Rund eine Woche nach der Besetzung eines leerstehenden Hauses in Potsdam prüft die Stadt, ob es zu einer Räumung kommt oder andere Lösungen gefunden werden. "Eine illegale Hausbesetzung ist keine Lösung, um bezahlbaren Wohnraum für junge Menschen zu schaffen. Die Besetzerinnen und Besetzer wurden daher aufgefordert, das Gelände zu verlassen", teilte ein Sprecher der Stadt mit. Die Stadt berät über das weitere Vorgehen auch mit der Polizei.
"Wir prüfen derzeit zahlreiche Optionen, von der Räumung der illegalen Hausbesetzung bis hin zur Prüfung, unter welchen Bedingungen die illegale Besetzung beendet und zu einem offiziellen temporären Wohnprojekt werden kann." In dieser Woche solle besprochen werden, wie es weitergehen könne, so der Sprecher.
Aktion soll Zeichen gegen Wohnungsnot setzen
Mehrere Menschen hatten das Gebäude auf der Halbinsel Hermannswerder am Freitag vergangener Woche besetzt und wohnen dort. Dort war früher eine Fahrradwerkstatt untergebracht. Sie wollen mit der Aktion auf ungenutzten Wohnraum in der brandenburgischen Landeshauptstadt aufmerksam machen, die mit zu den teuersten Städten Deutschlands gehört.
OB will mehr Wohnraum schaffen
Potsdams Oberbürgermeisterin Noosha Aubel (parteilos) hatte nach ihrer Wahl im Herbst 2025 als eines ihrer ersten Projekte angekündigt, sich für mehr Wohnraum und gegen steigende Mieten einzusetzen. Vergangene Woche hatte sie das Gespräch mit den Hausbesetzern in der Tornowstraße 40 gesucht. Die Havelinsel Hermannswerder im Südwesten Potsdams ist von Natur und einer idyllischen Lage geprägt.
Hausbesetzer wollen nicht gehen
"Wir fühlen uns sehr wohl in unserem neuen Zuhause und wollen gerne hier bleiben", sagte ein Sprecher der Hausbesetzer, der sich als Alex vorstellte. Die Stadt solle mit gutem Beispiel vorangehen und keinen Wohnraum leer stehen lassen.
"Wenn die Stadt ihrer Verantwortung nicht nachkommt und bestehende Häuser bewusst spekulativ zurückhält, anstatt sie zu vermieten, dann müssen wir sie uns selbst nehmen", hieß es in einer Mitteilung auch. Inzwischen sei das Haus mit Betten, Couches, Herdplatten und Kühlschränken ausgestattet, im Garten seien Beete angelegt. Laut Sprecher sind die dort wohnenden Menschen - einige von ihnen zuvor wohnungslos - im Alter zwischen 18 bis 50 Jahren.
Stadt will Areal für Wohnungsbau entwickeln
Das Gebäude wurde bis 2023 laut Stadt als Gewerbeimmobilie genutzt und stand danach leer. Aktuell liege auch keine Baugenehmigung für eine Wohnnutzung vor, hieß es. Das Dach sei mit Wellasbestplatten eingedeckt, eine systematische Schadstoffbegutachtung habe es bisher nicht gegeben. In der Straße mit dem besetzten Haus stehen noch weitere Gebäude leer. Die Stadt teilte mit, sie wolle das Areal für den Wohnungsbau weiterentwickeln.