Um sich im Körper auszubreiten, gehen Herpes-Viren wie Piraten vor und kapern einzelne Zellen. Dort programmieren sie den Stoffwechsel so um, dass die Zellen viele neue Erreger herstellen und freisetzen können. Das ist seit längerem bekannt. Unbekannt war bisher jedoch, mit welchen Tricks die Eindringlinge ihre Wirtszellen erobern.
Einem Forscherteam aus Deutschland gelang es, dieses Rätsel zumindest teilweise zu lösen. Ulrike Maurer und Kay Grünewald vom Max-Planck-Institut Martinsried und Beate Sodeik von der Medizinischen Hochschule Hannover entdeckten mit Hilfe modernster Aufnahmetechniken, der Elektronenmikroskopie, wie das Virus seine Wirtszelle befällt und in sie eindringt.
Außerdem haben die Wissenschaftler herausgefunden, welche Proteinstrukturen, also Eiweißverbindungen, beteiligt sind, wenn Menschen Lippenherpes bekommen. Die neuen Erkenntnisse sind nicht nur für Zellbiologen und Virus-Forscher interessant. Sie helfen hoffentlich auch der Arzneimittel-Industrie, bessere Medikamente zu entwickeln.