Ratgeber Sexualität

Reine Frauensache

Viele Vorurteile

Für viele Frauen spielt die Frage nach den biologischen Ursachen der Homosexualität eine weniger große Rolle. Feministinnen ermutigen ihre Schwestern dazu, ihr Leben selbst zu bestimmen - und folgerichtig auch ihre Sexualität. Das können sie nur, wenn sie davon ausgehen, dass sie nicht hilflos ihren natürlichen Trieben ausgeliefert sind.

Selbst die Sexualforscher vom Kinsey-Institut waren keine große Hilfe dabei, den Lesben ein positives Orientierungsbild zu liefern, als sie ihnen attestierten, sie würden eine geringere sexuelle Aktivität an den Tag legen als die homo- und heterosexuellen Männer. Schließlich hatten sie nur die Zahl der Orgasmen gezählt. Lesbisches Begehren, dass sich auf den ganzen Körper erstreckt und mehr als nur einen genitalen Höhepunkt kennt, kam in solchen Untersuchungen nicht vor.

Weniger Interesse an flüchtigen Sexualkontakten

Kein Wunder, dass im Laufe einer entstehenden Lesbenbewegung eine ganze Reihe von Fragen erst einmal diskutiert werden musste: Dürfen Lesben Dildos benutzen, oder ist Penetration nur eine Imitation von Heterosex? Sind Vibratoren und andere Sexspielzeuge erlaubt, und wie steht es um SM-Spiele und Pornographie? Dürfen Frauenpaare noch, wie in den Nachkriegsjahren üblich, eine männlich-weibliche Rollenverteilung übernehmen?

Über solche Themen wurde erbittert gestritten, bis in der Lesbenbewegung mit zunehmendem Selbstbewusstsein mehr Gelassenheit einkehrte. Heute beurteilen Lesben ihren Sex weniger danach, was er für eine politische Bedeutung hat, als vielmehr danach, wie entlastend, befreiend und befriedigend sie ihn erleben. In einer Umfrage gaben 82 Prozent an, dass Sexualität für sie wichtig ist. Sie empfinden sie oft als zärtlicher, emotionaler, einfühlsamer und befriedigender als mit einem Mann.

Lesben haben ein geringeres Interesse an unpersönlichen, flüchtigen Sexualkontakten als Schwule, und sie neigen stärker dazu, sich in monogamen Zweierbeziehungen zu bewegen. Insgesamt haben sie weniger Sexualkontakte. Oder, wie die amerikanische Kulturhistorikerin Camille Paglia formuliert: "Schwule suchen vielleicht Sex ohne Gefühle; Lesben finden sich aber oft mit Gefühlen ohne Sex."

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