Surfen ohne Grenzen

8. Februar 2013, 15:31 Uhr

Ihr Wlan schwächelt kurz vor dem Schlafzimmer? Im zweiten Stock herrscht Funkstille? Das muss nicht sein: Mit diesen Tipps bringen Sie Ihr Funknetz an seine Leistungsgrenze. Von Christoph Fröhlich

Wlan, W-Lan, Reichweite, erhöhen

Viele Router haben justierbare Antennen. Damit kann die Reichweite kinderleicht erhöht werden. Doch manchmal helfen nur neue Geräte.©

Dank Wlan können Sie überall mit voller Geschwindigkeit surfen, ohne dass nervige Strippen herumliegen – das zumindest behaupten die Hersteller der Funkgeräte. Doch die Realität sieht meistens anders aus: Von den versprochenen 300 Metern Reichweite bleiben in den eigenen vier Wänden meist nur noch 20 über. Doch was kann man tun, wenn das Wlan im hintersten Zimmer streikt? Wie weit reicht die Sendeleistung des eigenen Routers? stern.de zeigt, wie Sie seine Reichweite optimieren.

Der perfekte Router-Standort

Die einfachste Möglichkeit, das heimische Funknetz auszudehnen, ist die korrekte Platzierung des Routers. Die meisten Nutzer stellen das Gerät direkt neben den DSL-Anschluss. Das ist praktisch und erspart lästiges Kabellegen, ist aber nicht immer der beste Standort. Denn der Router sollte möglichst nah an den Empfangsgeräten positioniert werden. Sind diese quer über die Wohnung verteilt, eignet sich ein zentraler, erhöhter Punkt.

Wenn möglich, sollten Möbel, Betonwände oder Metallgegenstände in unmittelbarer Nähe vermieden werden, da sie die Sendeleistung einschränken. Will man auch im zweiten Stock oder im Keller surfen, sollte der Router über beziehungsweise unter dem jeweiligen Zimmer positioniert werden.

Antennen richtig ausrichten

Doch nicht nur die Position, auch die Ausstattung des Routers hat einen großen Einfluss auf die Reichweite. Dass der 30-Euro-Router eines unbekannten Herstellers nur selten an die Leistung einer 150 Euro teuren Fritzbox herankommt, verwundert nicht. Doch auch günstige Geräte können nach ein paar Handgriffen überzeugen. Die meisten Wlan-Router sind mit beweglichen Antennen am Gehäuse ausgestattet. Ist der Empfang in weit entfernten Zimmern zu schwach, sollten Sie verschiedene Positionen durchprobieren. Hilfreich ist die sogenannte Drei-Finger-Regel: Daumen nach oben, Zeigefinger nach vorn, Mittelfinger zur Seite. So sollten auch die Antennenstäbe ausgerichtet werden, um möglichst perfekten Empfang zu gewährleisten. Denn der Sendemast strahlt die Signale im rechten Winkel ab, als würde eine CD auf dem Stab liegen.

Mit dem kostenlosen Tool "Netstumbler" können Sie überprüfen, ob sich das Ausrichten der Antenne und das Verrücken des Routers gelohnt haben. Das Programm misst jede Sekunde die Stärke des Wlan-Netzes. Je größer der Balken, desto besser ist der Empfang. Kurze rote Balken zeigen dagegen ein schwaches Signal.

Die Hardware erneuern

Jede Antenne hat ihre Grenzen. Ist die Leistung zu gering, bringt auch das Justieren nichts. Möchte man nicht gleich einen neuen Router kaufen, können auch stärkere Antennen das Problem lösen. Viele Hersteller bieten verbesserte Funkstangen zum Nachrüsten bereits für unter zehn Euro an. Allerdings verändert sich durch die größere Antenne der Abstrahlwinkel, sodass in kurzer Distanz keine Verbesserung oder sogar eine Verschlechterung auftreten könnte. Sollte der Router über mehrere Antennen verfügen, lohnt es sich aber, eine auszutauschen und so die Reichweite zu erhöhen. Bei besonders weit entfernten Zielen bietet sich eine Richtantenne an, die den Datenstrom in ein bestimmtes Zimmer bündeln kann. Ein Tipp für Bastelfans: Aus Styropor- und Kupferdrahtresten lässt sich eine billige Antennenerweiterung bauen.

Doch nicht nur beim Sender lohnt sich der Wechsel auf neue Hardware, auch beim Empfänger kann eine bessere Antenne den Datendurchsatz erhöhen: Desktop-Computer mit eingebauter Wlan-Karte können mit einer externen Antenne den Empfang deutlich verbessern. Zählt die Wlan-Karte bereits zu den betagteren Rechnerkomponenten, sollte eventuell auch diese erneuert werden.

Repeater erhöhen die Reichweite

Wer keine Lust hat, mit verschiedenen Antennen herumzuexperimentieren, sollte einen Repeater ausprobieren: Die oftmals nur faustgroßen Geräte eignen sich auch für weniger versierte Nutzer und müssen einfach in die Steckdose gesteckt werden. Konfiguriert werden die Geräte über die WPS-Verschlüsselung oder über den Browser. Je nach Hersteller kosten die Geräte zwischen 30 und 70 Euro. Wenn möglich, sollten die Hersteller von Router und Repeater übereinstimmen, da die Geräte sonst unter Umständen nicht richtig miteinander funktionieren.

Sie haben noch einen alten Router herumliegen? Dann sparen Sie sich den Kauf eines Repeaters und nutzen Sie stattdessen das aussortierte Gerät: Viele Router können im Menü auf "Repeater-Betrieb" umgestellt werden. Besonders einfach gestaltet sich das Geräte-Recycling mit alten Fritzboxen, diese müssen aber möglicherweise noch einmal aktualisiert werden. Wie Sie ihren Router umkonfigurieren, finden Sie im Handbuch oder auf der Website des Herstellers. Mehr Informationen über Repeater finden Sie hier.

Nur für Profis: Sendeleistung erhöhen

Dieser Tipp eignet sich nur für erfahrene Nutzer! Fehler in der Durchführung können unter Umständen den Router irreparabel zerstören. Um das Signal des Routers zu verstärken, kann die Sendeleistung erhöht werden. In unterschiedlichen Ländern gelten verschiedene gesetzlich vorgeschriebene Sendeleistungen. Hat man ein Gerät aus dem Ausland importiert, ist der Grenzwert möglicherweise zu niedrig. Mit dem kostenlosen Router-Betriebssystem "Openwrt" kann der Ländercode – und damit die Sendeleistung – angepasst werden. Weitere Informationen finden Sie in der englischsprachigen Wiki der Entwickler. In Deutschland darf auf dem üblichen 2,4 Gigahertz-Band nur mit 100 Milliwatt gefunkt werden. In den USA ist dagegen sogar 1 Watt erlaubt, also die zehnfache Stärke. Aber Achtung: Sollte der deutsche Grenzwert überschritten werden, ist der Betrieb des Geräts illegal.

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