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Youtube sperrt Video wegen Vogelgezwitscher

Urheberrechtsverletzung oder harmlose Naturaufnahme? Ein Youtube-Nutzer veröffentlichte ein Video, in dem singende Vögel zu hören sind. Kurz darauf wurde sein Video wegen Lizenzverstößen gesperrt.

Von Christoph Fröhlich

Wie weit reicht das Urheberrecht? Die Debatte um Produktpiraterie und Urheberrechtsverletzungen treibt jedes Wochenende Tausende auf die Straße, um gegen das geplante Handelsabkommen Acta zu demonstrieren. Wie leicht gegen Lizenzrechte verstoßen werden kann, zeigt der Fall des Youtube-Nutzers "Eeplox", der derzeit im Netz für Wirbel sorgt.

Eigentlich wollte der bekennende Naturliebhaber in seinem Video lediglich erklären, wie aus Wiesenpflanzen ein Gartensalat hergestellt wird. Normalerweise interessieren diese Videos niemanden, die meisten werden in einem halben Jahr gerade einmal 300-mal angeklickt. Doch sein neuestes Video "Einfaches Leben - Einen wilden Salat pflücken" sammelte 18.000 Klicks in nur drei Tagen. Doch das liegt nicht am gesteigerten Interesse für Rohkost, sondern an der bizarren Geschichte rund um das Video.

Patentiertes Gezwitscher

"Beim Hochladen meiner neuesten Videos teilte mir Youtube mit, dass ich copyrightgeschütztes Material von Rumblefish verwende", schreibt der Nutzer. Das Pikante: Eeplox verzichtete absichtlich auf den Einsatz von Musik, um eine Abmahnung zu verhindern. Genützt hat es nichts: Obwohl nur seine Stimme und das Zwitschern der Vögel im Hintergrund zu hören ist, behauptete Rumblefish, ein US-Dienstleister für Musikstücke, dass "das Singen der Vögel offenbar Rumblefishs exklusives geistiges Eigentum sei", so der Nutzer.

Er legte bei Youtube Einspruch ein, doch bei erneuter Durchsicht sah der Rechteverwerter seine Ansprüche bestätigt: "Alle Rechteinhaber haben das Video gesehen und ihr Anrecht auf einen Teil oder sämtliche Inhalte bestätigt: Rechtsträger: Rumblefish; Inhalt: Musikalische Komposition". Eeplox war verwirrt: Kann Vogelzwitschern wirklich patentiert werden?

Nicht der erste Vogelstreit

Es ist nicht das erste Mal, dass der Gesang von Vögeln Gegenstand einer Rechtsdebatte wird: Im Jahr 2001 sorgte eine Aufnahme von Staren, die nach Ansicht des Berliner Konzept-Künstlers Wolfgang Müller die Ursonate des Dadaisten Kurt Schwitters zwitscherten, für Aufsehen. In einer Berliner Galerie präsentierte Müller seine Aufnahmen auf CD – und erhielt kurz darauf Post von Schwitters Rechtsvertretern. Sie wollten wissen, von wem er die Genehmigung für eine Aufnahme erhalten habe. Nach einem Briefwechsel stimmte die Kanzlei schließlich zu, dass es sich bei Starengesängen um in der Natur vorgefundenes Material handelt.

Auch der Chef von Rumblefish räumte mittlerweile ein, dass es sich bei dem Vorfall nur um einen unglücklichen Fehler handelt. Mittlerweile kann das Video wieder bei Youtube gesehen werden. Doch die Netzgemeinde amüsiert sich über das kuriose Verhalten des Lizenzverwerters. Und wird weiter gegen das kritisierte Acta-Abkommen auf die Barrikaden gehen.

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