finden sie keinen Abschluss, keine Schuldigen. Sie bewegen sich ständig zwischen Trauer und einem letzten kleinen Funken Hoffnung, der immer bleibt – so irrational er auch sein mag.
Laut der Hilfsorganisation Weißer Ring werden Angehörige von Langzeitvermissten durch die Ungewissheit oft krank und leiden an Schlaf- und Angststörungen, Albträumen, Depressionen, ständig kreisenden Gedanken und vor allem Schuldgefühlen.
Der älteste Fall eines vermissten Kindes stammt laut BKA aus dem Jahr 1957. Nach 30 Jahren wird die Fahndung standardmäßig eingestellt. Der prominenteste Fall in jüngerer Zeit ist wohl das Verschwinden der damals 14-jährigen Rebecca 2019. Das Mädchen verschwand aus dem Haus ihrer Schwester in Berlin. Die Polizei vermutet ein Gewaltverbrechen und verdächtigt ihren Schwager. Doch auch nach neuerlichen Suchaktionen im vergangenen Herbst gibt es keine echten Fortschritte in den Ermittlungen.
Ungeklärt ist ebenfalls das Verschwinden der fünfjährigen Inga 2015. Das Kind tauchte nach einem Waldausflug mit der Familie am Rand von Stendal nicht wieder auf. Bis heute fehlt eine echte Spur, die Polizei plant aber zeitnah eine neue Öffentlichkeitsfahndung. Auch in der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY“ soll die Bevölkerung noch einmal um Hinweise gebeten werden.
Minderjährige gelten sofort als vermisst, wenn ihr Aufenthaltsort nicht bekannt ist. Bei ihnen wird grundsätzlich von einer Gefahr für Leib und Leben ausgegangen. Eltern sollten deshalb nicht zögern, die Polizei zu alarmieren. Dennoch bemängelt die „Initiative Vermisste Kinder“, dass es oft zu lange dauere, bis die Ermittlungen mit Nachdruck aufgenommen werden. Beim Verschwinden von Kindern seien in der Regel die ersten 24 Stunden entscheidend.
Die Neuer-Wende
Große Überraschungen wird es bei der Verkündung des WM-Kaders durch Julian Nagelsmann wohl nicht mehr geben. Dafür kursierten in den vergangenen Tagen schon zu viele Namen in verschiedenen Medien. Mit einem Spieler aber hätte vor wenigen Wochen wohl noch kaum einer gerechnet: Manuel Neuer.
Der Bayern-Torwart war eigentlich vor zwei Jahren aus der Nationalmannschaft zurückgetreten, das Thema war sowohl von Seiten des 40-Jährigen als auch für den DFB erledigt. Nach dem Weltklasse-Spiel von Neuer gegen Real Madrid war die Comeback-Diskussion dann plötzlich eröffnet – obwohl mit Oliver Baumann die Nummer eins für die WM eigentlich schon feststand.
Wie sich Neuer und Nagelsmann Stück für Stück annäherten und es schließlich zur spektakulären Wende kam, erfahren Sie in diesem Text.
5-Minuten-Talk: Bundesregierung will Elterngeld kürzen
Mit 7,5 Milliarden Euro schlägt das Elterngeld im Haushalt zu Buche. Jetzt muss Familienministerin Karin Prien (CDU) kürzen, so sieht ein Kabinettsbeschluss vor. In der SPD und aus den Gewerkschaften gibt es Widerstand gegen die Reform, auch Ökonomen äußern sich kritisch.
Im heutigen 5-Minuten-Talk diskutieren unsere Politikredakteure, was das Elterngeld bewirkt hat – und wo gespart werden könnte.
Weitere Schlagzeilen im Überblick
Das passiert am Donnerstag, dem 21. Mai 2026
- Bundestrainer Julian Nagelsmann stellt auf einer Pressekonferenz um 13 Uhr seinen WM-Kader vor
- Der Bundestag entscheidet über eine mögliche Senkung der Luftverkehrsteuer. Die von der Ampel vor zwei Jahren beschlossene Erhöhung könnte rückgängig gemacht werden.
- Fußball-Bundesligist VfL Wolfsburg trifft auf den Zweitligisten SC Paderborn im Hinspiel in der Relegation. Anstoß ist um 20.30 Uhr.
Unsere stern+-Empfehlung des Tages
Paul Eastwick forscht seit zwei Jahrzehnten zu Liebe und ihrem Entstehen. Er weiß, wie Anziehung wirklich funktioniert – und warum Liebe kein Mysterium oder Schicksal ist.
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Eugen Epp