Ratgeber Sexualität

Das tückische Virus

Es ist still geworden um Aids. Vielleicht, weil neue Medikamente eine trügerische Sicherheit verbreiten. Dabei ist auch 30 Jahre nach dem ersten Auftreten des tückischen Virus ein Heilmittel gegen die Immunschwäche nicht gefunden. Von Barbara Mannitz

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Mehrere tausend Menschen stecken sich jedes Jahr in Deutschland mit HIV an©

Aids ist die Spätfolge eines Viren-Angriffs. Zunächst befällt das Humane Immunschwäche-Virus (HIV) die Zellen des Immunsystems, vermehrt sich in ihnen und zerstört sie. Damit ist der Körper nicht mehr gefeit gegen Ansteckungen, die er sonst gut wegstecken könnte. Schreitet dieser Prozess der HIV-Infektion voran, weil die Betroffenen nicht behandelt werden, entwickelt sich das Krankheitsbild der erworbenen Abwehrschwäche, auf Englisch: acquired immunodeficiency syndrome, also Aids. Von der Ansteckung bis zur Krankheit Aids dauert es etwa zehn Jahre.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einem Mittel, das die Viren im Körper vernichtet. Gelungen ist ihnen das bisher nicht. Wohl aber konnten sie Medikamente entwickeln, die die Virenmenge im Blut eindämmen. Für die Kranken heißt das: Mit dieser Behandlung hält ihr Abwehrsystem länger stand, schwere Infektionen werden um Jahre hinausgezögert.

In Deutschland leben nach Schätzungen des Robert-Koch-Instituts etwa 70.000 Menschen mit der tückischen Viruskrankheit, jährlich werden rund 2900 HIV-Neuinfektionen diagnostiziert. Angesteckt haben sich drei Viertel der Infizierten beim ungeschützten Sex mit Männern; ein Fünftel hat sich das Virus bei der heterosexuellen Liebe geholt. Sex ohne Kondom ist dabei immer noch das Hauptrisiko. Und wer die sexuelle Abwechslung liebt oder gerne Analsex hat, ist besonders gefährdet.

Beim Küssen kann nichts passieren

HI-Viren lieben es feucht. Sie können in allen Körperflüssigkeiten leben. Vor allem in der Samen- und Scheidenflüssigkeit und im Blut konzentrieren sie sich. Daher ist die Gefahr so groß, sich beim Sex anzustecken. Tränenflüssigkeit, Speichel, Schweiß, Urin und Kot dagegen transportieren keine Viren. Küssen ist daher im Prinzip ungefährlich. Es sei denn, beide Liebenden haben eine offene Wunde im Mund; dann können sie das Virus möglicherweise über das Blut austauschen.

Wenn die Erreger erst einmal eingetrocknet sind, auf dem Bettlaken oder anderswo, sind sie ungefährlich. Sobald sie jedoch wieder Flüssigkeit um sich haben, werden sie erneut munter. Viele Drogenabhängige wissen das nicht und riskieren eine Ansteckung, wenn sie Nadeln oder Spritzen gemeinsam benutzen. Aus diesem Grund sollten auch beim Piercen und Tätowieren sollten die Nadeln immer steril sein. HIV-infizierte Mütter stecken ihre Kinder an - während der Schwangerschaft, der Geburt und beim Stillen. Die Angst, sich bei einer Blutübertragung das Virus einzufangen, ist heute dagegen nahezu unbegründet: Die Blutbanken untersuchen Blutkonserven und Spender inzwischen sorgfältig. Wenn Sie hundertprozentige Sicherheit haben wollen, lassen Sie sich vor Ihrer Operation Ihr eigenes Blut für die Transfusion abnehmen.

 
 
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