Duschverbot in Neu-Ulmer Hochhaus

8. März 2013, 08:32 Uhr

Seit drei Monaten dürfen die Bewohner eines Hochhauses in Neu-Ulm nicht duschen. Grund sind Legionellen, die aufgrund neuer Vorschriften zur Untersuchung des Trinkwassers entdeckt wurden.

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Die Legionellen in der Wasserleitung im Neu-Ulmer Hochhaus wurden bei einer Überprüfung im Rahmen der neuen Trinkwasserverordnung gefunden©

Etwa 500 Bewohner eines Hochhauses in Neu-Ulm dürfen wegen Legionellen in der Wasserleitung seit drei Monaten nicht mehr duschen. Hintergrund ist eine Änderung der Vorschriften, wonach in Wohnblocks die Qualität des Trinkwasser kontrolliert werden muss. Experten rechnen deswegen mit einer deutlichen Zunahme solcher Duschverbote in Zukunft.

Bei einer Prüfung der Wasserleitung sei eine extrem hohe Konzentration der Keime festgestellt worden, sagte der Leiter des Gesundheitsdienstes im Landratsamt, Martin Küfer, am Donnerstag und bestätigte damit einen Bericht der "Augsburger Allgemeinen". Das Duschverbot für das gesamte Donaucenter und dessen Bewohner wurde schon Ende November 2012 verhängt. Es werde erst aufgehoben, wenn die Anlage saniert ist. Dafür zuständig seien die rund 300 Eigentümer der Wohnungen.

Zum Trinken, Kochen oder Waschen könne das Wasser bedenkenlos verwendet werden, sagte Küfer. "Nur beim Duschen besteht die Gefahr, dass sich Wasser vernebelt und die Legionellen durch die Atmung in die Lunge geraten." Dann könnten sie Lungenentzündungen hervorrufen. Gefährdet seien vor allem ältere Menschen, Raucher und Menschen mit geschwächtem Immunsystem, sagte der Experte. Bislang seien keine Infektionen mit Legionellen bekanntgeworden.

"Mehr Proben, mehr Legionellen"

Die Legionellen seien bei einer Überprüfung im Rahmen der neuen Trinkwasserverordnung gefunden worden. Bis Ende 2013 muss demnach für alle Wohnanlagen solch ein Test gemacht werden. In dem Neu-Ulmer Wohnkomplex wurde diese Untersuchung im vergangenen Jahr veranlasst. Sollte es bei den Routinekontrollen keine Auffälligkeiten geben, muss die Untersuchung im Abstand von drei Jahren wiederholt werden. Für öffentliche Einrichtungen wie Schwimmbäder oder Krankenhäuser gibt es schon länger eine jährliche Prüfungspflicht.

Der Chef der Gesundheitsbehörde in Neu-Ulm rechnet damit, dass wegen der geänderten Vorschrift künftig immer wieder Duschen in größeren Wohnanlagen gesperrt werden müssen. "Mehr Proben, mehr Legionellen", brachte es Küfer auf einen Nenner.

Hintergrund Legionellen sind weltweit verbreitet. Sie gedeihen in warmem Süßwasser und können die Lungen von Menschen befallen, wenn zerstäubtes Wasser eingeatmet wird. Infektionsquellen sind daher Klimaanlagen, Duschen, Whirlpools und andere Warmwassereinrichtungen, in denen Dampf oder Sprühnebel entsteht. Die Infektion beginnt meist mit Husten, Durchfall und Fieber. Später kann es zu schweren Lungen- und Rippenfellentzündungen kommen. Legionellen im Magen-Darm-Trakt sind dagegen in der Regel harmlos. Deswegen kann Trinkwasser weiter unbedenklich verwendet werden. Eine Übertragung der Legionellen von Mensch zu Mensch ist unmöglich.

kave/DPA
 
 
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