Während Beate Zschäpe in U-Haft sitzt, basteln ihre Anwälte an der Verteidigungsstrategie. Im stern.de-Interview sprechen sie über Anfeindungen und den Gemütszustand der "Nazi-Braut".
Wolfgang Stahl: Von einer "Nazi-Braut" sprechen wir sicher nicht. Bis zum rechtskräftigen Abschluss des Verfahrens gilt natürlich auch für Frau Zschäpe die Unschuldsvermutung. Ich sehe da keinen großen Unterschied zu anderen Mandaten, allerdings kostet uns das große Interesse der Presse zusätzlich viel Zeit.
Wolfgang Heer: Wir haben uns um das Mandat nicht aktiv bemüht. Frau Zschäpe bedarf wie jeder inhaftierte Staatsbürger einer professionellen Verteidigung, die darauf achtet, dass ihr ein faires und rechtsstaatliches Verfahren zuteil wird. Dafür kämpfen wir mit allen rechtlichen Möglichkeiten. Das ist kein einfacher Weg für sie, aber wir werden ihr vertrauensvoll aber auch mit der gebotenen Distanz beistehen. Nur wenn man es schafft, sich als Anwalt frei von den Emotionen zu machen, kann man seiner Aufgabe gerecht werden.
Heer: Wir haben keine Sympathien für radikale oder extremistische Strömungen, sondern sind darauf bedacht, die Verteidigung streng sachlich zu führen. Stahl: Wir werden versuchen, eine Instrumentalisierung des Verfahrens zu politischen oder gar verfassungsfeindlichen Zwecken zu verhindern.
Stahl: Das Risiko, sich unbeliebt zu machen, besteht natürlich bei einem solchen Mandat. Je gravierender die Vorwürfe sind und je mehr ein Fall die Öffentlichkeit abstößt, desto mehr braucht es eine gute Verteidigung. Das ist unser Verständnis von professioneller Strafverteidigung. Da kann man schon fast von rechtsstaatlicher Verantwortung sprechen.
Stahl: Unsere Mandantin weiß, dass ihr eine schwere Zeit bevorsteht. Alle erwarten, dass sie zur Aufklärung beiträgt. Auf mich wirkt sie gefasst und auch gefestigt. Der Generalbundesanwalt hat bekanntgegeben, dass gegen Frau Zschäpe auch ein Anfangsverdacht wegen Mordes besteht. Ihr ist vollkommen klar, dass es um sehr viel für sie geht.
Heer: Die Frage werden wir Ihnen nicht beantworten.
Stahl: Ja, im Radio. Ein Fernsehgerät hat man ihr bisher nicht zur Verfügung gestellt.
Heer: Frau Zschäpe hat eine Einzelzelle. Das ist aber nicht ungewöhnlich, sondern bei Untersuchungsgefangenen die Regel. Dort war es allerdings mit 18 Grad Raumtemperatur zu kalt, so dass Frau Zschäpe leicht erkältet ist. Aber wir haben uns bei der Anstaltsleitung um Abhilfe bemüht. Ihre Brille wurde ihr erst Samstag vergangene Woche auf mein Bitten hin ausgehändigt. Insgesamt ist sie relativ isoliert, da sie den täglichen einstündigen Hofgang alleine machen muss. Sie freut sich auf den Besuch von ihrer Mutter.
Stahl: Frau Zschäpe hat gegenüber den Ermittlungsbehörden bislang keine detaillierten Angaben gemacht, auch nicht zu ihrer Vergangenheit. Nach ihrer ersten Vernehmung am 8. November, dem Tag ihrer Festnahme, in der sie keine Angaben gemacht hat, haben ihr zwei Ermittlungsbeamte in Zwickau Gelegenheit zum Rauchen gegeben und sie in ein Gespräch verwickelt, auch über ihre zwei Katzen und ihre starke Bindung an ihre Großmutter. Das hat den Weg in die Ermittlungsakte gefunden.
Heer: Wir haben ihr geraten, das erst zu entscheiden, wenn wir alle Akten vollständig einsehen konnten.
Heer: Ich wäre sehr dankbar, wenn ich das wüsste. Aus dem, was uns vorliegt, geht ein dringender Tatverdacht wegen der Mitgliedschaft in einer solchen Vereinigung jedenfalls nicht hervor.
Heer: Wenn dem Ermittlungsrichter wirklich nur so wenige Aktenstücke vorlagen, hätte aus unserer Sicht der Haftbeschluss nicht auf Bildung einer terroristischen Vereinigung lauten dürfen. Die Bundesanwaltschaft hat uns bisher nur gut 120 Seiten, also fast nichts, zur Verfügung gestellt. Von einem fairen Verfahren kann man da nicht sprechen. Ich kann nicht akzeptieren, dass Bundesanwaltschaft und Bundeskriminalamt die Öffentlichkeit bedeutend umfangreicher informieren als uns.
Stahl: Ich verstehe nicht, warum diese Debatte geführt wird. Abgesehen davon, dass die Bundesanwaltschaft darüber nicht zu entscheiden hat, hat sie ein solches Angebot nicht an uns herangetragen. Bevor wir Überlegungen anstellen, müssen wir auf den gleichen Kenntnisstand wie die Ermittlungsbehörden gesetzt werden.
Heer: Nein. Wir werden uns weder von der Öffentlichkeit, die wie es scheint selbstverständlich eine Aussage von Frau Zschäpe erwartet, noch von den Ermittlungsorganen unter Druck setzen lassen.
Stahl: Nein, dafür gibt es keinerlei Anhaltspunkte.
Heer: Wir werden uns an einem "Medienzirkus" nicht beteiligen und die Verteidigung auch nicht in die Presse verlagern.
Heer: Die Staatskasse. Allerdings entspricht die Höhe der Vergütung eines Pflichtverteidigers in einem solchen doch sehr arbeitsintensiven Mandat nicht annähernd dem tatsächlichen Aufwand.
Heer: Die Bundesanwaltschaft ist noch immer der Meinung, dass für einen zweiten Pflichtverteidiger keine Notwendigkeit besteht. Wenn aber ca. 500 Ermittler und 10 Staatsanwälte nur einem Anwalt gegenüberstehen, hat dies mit einem fairen Verfahren wenig zu tun.
Der mutmaßlichen Terroristin Beate Zschäpe.... ... wird die Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung und schwere Brandstiftung angelastet. Sie soll gemeinsam mit den Neo-Nazis Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt die Zwickauer Zelle gegründet haben. Bislang schweigt sie zu den Vorwürfen.