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12. August 2008, 17:59 Uhr

Schutz vor den Telefon-Abzockern

Es ist ein Riesenskandal: Die Bankdaten von 17.000 Bürgern wurden an Unternehmen verkauft, nun häufen sich die Beschwerden über unkorrekte Abbuchungen. Die Verbraucherzentralen raten, Kontoauszüge zu überprüfen und geben weitere Tipps, wie Verbraucher sich besser schützen können. Von Sonja Hartwig

Eine Kopie der sichergestellten Original-CD, auf der die Bankdaten von rund 17.000 Personen gespeichert sind© DPA

Erst in der vergangenen Woche habe sich wieder eine Frau beschwert, dass 70 Euro für eine Lotto-Teilnahme abgebucht worden sein, sagt Ute Klaus von der Verbraucherzentrale Hessen. Und das obwohl sie überhaupt kein Lotto gespielt habe. Dies ist, wie Dienstag bekannt wurde, kein Einzelfall: Massenhaft soll eine dubiose Firma von mehreren Konto Beträge abgebucht haben - ohne, dass die Kontoinhaber davon etwas wussten.

Verbraucherschützer empfehlen: Wer solch eine dubiose Abbuchung auf seinem Konto entdeckt, sollte sofort seine Bank informieren. "Nehmen Sie den Kontoauszug einfach mit zur Bank und sagen sie, dass der Auftrag von Ihnen nie erteilt wurde", rät Klaus. Weitere Gründe müssen nicht angegeben werden. Innerhalb von sechs Wochen kann das Geld zurückgebucht werden.

Anrufe häufen sich

Seit einiger Zeit beobachten Verbraucherschützer, dass sich Anrufe von Call-Centern, die Waren oder Dienstleistungen verkaufen wollen, häufen. Und das obwohl sogenannte "cold calls" längst verboten sind - seit vier Jahren per Gesetz. Nichtsdestrotz: "Das Tricksen am Telefon wird immer hemmungsloser", berichtet Edda Castelló von der Verbraucherzentrale Hamburg.

Die Anrufer geben sich meist als Verlagsgesellschaften oder Spielgemeinschaften aus - wer wirklich dahinter stecke, sei oft nicht klar. Nicht selten werden die Anrufe auch als Umfrage oder Spendenaufruf getarnt. Eine Hamburgerin, die sich an die Verbraucherzentrale gewandt hat, berichtet von drei bis fünf dubiosen Telefongesprächen in der Woche: Sobald sie einen abwimmle, klingle schon der nächste, der sie mit Geschenken überhäufen will.

"Es wird immer vorgespielt, dass der Kunde den großen Preis abgeräumt hat", sagt Castelló. Oft gibt der Anrufer dann vor, schon die Kontonummer des scheinbaren Gewinners zu haben und diese nur noch einmal überprüfen zu wollen. Die Verbraucherschützerin rät: "Legen Sie entweder sofort auf oder spielen Sie Lockvogel."

Genaue Angaben für Abmahnung

Denn: Unerlaubte Werbeanrufe können jederzeit den Verbraucherzentralen gemeldet werden. Um die Firma, die dahinter steckt, abzumahnen, brauchen die Verbraucherschützer allerdings genaue Angaben darüber, wer wann angerufen hat. Der potentielle Kunde sollte daher erst einmal auf das Angebot eingehen - zumindest zum Schein. Sobald er dann einen Brief mit dem Betreff: "Herzlichen Dank für das Telefongespräch" erhält, lässt sich ein Zusammenhang beweisen.

Die 17.000 an ein Callcenter verkauften Datensätze kamen vermutlich von einer Firma im nordrhein-westfälischen Viersen. Auffällig sei, dass viele Verbraucher, die sich in der jüngsten Zeit bei den Beratungsstellen beschwert hätten, in der Vergangenheit Kunden von Glücksspielanbietern gewesen seien. Die Struktur der Daten, sagt Thilo Weichert, Leiter des Unabhängigen Landeszentrums für Datenschutz (ULD) in Schleswig-Holstein, weise darauf hin, dass diese von der Süddeutschen Klassenlotterie (SKL) stammen könnten. Die SKL schloss den Handel mit Kundendaten aber aus.

Bisher mussten die Verbraucher nicht unbedingt fürchten, dass ihr Konto geräumt werde - dies ist nun anders. Den Call-Centern liegen Listen mit den Kontoverbindungen der Angerufenen vor. Ute Klaus von der Verbraucherzentrale Hessen geht davon aus, dass die Betroffenen irgendwann und irgendwem einen Abbuchungsauftrag erteilt haben müssen. Ihr Appell: "Geben Sie Ihre persönliche Kontonummer nie weiter." Um den Datenhandel zu unterbinden, rät sie, von vorne herein selbst aktiv zu werden. So sollte der Verbraucher der Weitergabe zu Werbezwecken immer schriftlich widersprechen, sobald er einer Firma einen Abbuchungsauftrag erteilt. Sonst ist dem Missbrauch Tür und Tor geöffnet.

Verhängnisvoller Kontoauszug

"Die meisten sind viel zu leichtfertig", sagt Klaus. Dabei war es nie so einfach, persönliche Daten von Personen auszuspionieren: Selbst ein vergessener oder verlorener Kontoauszug kann zum Verhängnis werden. Auf dem Ausdruck steht zwar außer der Kontonummer und der Bankleitzahl nur der Name, doch kann über diese Daten leicht der Wohnsitz recherchiert werden.

Trickbetrüger lauern sowohl am Telefon, als auch im Internet. Wer sich hier bewegt, hinterlässt Spuren: Vor allem beim Online-Shopping. Statt einen Abbuchungsauftrag zu erteilen, rät die Verbraucherschützerin daher, immer eine Rechnung anzufordern. "Das ist immer noch der sicherste Weg."

Von Sonja Hartwig
 
 
KOMMENTARE (9 von 9)
 
Eisenbaer (13.08.2008, 15:19 Uhr)
@520i
Wenn niemand in einem Callcenter arbeiten würde, gäbe es keine Callcenter. Aber so: mitgegangen, mitgefangen, mitgehangen.
520i (13.08.2008, 14:45 Uhr)
Lasst die Callcentertypen in Ruhe...
...DAS sind arme Schweine.
Leute abzocken MÜSSEN weil sonst die Quote nicht erfüllt wird, miese Arbeitszeiten, mieser Lohn und bei eigener Kündigung gibts erstmal H4-Sperre.
Ich mache die Anrufer nie blöd an, die können echt nichts dafür, dass sie in so einem Scheiß-Callcenter gelandet sind.
manndernichtdaist (13.08.2008, 13:46 Uhr)
Keine Tel.Nr. im Telefonbuch
Ich hab meine Telefonnummer nicht im Telefonbuch registriert. Nur einmal habe ich sie bei einem (seriösen?) Online-Unternehmen angegeben und keine 2 Wochen später kam ein Anruf eines Kerlchens: "Guten Tag, mein Name ist Haumichtot, von der Firma Unsgibtsinwirklichkeitgarnicht, haben sie sich nicht schon oft geärgert, wieso sie soviel Geld für Lebensmittel und Benzin ausgeben müssen? Ich hätte da ein paar Fragen an sie..."
Ich: "Gegenfrage. Stehen sie auf Schmerzen?"
Kerlchen: "Äh... Wie bitte..?"
Ich: "Nichts weiter. Zu ihrer Frage, nein interessiert mich nicht, ich bin stinkreich und leiste mir was ich will."
Kerlchen: "Äh....."
Ich: "Ich hab ihre Frage beantwortet, einen schönen Tag noch - und nochwas: Mit "äh..." kommen sie beruflich nicht viel weiter als in dümmlichen Callcentern zu arbeiten. Ach, sie haben sonst auch keine Bildung? Na dann viel Spaß beim telefonieren!" *klick*
Seit 4 Monaten Ruhe.
bR4iNST0RM (13.08.2008, 12:44 Uhr)
Wozu so ein Aufwand?
Verbraucherschutz ist zwar gut und recht, aber für solche Fälle eher untauglich. Wenn jemand anruft und meint Gewinne verteilen zu müssen, einfach auflegen, denn geschenkt gibt es heut zu Tage gar nichts! Und wenn der Fall eintritt, dass unerlaubt abgebucht wurde umso besser, denn schwarzer auf weißer geht’s nicht! Einfach Kontoauszug schnappen und gleich Strafanzeige stellen. Wenn die Firmen solch dubiose Geschäftsgebaren haben, dann hilft nur der Direktbeschuss.
undueberhaupt (13.08.2008, 11:01 Uhr)
Meine Telefon-Nr.
Meine Telefon-Nr. kennen nur meine Geschwister, mein Arzt, meine Bank, mein Arbeitgeber. Und ich habe Ruhe, denn sie wird nicht an andere Dritte (+ Telefonbuch) weitergegeben.
Sardor (13.08.2008, 10:37 Uhr)
Weitere Gründe...
Man braucht überhaut kein Grund angeben um einer Lastschrift zu widersprechen. Und die tollen Tips wie der Weitergabe meiner persönlichen Daten zu untersagen... Und, wenns doch weitergegeben wird? Wie soll ich beweisen wers war, kann ich klagen, wer zahlt Kosten und Zeit? Alles blah blah... Eigentlich kann mann nu der Firma vertrauen wo man kauft!
520i (13.08.2008, 09:10 Uhr)
Höchststrafe
Die Höchststrafe für Datenschutzvergehen liegt bei 100.000€.
Solange sich daran nichts ändert, wird munter weitergemacht. Was sind schon 100.000€ für einen Konzern? NICHTS!
Und um bloß nicht drüber Reden zu müssen (weil man ja sonst auf SSchäuble zu sprechen kommen müsste) wird das Thema einfach totgeschiwegen. Peng.
endbenutzer (13.08.2008, 09:08 Uhr)
Warum so ein Wind...
..um diese Angelegenheit? Unser Innenminister macht da noch ganz andere Sachen. Da regt sich auch niemand drüber auf..
screne (13.08.2008, 08:54 Uhr)
Na das sind ja mal schlaue Tipps
Solange der Konsument nicht Eigentümer seiner eigenen Daten ist und andere für die Nutzung dieser Daten zur Kasse bitten kann, wird sich hier garnix ändern. Stattdessen wird der Bürger einfach enteignet, damit die Wirtschaft einfacher Geschäfte machen kann. Der Konsument bleibt auf der Strecke und ist nur noch für eines gut: Bezahlen.
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