Wehwehchen einfach wegdrücken

Streicheln kommt bei den meisten Menschen besser an als Stechen: Gerade für Sensible und Kinder ist die Akupressur eine prima Alternative zur Nadel-Methode.

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Akupressur

Selbst Hand anlegen: Akupressur kann manchmal gegen Allergien helfen©

Dass so manches Weh und Ach aus einem Punkte zu kurieren sei, vermutete bereits Goethes teuflisch cleverer Mephisto. Und formulierte damit, auch wenn er anderes im Sinne hatte, im Grunde das Prinzip der Akupressur. Die Methode ist eine sanfte Variante der Akupunktur. Sie basiert ebenfalls auf der Vorstellung, dass die Lebensenergie auf Leitbahnen durch den Körper fließt und auf ihrem Weg über die Oberfläche der Haut stimuliert werden kann. Das geschieht bei der Akupressur durch Hand- oder Fingerdruck auf sensible Punkte. Damit sollen Energiefluss und Selbstheilungskräfte aktiviert werden.

Bei Übelkeit und Erbrechen kann eine Akupressur – in Absprache mit dem Arzt - nicht schaden. Aber auch dabei sollte berücksichtigt werden: Kinder reagieren anders als Erwachsene. Je jünger Ihr Sprössling ist, desto stärker wird er auf die Behandlung ansprechen. Daher sollte er, auch wenn die meisten seiner Akupressurpunkte mit denen Erwachsener identisch sind, wesentlich kürzer und mit geringerem Druck massiert werden.

Sie dürfen übrigens auch gern selbst Hand anlegen: Grundlagen der Technik sind leicht zu erlernen und für Kinder ab vier Jahren für den Hausgebrauch geeignet. Wenn Ihr Kind krank ist, können Sie durch eine morgendliche Akupressur dafür sorgen, dass es sich besser fühlt. Bei chronischen Krankheiten wie Allergien empfehlen Ärzte ein bis zwei Behandlungen pro Woche. Nach fünf Wochen sollten Sie allerdings eine 14-tägige Pause machen, sonst könnte der kleine Körper überreizt werden.

Das steckt dahinter:

Akupressur gehört wie Akupunktur zur traditionellen chinesischen Medizin. Diese fernöstliche Heilkunde geht davon aus, dass die Lebensenergie Qi entlang von so genannten Meridianen fließt. Qi kann über 350 spezielle Punkte an der Körperoberfläche positiv beeinflusst werden. Basis der Therapie ist die Annahme, dass all unsere Organe mit ganz bestimmten Meridianen und Punkten in Verbindung stehen. Das heißt, bestimmte Beschwerden können über die jeweils Meridiane und Punkte behandelt werden.

So wirkt's:

Ausreichende wissenschaftliche Wirksamkeitsnachweise gibt es noch nicht. Dennoch gilt diese sanfte Methode besonders zur Vorbeugung von Krankheiten als durchaus empfehlenswert. Sie ist zumindest einen Versuch wert. Wenn Sie die Technik richtig gelernt haben und anwenden, können Sie Ihrem Kind auch nicht damit schaden. Und ein paar Extra-Streicheleinheiten tun allen Menschen gut - gerade, wenn sie sich nicht so wohl fühlen.

Das sagt der Experte:

Edzard Ernst leitet die Abteilung für Komplementärmedizin an der britischen Universität Exeter. Er beschäftigt sich seit langem mit der Wirksamkeit alternativer Heilmethoden und hat viele Verfahren getestet.
Sein Urteil: Die Akupressur ist weit weniger gründlich untersucht als die Akupunktur. Die Daten sind daher auch weniger überzeugend.

Rüdiger Braun

 
 
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