Guten Morgen, liebe Leserinnen und Leser,
wenn Kinder die Zukunft eines Landes sind, dann ist es um die deutsche Zukunft höchstens mittelmäßig bestellt. In einer internationalen Vergleichsstudie hat das Kinderhilfswerk Unicef das Wohlergehen von Kindern in den wohlhabenden Ländern der Welt untersucht. Mit dabei waren zahlreiche europäische Länder, dazu unter anderem auch Südkorea, Neuseeland und einige südamerikanische Staaten.
Deutschland kann mit dem Abschneiden nicht zufrieden sein. In dem Ranking landet die Bundesrepublik nur auf Platz 25, also im unteren Mittelfeld – so wie auch schon im vorherigen Bericht. Den Kindern hierzulande geht es also nicht per se schlecht, es ist aber viel Luft nach oben. Dass Verbesserungen möglich sind, zeigen andere Länder mit ganz ähnlichen Voraussetzungen. So stehen auf den ersten drei Plätzen drei deutsche Nachbarländer: die Niederlande ganz oben, dahinter Dänemark und Frankreich.
Niederlande und Frankreich Vorbilder beim Kindeswohl
Analysiert wurden die Faktoren körperliche Gesundheit, psychisches Wohlergehen und Bildung. Besonders schlecht steht Deutschland im Bereich Bildung da, nur 60 Prozent der 15-Jährigen erreichen die Mindestkompetenzen in Lesen und Mathematik. „Alarmierend“ nennt Unicef dieses Ergebnis. Auch die Kinderarmut in Deutschland stagniert, seit Jahren liegt sie bei 15 Prozent. Viele Eltern müssen also jeden Cent umdrehen und können ihren Kindern nicht die Möglichkeit bieten, die sie verdient hätten. Darunter leiden auch die Bildungschancen – diesen Zusammenhang belegt die Unicef-Studie einmal mehr deutlich. Körperliche und mentale Gesundheit hängen ebenfalls eng mit der finanziellen Ausstattung zusammen.
Zu denken geben sollte außerdem, dass auch in einigen Ländern mit deutlich geringerer Wirtschaftskraft Kinder insgesamt unter besseren Bedingungen aufwachsen. Beispiele sind Litauen (Platz 7), Rumänien (Platz 9) oder Ungarn (Platz 10).
Was aber machen andere Länder besser, um ihrem Nachwuchs eine glückliche Kindheit und eine gute Ausgangslage fürs Leben zu ermöglichen? Der Blick in die Niederlande zeigt, dass Kindern dort deutlich mehr Freiheit und Unabhängigkeit gewährt wird. Sie dürfen sich ausprobieren, Entscheidungen selbst treffen, auch wenn es mal wehtut. Aus diesen Rückschlägen lernen sie. Schon die ganz Kleinen lernen Fahrrad fahren, sind damit autonom unterwegs. Das Phänomen Helikoptereltern ist dort weitestgehend unbekannt. Außerdem werden in der Schule erst später Noten vergeben, stattdessen steht lange Sozialkompetenz im Vordergrund.
Experten sehen darin Gründe, warum auch in diesem Jahr die glücklichsten Kinder aus den Niederlanden kommen. In der Unicef-Studie antworteten 87 Prozent der befragten 15-Jährigen, sie seien mit ihrem Leben zufrieden. In Deutschland waren es gerade mal 66 Prozent.
Am gesündesten wiederum sind die Kinder in Frankreich – obwohl die Kinderarmutsquote dort noch ein ganzes Stück höher ist als in Deutschland. In der Unicef-Studie hat nur Japan etwas weniger übergewichtige Heranwachsende. Das ist wohl auch auf die französische Küche und Esskultur zurückzuführen: In Schule und Familien wird Wert auf qualitativ gutes Essen gelegt, das Essen wird bewusst und in Gemeinschaft zu sich genommen, Snacks zwischendurch gibt es kaum. Softdrink- und Snackautomaten sind an Schulen verboten, es gibt eine Zuckersteuer auf süße Getränke.
Bei seinen Nachbarn kann sich Deutschland also durchaus ein Beispiel nehmen. Nachholbedarf gibt es überall: in Politik, Gesellschaft, Bildung und Familien.
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